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Gefährlicher Trend unter Jugendlichen

20.08.2022 • 19:35 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Primar des Suchtkrankenhauses Maria Ebene Philipp Kloimstein.
Primar des Suchtkrankenhauses Maria Ebene Philipp Kloimstein.

E-Zigaretten und Snus: Weshalb Gefahr nicht unterschätzt werden darf.

Seit längerem zeichnet sich unter Jugendlichen ein gefährlicher Trend ab. Auch wenn der Konsum von herkömmlichen Zigaretten laut Studien schon über Jahren rückläufig ist, kann man nun beobachten, dass vor allem die Alternativen boomen und Nikotin von jungen Erwachsenen häufig in Form von Snus oder Einweg E-Zigaretten konsumiert wird.

„Die Tabakindustrie hat auf die rückläufigen Raucherzahlen mit neuen, aber nicht gesünderen Produkten reagiert und diese auch massiv beworben“, so Andreas Prenn, Leiter der Supro, dem vom Land Vorarlberg beauftragten Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention. Einerseits seien es sicher die Marketingkonzepte und trendigen Verpackungen, welche den Hype um die neuen Produkte befeuert hätten, andererseits sei aber vor allem der soziale Aspekt bei Jugendlichen entscheidend. Man will dazugehören, „cool sein“ oder älter wirken. Influencer würden es in den sozialen Medien vormachen.

Bunte Einweg E-Zigaretten sind momentan im Trend. <span class="copyright">Yarrrrrbright/Shutterstock</span>
Bunte Einweg E-Zigaretten sind momentan im Trend. Yarrrrrbright/Shutterstock

Hype, Krankheiten und Konsum

Besonders in den vergangenen Monaten haben die bunten Einweg E-Zigaretten an Beliebtheit gewonnen. Dies merkt auch Heidi vom Grenzkiosk in Höchst: „Aktuell verkaufe ich etwa 20 Stück täglich.“ E-Shishas haben einen Akku verbaut und sind mit einem E-Liquid gefüllt, der verdampft wird. Es gibt sie an fast jeder Trafik für etwa zehn Euro pro Stück. Wie der Name bereits verrät, können sie jedoch nur so lange geraucht werden, bis der Akku leer ist. Danach landen sie im Sondermüll oder können bei Trafiken zurückgegeben werden. Zwischen 500 und 700 Züge sind je nach Marke möglich, verrät die Kioskangestellte. Im Gegensatz zu „normalen Zigaretten“ gibt es die E-Zigaretten in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Pfirsich oder etwa Wassermelone und sowohl mit als auch ohne Nikotin. Doch wie problematisch ist dieser Trend?

Um festzustellen, wie schädlich das Verdampfen tatsächlich ist, müsste man die Langzeitfolgen kennen, informiert Philipp Kloimstein, Primar des Suchtkrankenhauses Maria Ebene. Hierfür sei das Produkt jedoch noch nicht lange genug auf dem Markt. Fakt sei aber: „E-Zigaretten sind nicht gesünder. Sie enthalten etwa gleichviel Nikotin und können daher genauso zur Abhängigkeit und zu Krankheiten wie Krebs führen. Wer mit dem Rauchen aufhören will und dann zur E-Zigarette greift, verlagert die Sucht lediglich auf ein anderes Produkt“, so der Experte. Auch was jene E-Zigaretten ohne Nikotin für Folgen haben, wisse man noch nicht. Zudem seien die Inhaltsstoffe der E-Liquids oft unklar. Der 39-Jährige erklärt weiter, dass viele Jugendliche durch die neuartigen Produkte mit unterschiedlichen Aromen überhaupt erst in den Konsum hineinschlittern. Ähnlich ist es bei Snus.

Snusbeutel enthalten ebenfalls Nikotin. <span class="copyright">Andrey_Popov/Shutterstock.</span>
Snusbeutel enthalten ebenfalls Nikotin. Andrey_Popov/Shutterstock.

