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Junge Menschen fit fürs Leben machen

12.08.2022 • 19:18 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Neos und Junos machen sich anlässlich des Tags der Jugend für umfassende Änderungen im Bildungssystem stark.<span class="copyright"> apa/ERWIN SCHERIAU</span>
Die Neos und Junos machen sich anlässlich des Tags der Jugend für umfassende Änderungen im Bildungssystem stark. apa/ERWIN SCHERIAU

Neos und Junos fordern mehr Finanzbildung und Orientierung an der Lebensrealität in den heimischen Schulen.

Den Internationalen Tag der Jugend haben Neos-Jugendsprecher Johannes Gasser und Junos-Landesvorsitzende Fabienne Lackner am Freitag genutzt, um Änderungen im Bildungssystem zu fordern. Zudem erfolgte gestern auch der Auftakt zur Junos-Sommerkampagne unter dem Motto „Zukunft. Keine halben Sachen“. In den kommenden Wochen werde man diesbezüglich durch alle Vorarlberger Bezirke touren, erläuterte Lackner.

Pilotprojekt

Die Neos-Landtagsfraktion unterstützt die Bemühungen der eigenen Jugendorganisation mit einer Anfrage an Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP), welche in der Landesregierung für die Bildung zuständig ist. Der Jugendsprecher möchte darin unter anderem wissen, warum sich Vorarlberg als einziges Bundesland nicht am Pilotprojekt Finanzbildung des Bundes beteiligt. An mehreren Bildungseinrichtungen soll dabei die Wirtschafts- und Finanzbildung in die Lehrpläne integriert werden. Ein Antrag der Neos zu diesem Thema sei im vergangenen Jahr im Landtag abgelehnt worden, meinte Gasser. Die Vertreter der schwarz-grünen Koalition hätten ihre Ablehnung damals damit begründet, auf die geplante Finanzbildungsstrategie des Bundes warten zu wollen. Da sei es umso verwunderlicher, dass sich in Vorarlberg keine Bildungseinrichtung an dem Pilotprojekt beteilige. Dieses enthalte viele der von den Neos im Antrag formulierten Forderungen. Gasser möchte daher unter anderem wissen, ob es Bemühungen seitens des Landes oder der Bildungsdirektion gegeben haben, um Pilotschulen für die Teilnahme am Versuch zu gewinnen. Ebenso interessiert es den Jugendsprecher, welche Pläne seitens des Landes in Sachen Finanz- und Wirtschaftsbildung verfolgt werden. Denn diesbezüglich gebe es in den heimischen Bildungseinrichtungen noch Verbesserungsbedarf.
Dies zeige unter anderem der „YEP Jugendbericht Wirtschaftsbildung“, sagte Lackner. In der Untersuchung der Organisation „YEP – Stimme der Jugend“ und der Stiftung Wirtschaftsbildung habe fast die Hälfte der befragten Jugendlichen angegeben, sich von der Schule nicht ausreichend auf die Zukunft vorbereitet zu fühlen. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Finanz- und Wirtschaftsbildung, die nach Ansicht der jungen Menschen zu kurz kommen. Auch andere „Life Skills“ – also Fähigkeiten, die benötigt werden, um den Alltag selbständig zu meistern – würden in den Schulen zu wenig vermittelt.

Neos-Jugendsprecher Johannes Gasser und Junos-Landesvorsitzende Fabienne Lackner luden zur Pressekonferenz. <span class="copyright">Neos</span>
Neos-Jugendsprecher Johannes Gasser und Junos-Landesvorsitzende Fabienne Lackner luden zur Pressekonferenz. Neos

Drei Forderungen

Die Anforderungen an die Bildungseinrichtungen seien heute andere als noch vor zehn, 20 oder mehr Jahren, betonte Lackner. Es habe in vielen Bereichen massive Veränderungen gegeben. Sei es die Digitalisierung oder die Entwicklung neuer Jobs, welche es vor zehn Jahren noch gar nicht gegeben habe. Diesen Tatsachen müsse auch bei den Lehrplänen und im Unterricht Rechnung getragen werden, meinte die Junos-Vorsitzende. Konkret gehe es um drei Forderungen. Die Einteilung des Schultages in „starre 50-Minuten-Einheiten“ müsse aufgebrochen werden. Vielmehr sei fächerübergreifendes Lernen gefragt. Dazu passt auch die zweite Forderung der Junos. Demnach sollen künftig zehn Prozent der Jahresunterrichtszeit in den Schulen eigenständig gestaltet werden können – für fächer- und klassenübergreifende Projekte oder zum Austausch mit der Arbeitswelt.

