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„Sind weder ängstlich, noch sorglos“

22.07.2022 • 18:45 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Gerald Fleisch, Martina Rüscher und Robert Spiegel (von links) sprachen über die aktuelle Situation. <span class="copyright">Serra</span>
Gerald Fleisch, Martina Rüscher und Robert Spiegel (von links) sprachen über die aktuelle Situation. Serra

Landesrätin Martina Rüscher informierte über die Coronalage und gab einen Ausblick in den Herbst.

Stabil ist die Situation in Vorarlberg derzeit, was die Coronapandemie angeht. Darüber haben am Freitagnachmittag Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP), der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, sowie der Covid-Beauftragte der Ärztekammer, Robert Spiegel, informiert. Es sei daher auch nicht notwendig, „intensivere Maßnahmen“ zu ergreifen, sagte die Landesrätin. Mittlerweile seien auch in Vorarlberg die Omikron-Varianten „BA.4/BA.5“ dominant. Diese hätten einerseits ein hohes Ansteckungspotential, andererseits führten diese in der Regel zu vergleichsweise milden Krankheitsverläufen. Daher sei aus derzeitiger Sicht auch keine Überlastung des Gesundheitssystems zu erwarten. Die Landesrätin setzt daher vor allem auf Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger, um die laufende Sommerwelle zu bewältigen.

Bekannte Empfehlungen

Fünf Punkte sind aus Rüschers Sicht empfehlenswert. So biete es sich an, FFP2-Masken zu tragen. In Innenräumen gelte es, Abstand zu halten und regelmäßig zu lüften. Auch die bereits bekannten Maßnahmen in Sachen Händehygiene sollten weiterhin beachtet werden. Risikopatienten sollten bei einer Erkrankung beziehungsweise nach einem positiven Test ihre Ärztin oder ihren Arzt kontaktieren. Denn mit Medikamenten könnte vor schweren Verläufen geschützt werden. Nicht zuletzt setzen die Verantwortlichen des Landes weiterhin auf die Impfung.

Schon die aus drei Teilimpfungen bestehende Grundimmunisierung biete einen bis zu 90-prozentigen Schutz vor schweren Verläufen, betonte Robert Spiegel. Das sei bei der Impfung das Wesentliche, auch wenn diese nicht vor einer Ansteckung schütze. Jede weitere Auffrischung könne als „Training für das Immunsystem“ gesehen werden. Allerdings sollte der vierte Stich frühestens vier bis sechs Monate nach der Grundimmunisierung durchgeführt werden. Derzeit werde dieser vom Nationalen Impfgremium (NIG) für Personen ab 65 Jahren sowie Risikopersonen empfohlen. Im August wird laut Rüscher eine Aktualisierung der NIG-Empfehlung erwartet.

Die Impfung ist weiter ein wichtiger Baustein des Landes im Kampf gegen die Pandemie. <span class="copyright">Lerch </span>
Die Impfung ist weiter ein wichtiger Baustein des Landes im Kampf gegen die Pandemie. Lerch 

In Vorarlberg sei der aktuelle Plan, dass es ab Mitte Oktober beziehungsweise Anfang November genügend Impfmöglichkeiten für die Auffrischungsimpfung geben werde, falls diese für alle empfohlen werde. Große Impfstraßen könnten aber jederzeit wieder hochgefahren werden. Ob es im Herbst bereits an die neuen Varianten angepasste Impfstoffe geben wird, ist nach Angaben von Spiegel derzeit noch unklar. Die Datenlage ändere sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse laufend. Allerdings würden auch die bestehenden Vakzine einen ausreichenden Schutz bieten.

Derzeit werden im Dornbirner Impfzentrum, in Arztpraxen sowie durch mobile Impfteams Immunisierungen durchgeführt. In der kommenden Woche sind letztere in Schruns (Dienstag), Dornbirn (Mittwoch und Freitag) sowie in Lingenau (Donnerstag) im Einsatz. Grundsätzlich ist keine Anmeldung notwendig, allerdings wird diese empfohlen, um längere Wartezeiten zu verhindern. Ebenso werde dadurch auch die Planung im Hintergrund und die Impfstoffbereitstellung erleichtert, meinte Spiegel. Bei den Impfstationen gilt eine FFP2-Maskenpflicht. Ebenso müssen die E-Card, ein amtlicher Lichtbildausweis und wenn möglich der bereits ausgefüllte Impffragebogen mitgebracht werden.
Insgesamt gebe es derzeit ein steigendes Interesse an den Impfungen, berichtete die Landesrätin. Zwischen 400 und 800 Immunisierungen würden pro Woche durchgeführt. Erstimpfungen gebe es jedoch nur wenige. Bei den Impfungen für Kindern sei gerade zu Beginn eine gewisse Skepsis zu spüren gewesen, berichtete der Covid-Beauftragte der Ärztekammer. Diese habe sich mittlerweile jedoch gelegt. Vor Schulbeginn soll es eine spezielle Impfaktion für Kinder geben, kündigte Rüscher an. Mit Blick auf den Herbst sei man weder ängstlich noch sorglos.

Impfwoche

Dienstag: Schruns, Alpin Sport Zentrale (Silvrettaplatz 1), 15 bis 19 Uhr.