Die kleinen Tabakbeutel sind mit Tabak, Wasser, Salz und Aromen (je nach Geschmacksrichtung) gefüllt. Sie stammen ursprünglich aus Skandinavien, sind bei Sportlern sehr beliebt und werden seitlich unter der Oberlippe platziert. Das Nikotin wird so über die Mundschleimhäute direkt aufgenommen. Der Handel und Verkauf vom eben genannten „originalen Snus“ ist in der EU, mit Ausnahme von Schweden, allerdings verboten, informiert Prenn. Die Tabakindustrie habe nun Wege gefunden, das Tabakgesetz zu umgehen, indem sie Nikotinbeutel auf den Markt gebracht hätten, die keinen Tabak enthalten, dennoch aber mit künstlichem Nikotin angereichert sind. „Snus“, den es bei uns zu kaufen gibt, darf daher nicht so genannt werden. In der benachbarten Schweiz ist der „originale Snus“ ebenfalls erhältlich, weshalb viele Vorarlberger ihn dort kaufen.

Der Supro-Leiter erzählt zudem, dass es in den Schulen während der Pandemie öfters zu Kreislauf Probleme bei Jugendlichen gekommen sei, welche sich die Lehrer zunächst nicht erklären konnten. Schnell sei jedoch klar geworden, dass die Betroffenen unter ihren Masken Snus konsumiert hätten. Da Snus eine große Menge an Nikotin abgibt, erleiden viele Jugendliche beim ersten Konsum einen „Nikotinflash“, was häufig zu Schwindel und Erbrechen führt, informiert Primar Kloimstein.

Gefahr: Abhängigkeit

„Snusen“ schädige zwar nicht die Lunge, dafür aber die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch umso mehr. Es kann zu Krebsarten speziell im Mundraum führen. Deswegen sei Snus auch keineswegs gesünder als normale Zigaretten. „Am gesündesten ist sowieso, nicht abhängig zu sein. Man sollte nicht das eine Übel mit dem andern vergleichen“, so der Leiter des Suchtkrankenhauses. Dem stimmt Andreas Prenn zu und ergänzt: „Der Nikotingehalt eines Snusbeutels entspricht dem Konsum von mehreren Zigaretten gleichzeitig.“ Grundsätzlich gelte der Grundsatz, umso höher der Nikotingehalt eines Produktes, desto rascher wird der Stoff im Körper aufgenommen und umso eher besteht die Gefahr, abhängig zu werden. Von Abhängigkeit könne man sprechen, sobald der Konsument auf gewisse Substanzen nicht mehr verzichten kann. Je früher Menschen mit Nikotinprodukten in Kontakt geraten würden, desto schwerer werde es für sie wieder damit aufzuhören. Minderjährige würden oft einfach an Nikotinprodukte gelangen. Daher sei die Abhängigkeit bei Jugendlichen eine ernstzunehmende Gefahr. Außerdem sei der Konsum solcher Produkte nicht förderlich für die Entwicklung.

Versteckte Pandemie

Kloimstein bringt es klar auf den Punkt: „Pro Jahr sterben in Österreich 14.000 Menschen an Tabak assoziierten Folgen. Wenn man überlegt, wie viele durch die Coronapandemie verstoben sind, erkennt man: Wir haben seit Jahrzehnten eine versteckte Pandemie.“ Daher solle man am besten frühestmöglich etwas gegen die Abhängigkeit unternehmen. Die Erfahrungen der Experten zeigen, dass die Erfolgsquote deutlich höher liegt, wenn man sich Hilfe sucht (Factbox). Auch bei SUPRO würden sich häufig Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren erkundigen, wie es gelingt, vom Nikotin wegzukommen. Man vermittle sie dann weiter und geben ihnen Tipps.
Primar Kloimstein will allen Jugendlichen vor allem eines mit auf den Weg geben: „Man ist auch cool, ohne abhängig zu sein, denn die Abhängigkeit an sich ist das größte Übel und bedeutet ein Verlust an Freiheit.