Nicht zuletzt müsse die Finanz- und Wirtschaftsbildung in der Lehrerausbildung stärker berücksichtigt werden. Später müssten die Pädagoginnen und Pädagogen dann im Unterricht auch entsprechend mehr Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Insgesamt gehe es darum, die Jugendlichen mehr in ihrer Lebensrealität abzuholen.

Zustimmung gibt es dabei auch von Neos-Jugendsprecher Gasser. Es könne nicht sein, dass laut einer Umfrage des Bankenverbands 83 Prozent der Erwachsenen sich in Geldfragen nicht sattelfest fühlen. Mit der Finanzbildung an Schulen müsse lieber früher als später begonnen werden. Denn wenn Jugendliche Kenntnisse über den Umgang mit Geld, das Abschließen von Verträgen oder die Funktionsweise von Steuern hätten, könnten sie nach der Schule auch selbst bestimmte und informierte Entscheidungen treffen. Wirtschaftliche Mündigkeit sei nicht nur nötig, um am erfolgreich am Arbeitsmarkt teilzunehmen oder persönliche finanzielle Entscheidungen zu treffen, sondern könne auch eine Absicherung gegen Verschuldung und Altersarmut sein, ist Gasser überzeugt.

Pilotprojekt soll mehr Beteiligung ermöglichen

Neos-Initiative aus dem Vorjahr auch ohne Jugendlandtag ein Erfolg, sagt Jugendsprecher Johannes Gasser.

Sehr erfolgreich waren die Bemühungen der Neos und Junos, sich anlässlich des Tags der Jugend im Vorjahr für mehr Beteiligungsmöglichkeiten von Jugendlichen einzusetzen. Das sagte der Landtagsabgeordnete Johannes Gasser bei der gestrigen Pressekonferenz zum heurigen Tag der Jugend. Die Forderung nach mehr Partizipation war von der Neos-Landtagsfraktion mit einem Antrag untermauert worden. Darin machten sich die Pinken dafür stark, einmal im Jahr einen Jugendlandtag abzuhalten. Bei diesem sollten junge Menschen die Möglichkeit haben, ihre politischen Anliegen und Ideen vorzubringen und zu diskutieren. Vorbild waren dabei andere Bundesländer, in denen derartige Jugendlandtage bereits seit mehreren Jahren existieren.

Der Antrag der Neos fand im Landesparlament jedoch nicht die erforderliche Mehrheit. Stattdessen wurde eine Vorlage des Rechtsausschusses einstimmig angenommen. Diese sah vor, dass ein neues Beteiligungsformat für junge Menschen erarbeitet werden soll. Gasser zeigte sich im Rückblick sehr zufrieden mit der von seiner Fraktion gestarteten Initiative. Der Antrag zur Einführung eines Jugendlandtags habe zum Ziel gehabt, einen Diskussion über mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche anzustoßen. Dies sei schlussendlich auch erreicht worden, wobei die Debatte schließlich zur gemeinsamen Ausschussvorlage geführt habe.

Finanzielle Mittel

Aufbauend auf der einstimmig beschlossenen Vorlage werde im Herbst ein Pilotprojekt an zwei Schulen gestartet, bei welchem Jugendlichen nicht nur die Möglichkeit hätten Ideen auszutauschen und an diesen zu arbeiten, sondern es würden ihnen auch finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um diese in die Tat umzusetzen. „Es gibt nichts frustrierenderes als viel Zeit in die Ausarbeitung einer Idee zu investieren, nur damit die Politik dann sagt, dass kein Geld zur Umsetzung vorhanden ist“, meinte Gasser. Jungen Menschen müsse gezeigt werden, dass sie mit ihrem Engagement auch etwas bewegen können.

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