Mittwoch: Dornbirn, Messehalle 11 (Untere Roßmähder), 15 bis 19 Uhr.

Donnerstag: Lingenau, Wäldersaal (Hof 269), 15 bis 19 Uhr.

Freitag: Dornbirn, Messehalle 11 (Untere Roßmähder), 15 bis 18 Uhr.

Erklärvideo zur Impfung online auf: https://youtu.be/3HCza6_GfmM

Ende für Absonderung

Die Landesrätin erneuerte auch die Forderung nach einem Ende der Absonderung für Infizierte. Stattdessen solle für positiv getestete Personen mit Symptomen die Krankenstandsregelung gelten. Für jene ohne Symptome sind aus Sicht von Rüscher Verkehrsbeschränkungen möglich. Diesbezüglich gebe es bereits Gespräche mit dem Bund. Die Landesrätin rechnet damit, dass es in den kommenden Wochen eine Änderung der Regelungen geben wird.

Das Abwasser-Monitoring in Vorarlberg wird nicht reduziert.<span class="copyright">Symbolbild/Stiplovsek</span>
Das Abwasser-Monitoring in Vorarlberg wird nicht reduziert.Symbolbild/Stiplovsek

Abwasser wird weiter beobachtet

Nur noch wenig Aussagekraft hat laut Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher derzeit die Sieben-Tage-Inzidenz auf Basis der positiven Tests. Diese liege in Vorarlberg derzeit bei etwa 790. Allerdings müsse dabei berücksichtigt werden, dass sich das Testgeschehen in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich reduziert habe. Dadurch werde auch nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung getestet. Umso wichtiger seien daher weitere Analyseinstrumente.
Eines davon ist das Abwasser-Monitoring. Dieses bietet nach Angaben von Rüscher einen deutlich besseren Überblick über das Infektionsgeschehen im Land. Die darauf basierenden Analysen zeigten, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Ländle derzeit wohl eher zwischen 2000 und 3000 liege, berichtete die Landesrätin. Aus diesem Grund habe man sich auch im Gegensatz zum Bund dazu entschieden, das Abwasser-Monitoring nicht zurückzufahren. Im Falle einer Reduktion wären, nur noch das Abwasser in drei von sechs Kläranlagen im Land analyisiert worden. Stattdessen würden weiterhin alle sechs Anlagen in das Screening mit einbezogen.

Angespannt aber stabil ist die Lage an Vorarl­bergs Spitälern. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Angespannt aber stabil ist die Lage an Vorarl­bergs Spitälern. Symbolbild/Hartinger

Den Beschäftigten Entlastung verschaffen

Im Vergleich zu früheren Wellen sei die Belastung in den Krankenhäusern durch Corona noch moderat, berichtete der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (­KHBG), Gerald Fleisch. Die Lage sei „angespannt, aber stabil“. Seit einigen Wochen gebe es bezüglich der Coronazahlen eine Seitwärtsbewegung. Am Freitag waren 49 positiv auf das Virus getestete Personen in stationärer Behandlung – vier davon auf der Intensivstation. Bei rund 80 Prozent der Patienten sei Covid-19 die Nebendiagnose und nicht der primäre Grund für den Krankenhausaufenthalt. Von den etwa 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien derzeit 92 coronabedingt nicht einsatzfähig.

Es gehe im Sommer vor allem darum, den in den Krankenhäusern Beschäftigten Entlastung zu verschaffen, meinte Fleisch. Sie hätten in den vergangenen zweieinhalb Jahre ein enormes Pensum geleistet. Es werde versucht, den Betrieb so gut es gehe aufrechtzuerhalten und zugleich den Mitarbeitenden Urlaube sowie den Abbau von Überstunden zu ermöglichen. Dafür sei Flexibilität gefragt. In einigen Bereichen – wie etwa der Orthopädie und der Traumatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch sowie in der Psychiatrie – habe man das Arbeitspensum reduziert. Es könne auch sein, dass vereinzelte nicht dringliche Operationen verschoben werden. Die Notfallversorgung sei aber auf jeden Fall gewährleistet, betonte Fleisch.

Bei den Vorbereitungen auf die kommenden Wochen und Monate gebe es zwei Eskalationsplanungen, welche auch miteinander korrelierten. Bei der einen Planung gehe es darum, wie viele Patienten coronabedingt ins Spital kommen. Die andere basiere auf der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche coronabedingt nicht arbeiten können. Auch hier gebe es die Möglichkeit, flexibel zu reagieren.

Zulauf in Ambulanzen

Seitens der KHBG-Verantwortlichen wird auch an die Bevölkerung appelliert, nur bei medizinischer Notwendigkeit ins Spital zu gehen. Denn in den Ambulanzen sei derzeit die Urlaubszeit zu spüren. Viele Praxen von niedergelassenen Medizinern seien geschlossen, weshalb es in den Spitälern erhöhten Zulauf gebe. Außer bei Notfällen sei bei ­gesundheitlichen Problemen aber in der Regel die Hausärztin oder der Hausarzt die erste ­Anlaufstelle. Auch ein Anruf bei der Gesundheitshotline 1450 könne dabei helfen, medizinischen Rat zu erhalten und die richtige Anlaufstelle zu finden.