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„Wir laufen sehenden Auges in einen Rohstoff- Notstand“

17.08.2022 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Franz Kopf im NEUE-Interview. <span class="copyright">Hartinger</span>
Franz Kopf im NEUE-Interview. Hartinger

Kiesunternehmer und Innungsmeister Franz Kopf vermisst Lösungen und Strategien von Seiten des Landes.

So wie es aussieht, wird es noch etwas dauern, bis im Sauwinkel die Kiesbagger auffahren können. Was bedeutet das für ihr Unternehmen?
Franz Kopf:
Wirtschaftlich und ökologisch ein Wahnsinn. Für unser in 3 Generation geführtes Familienunternehmen in Zukunft sehr existenzbedrohend, da uns die Grundlage derzeit entzogen ist.

Die Marktgemeinde Götzis vertritt die Rechtsauffassung, dass die Abbaurechte mittlerweile an sie übergangen sind. Was sagen Sie dazu?
Kopf:
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Mit welcher Begründung auch? Die Abbaurechte besitzt die Gemeinde Altach und in diesem Bescheid steht ausdrücklich, dass die Firma Kopf Kies+Beton GmbH dies Kies abbauen darf. Aber da reden Sie am besten mit dem Altacher Bürgermeister.

Sie sind Gemeindevertreter und Obmann des Wirtschaftsausschusses in Altach und zugleich auch als Subunternehmer der Gemeinde am Kiesabbau beteiligt. Sehen sie hier kein problematisches Naheverhältnis?
Kopf:
Überhaupt nicht. Diese Dinge sind ganz klar getrennt und sind auch bis dato die letzten 30 Jahre meiner Tätigkeit bei uns im Familienbetrieb und in der Gemeinde Altach nie ein Problem gewesen.

Der Rohstoff Kies fehlt nicht nur Ihnen. Was hören sie als Innungsmeister des Bau-Nebengewerbes aus der Branche, schließlich ist das Problem schon seit längerem bekannt?
Kopf:
Es herrscht mittlerweile eine sehr gedrückte bis hoffnungslose Stimmung bei den Rohstoffbetrieben. Neue Abbau-Bewilligungen oder aber auch Erweiterungen sind kaum noch durchzubringen. Die Unterstützung seitens der Politik hier im Allgemeinen ist sehr dürftig.

In Feldkirch wurde das Projekt von Hilt & Jehle und der Agrar Altenstadt vom Land von 40 auf etwas mehr als 3 Hektar zusammengestutzt. Ein Grund dafür sind neue EU-Richtlinien, die national noch nicht umgesetzt sind.
Kopf:
Schon daran sieht man, dass die rechtsgültige Abbaubewilligung der Gemeinde Altach „Gold“ wert ist. Diese Bewilligung würde man zum heutigen Zeitpunkt wahrscheinlich in diesem Ausmaß und mit diesen Möglichkeiten niemals mehr bewilligt bekommen.

Im Jahr 2018 wurde in einer Studie des Landes der Kiesbedarf erhoben. Wie aussagekräftig ist die Expertise heute noch? Wie viel Kies fehlt im Land wirklich?
Kopf:
Die Kiesstudie ist komplett veraltet. Die Mengenerhebungen müssten von Seiten des Landes alljährlich aktualisiert werden um auf dem neuesten Stand zu sein. Derzeit wird immer mehr Kies aus Deutschland über weite Strecken zu uns ins Land gekarrt. Ich schätze, dass die damals erhobenen Kiesimporte aus Deutschland mittlerweile mehr als 30 Prozent zugenommen haben.

Wo gebaut wird, fällt Bodenaushub an. Haben wir genügend Deponien im Land?
Kopf:
Gleiches wie beim Kiesabbau gilt bei den Aushubdeponien. Es ist immer weniger eigene Kapazität im Land vorhanden. Auch die Deponiestudie aus dem Jahre 2019 ist nicht mehr aussagekräftig. Wenn es die nächsten paar Jahre so weitergeht, laufen wir in Vorarlberg sehenden Auges in einen Rohstoff- und Deponie Notstand. Lösungen oder Strategien seitens des Landes sehe ich leider nicht.

Sie sprechen die Rohstoff- und Deponiestrategie an, die sich bereits seit geraumer Zeit in Ausarbeitung befindet.
Kopf:
In Deutschland gibt es für die nächsten 20 bis 30 Jahre genaue Pläne, wie die Kies- und auch die Deponiemengen bereitzustellen sind. In Vorarlberg passiert hier einfach nichts. Vielleicht ist das aber auch so gewollt. Wir bekommen auf jeden Fall riesige Probleme.