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Deutlich mehr Einbürgerungen in Vorarlberg

18.08.2022 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Deutlich mehr Einbürgerungen in Vorarlberg
313 Personen erhielten im ersten Halbjahr die österreichische Staatsbürgerschaft. APA

Größter prozentualer Zuwachs im Bundesländer-Vergleich.

Exakt 313 Personen sind in Vorarlberg im ersten Halbjahr 2022 zu neuen Österreichern geworden. Damit gab es hierzulande um knapp 60 Prozent mehr Einbürgerungen, als das in der ersten Jahreshälfte 2021 der Fall war. Das ist der höchste relative Zuwachs in Österreich. Hinter Vorarlberg rangiert bei deutlich höheren absoluten Zahlen das Bundesland Wien (+43 Prozent auf 2265) und die Steiermark (+38 Prozent auf 487).

Man müsse die Zahlen relativieren, sagt der ressortzuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) auf Anfrage. Bei vergleichsweise niedrigen Zahlen komme es bei Abweichungen zum Vorjahr zu prozentuell hohen Ausschlägen. Als Haupt­ursache für das deutliche Plus bei den Einbürgerungen nennt Gantner die Flüchtlingswelle 2015/2016. Geflüchtete würden „in zunehmendem Ausmaß“ von der Möglichkeit Gebrauch machen, die sich mit der Staatsbürgerschaftsnovelle 2013 ergeben hat. Seit damals können gut integrierte, anerkannte Flüchtlinge unter gewissen Voraussetzungen (Deutschkenntnisse, Unbescholtenheit, Lebensunterhalt usw.) schon nach sechsjährigem Aufenthalt in Österreich eingebürgert werden. Außerdem, so Gantner weiter, bestehe in Krisenzeiten wohl verstärkt der Wunsch, dauerhaft in einem sicheren Land zu wohnen. Haupt-Herkunftsländer der eingebürgerten Personen in Vorarlberg sind laut Gantner die Türkei, Syrien, Bosnien, Russland, Serbien und Afghanistan.

„Insbesondere in Krisenzeiten wollen die Menschen in einem sicheren Land auf Dauer wohnen.“

Christian Gantner, Sicherheitslandesrat

In Österreich geboren

Laut den gestern veröffentlichten Daten der Statistik Austria entfielen 144 der 313 Einbürgerungen im ersten Halbjahr auf Frauen, 124 waren Minderjährige unter 18 Jahren, 122 wurden bereits in Österreich geboren. Mehr als die Hälfte der Einbürgerungen erfolgten aufgrund eines Rechtsanspruchs. Lediglich 24 Personen erhielten die Staatsbürgerschaft im Ermessen, etwa nach mindestens zehnjährigem Wohnsitz. Unter dem Titel Erstreckung der Verleihung wurden zusammen 110 Personen eingebürgert, sprich Ehegatten, eingetragene Partner oder Kinder. Österreichweit erhielten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 8158 Personen den österreichischen Pass, was einem Anstieg von 61 Prozent entspricht.

Das Thema sorgt immer wieder für politische Debatten. Im Mai hatte sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen für einen leichteren Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft ausgesprochen. Die Antragsteller müssten zu lange auf die Einbürgerung warten, sagte er in einem Interview. Bundeskanzler Karl Nehammer und Innenminister Gerhard Karner (beide ÖVP) erteilten dem Ansinnen eine klare Absage. Auch Gantner sieht keinen Änderungsbedarf an der gängigen Praxis.

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