Lokal

Ohne Landwirte gibt es keinen Tourismus

23.07.2022 • 15:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Familie Bischof kümmert sich gemeinsam um den Hof. <span class="copyright">Leitner</span>
Familie Bischof kümmert sich gemeinsam um den Hof. Leitner

Judith und Ludwig Bischof betreiben ihren Hof in Mellau in der vierten Generation. Ihnen ist die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Tourismus ein großes Anliegen.

Das Bauernhaus, das 1750 im Rheintaler Stil errichtet wurde, ist ein kleines Juwel am Ortseingang von Mellau. Auffällig sind das charakteristische Steildach mit Knick und das Steinfundament, das noch im Original besteht.
Auch das restliche Mauerwerk ist aus den Anfangstagen, das Haus wurde immer wieder behutsam renoviert. Judith Bischof verrät, dass die Schindeln eine Lebensdauer von circa 70 bis 80 Jahren haben. Ursprünglich als Gasthof Kreuz genutzt, wurde es 1905 vom Urgroßvater von Ludwig „Luggi“ Bischof gekauft und ab dahin landwirtschaftlich genutzt. Auf etwa 17 Hektar Boden bewirtschaftet die Familie das Land. Sohn Johannes (13) hilft tatkräftig mit und bringt die Kuh Hanna zum Fototermin mit (siehe Bild). Auch die älteste Tochter, Marina (24) und die jüngste Anika (11) helfen aus, wenn zusätzliche Hände benötigt werden. Die Mama von Ludwig Bischof wohnt ebenfalls am Hof, und so sind drei Generationen unter einem Dach vereint.

Sohn Johannes mit der Kuh Hanna. <span class="copyright">Hartinger</span>
Sohn Johannes mit der Kuh Hanna. Hartinger

14 Milchkühe und 15 Stück Jungvieh, 50 Hennen, vier Katzen und vier schwarze Jura-Schafe zählen zur Landwirtschaft. Die Katzen Gismo, Balu, Dixi und Peterle streunen um den Hof herum und schmiegen sich gern an die ankommenden Besucher. Denn die Bischofs kombinieren Landwirtschaft mit Tourismus. In zwei Ferienwohnungen können die Gäste, die meist aus Deutschland und der Schweiz kommen, ganzjährig bei ihnen übernachten. „Wenn die Gäste wollen, können sie auch zum Heuen mitkommen, aber das machen die wenigsten“, schmunzelt Judith Bischof. „Meistens gehen sie mit den Kindern in den Stall und helfen beim Kühe melken, Eier ausnehmen oder beim Ausmisten.“

Auf dem Hof gibt es auch zwei Ferienwohnungen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auf dem Hof gibt es auch zwei Ferienwohnungen. Hartinger

Was macht den Reiz aus, heute eine Landwirtschaft zu betreiben? „Das Arbeiten mit den Tieren und in der Natur, oft auch gemeinsam als Familie. Es gehört aber eine gehörige Portion Idealismus dazu, mit den heutigen Rahmenbedingungen eine Landwirtschaft zu führen“, meint Judith Bischof. Sie kommt ursprünglich aus Schnepfau. Mittlerweile ist sie beruflich in Teilzeit wieder in ihr Heimatdorf zurückgekehrt, nämlich als Gemeindesekretärin.

Symbiose

Die Bischofs sind im Haupterwerb Bauern. Im Nebenerwerb betreiben sie das Tourismusangebot „Urlaub auf dem Bauernhof“. „Es wird immer schwieriger bei uns im Bregenzerwald, die Landwirtschaft im Haupterwerb zu betreiben. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Haupterwerbsbauern in Mellau stark gesunken. Gab es damals noch mindestens doppelt so viele bäuerliche Betriebe, sind es heute nur noch elf viehhaltende Landwirte und einige Ziegen- und Schafbauern“, erklärt Ludwig Bischof.

In Mellau gibt es nur 11 viehaltende Landwirte. Dazu gehören auch die Bischofs. <span class="copyright">Hartinger</span>
In Mellau gibt es nur 11 viehaltende Landwirte. Dazu gehören auch die Bischofs. Hartinger

Gerade im Bregenzerwald sind die Flächen aber oft steil und kleinstrukturiert. „Der Tourismus ist für uns daher sehr wichtig. Aber wohl gemerkt: Ohne die Landwirtschaft gibt es keinen Tourismus. Wenn die landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr kultiviert werden, dann kommen keine Touristen mehr. Und andererseits: Wenn wir unsere Milch nicht an die Genossenschaft Alpenkäse Bregenzerwald verkaufen können, die den Käse unter anderem an die Touristen weitervermarktet, funktioniert es auch nicht.“ Landwirtschaft und Tourismus leben in einer Symbiose, die es aufrecht zu erhalten gelte. Dazu müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. „Dass die Landwirtschaft oft an den Rand gedrängt wird, indem landwirtschaftliche Flächen für große Bauprojekte geopfert werden, ist für mich schwer verständlich“, so Ludwig Bischof.

Auch einen kleinen Hofladen betreibt die Familie. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch einen kleinen Hofladen betreibt die Familie. Hartinger

Kooperation Hofladen

eit einem Jahr betreiben sie einen kleinen Hofladen direkt beim Bauernhof. Ursprünglich größer und als Gemeindeprojekt angedacht, ist es nun ihr privates Investment für mehr Regionalität und Vielfalt. Sechs Bauern, zwei Alpen und die Lebenshilfe als Sozialpartner sind bei der Kooperation dabei und ermöglichen im Hofladen eine breite Produktvielfalt. So kann man im Selbstbedienungsmodus Käse, Joghurt, Milch, Eier, Nudeln, Wurstwaren, Fleisch und auch Dekoration (handgemacht von den Menschen der Lebenshilfe) erwerben.

Besonders stolz sind die Bischofs auch auf ihre Heumilch, die auch im Hofladen verkauft wird. „Uns freut es riesig, dass wir nach einem Jahr sagen können: Ja, der Gemeinschaftshofladen ist bereits jetzt eine regionale Bereicherung für unser Dorf, hat einen sozialen Mehrwert und stellt eine gelebte Wertschätzung der bäuerlichen Produkte in unserer Gemeinde und darüber hinaus mit Vorbildwirkung dar“, bestätigt Judith Bischof.

Auch ihre eigene Heumilch kann man im Hofladen kaufen. <span class="copyright">Leitner</span>
Auch ihre eigene Heumilch kann man im Hofladen kaufen. Leitner

„Ein Besuch beim Hofladen Kalb im Lauterach und am Zangerlhof in Rankweil haben uns ermutigt, solch ein Projekt selbst umzusetzen. Die kompetenten Informationen, welche wir durch den Regionalkoordinator Gebhard Flatz von der Landwirtschaftskammer Vorarlberg erhalten haben, waren für uns sehr hilfreich.“ Bei diesem Projekt geht es Judith und Ludwig Bischof außerdem darum, das Image der Landwirtschaft aufzuwerten, und das gelinge eben mit innovativen Projekten wie dem Gemeinschaftshofladen.

Regionaler Händler

Essenziell ist für sie auch die Fleischvermarktung. In Kooperation mit den heimischen Metzgern vertreiben sie ihr Fleisch selbst. Pro Jahr werden circa sechs bis acht Kälber geschlachtet und regional verkauft. „Wir haben bemerkt, der Bedarf nach regionalem Fleisch und der Absatz sind gegeben. Die Leute sind auch durchaus bereit, einen gerechtfertigten Preis dafür zu bezahlen“, so Judith Bischof abschließend.

Von Daniel Furxer

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.