Hilfe für betroffene

Unterstützung für ein Leben ohne Tabak und Nikotin:

-Rauchfrei Telefon: 0800 810 013, -Suchtkrankenhaus Maria Ebene: 05522 72746 – 0

-SUPRO- Gesundheitsförderung und Prävention: 05523 549 41

Umfrage: Was hältst du von Snus und E-Zigaretten? Hast du es selbst schon probiert?

Leni Mätzler Lingenau, 17. <span class="copyright">Stöckler</span>
Leni Mätzler Lingenau, 17. Stöckler

Leni Mätzler Lingenau, 17:
Ich habe beides schon probiert, aber es reizt mich nicht und hat mir auch nicht geschmeckt. Einige meiner Kollegen nehmen jedoch beiden und ich würde sagen, dass sie abhängig sind. Ich verurteile jedoch niemanden dafür.

Tino Metzler, Lustenau, 15. <span class="copyright">Stöckler</span>
Tino Metzler, Lustenau, 15. Stöckler

Tino Metzler, Lustenau, 15:
Meiner Meinung nach sind sowohl Snus als auch E-Zigaretten unnötig. Man schadet sich damit nur selbst. Ich habe kein Verlangen danach die Produkte auszuprobieren und kenne auch nicht allzu viele die Snus nehmen.

Greta Schwärzler, Dornbirn, 18. <span class="copyright">Stöckler</span>
Greta Schwärzler, Dornbirn, 18. Stöckler

Greta Schwärzler, Dornbirn, 18:
Ich nehme seit etwa zwei Jahren immer wieder Snus und habe durch meine Kollegen damit angefangen. Aktuell versuche ich aber meinen Konsum zu reduzieren und damit aufzuhören. Sehr selten rauche ich auch E-Zigaretten.

Nicolas Rhomberg, Buch, 18. <span class="copyright">Stöckler</span>
Nicolas Rhomberg, Buch, 18. Stöckler

Nicolas Rhomberg, Buch, 18:
Selbst probiert habe ich nichts von beidem, ich kenne aber sehr viele die Snus konsumieren, zum Beispiel in meinem Fußballverein. Hab gesehen, wie es manchen beim ersten mal „snusen“ ergangen ist, daher reizt es mich wenig.

Sarina Sinz, Egg, 18. <span class="copyright">Stöckler</span>
Sarina Sinz, Egg, 18. Stöckler

Sarina Sinz, Egg, 18:
Mich stört es nicht, wenn andere „snusen“ oder E-Zigaretten rauchen, für mich wäre es aber nichts. Hab nach dem ersten Snus gemerkt, dass mein Körper das nicht verträgt. Im Freundeskreis nehmen es viele.

Noah Reischmann, Lustenau, 14. <span class="copyright">Stöckler</span>
Noah Reischmann, Lustenau, 14. Stöckler

Noah Reischmann, Lustenau, 14:
In meiner Schule haben viele Snus und/oder E-Zigaretten dabei. Letzteres ist derzeit sehr im Trend. Auch ich hab‘s schon probiert. Es ist schlimm, wie einfach Minderjährige an die jeweiligen Produkten gelangen.

Anna Eibl, Dornbirn, 18. <span class="copyright">Stöckler</span>
Anna Eibl, Dornbirn, 18. Stöckler

Anna Eibl, Dornbirn, 18:
Beides wird derzeit total gehypted. Ich selbst habe aber weder Snus noch E-Zigaretten probiert, kenne aber viele die regelmäßig Snus zu sich nehmen und meiner Meinung nach auch bereits abhängig davon sind.

Kobe Johnston, Egg, 18. <span class="copyright">Stöckler</span>
Kobe Johnston, Egg, 18. Stöckler

Kobe Johnston, Egg, 18:
Obwohl ich beides selber schon konsumiert habe, bin ich kein Fan davon. Gerade seit diesem Jahr kann ich beobachten, dass viele im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, E-Zigaretten rauchen, auch in meinem Freundeskreis.

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