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Wo die Kleinen groß sein können

20.08.2022 • 18:47 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
In KleinFeldkirch können Kinder spielerisch lernen, wie eine Stadt funktioniert. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
In KleinFeldkirch können Kinder spielerisch lernen, wie eine Stadt funktioniert. Stiplovsek 

Am Montag startet die Kinderstadt KleinFeldkirch im alten Hallenbad.

Als Siebenjähriger Bürgermeister werden. Das klingt absurd? Nicht in der Kinderstadt KleinFeldkirch. Beim der vom Jugendservice Feldkirch organisierten Veranstaltung können Kinder im Alter von sieben bis 12 Jahren ab Montag erlernen, wie der Stadtalltag funktioniert. Dann werden die derzeit noch weißen Wänden von den Kindern vom Künstleratelier bunt gestaltet. Das stille Innere des alten Hallenbads wird dann durch Hämmern und Musizieren erfüllt sein.
Der Unterschied zum Alltag in Groß Feldkirch ist, dass die Folgen bei Fehlern nicht so gravierend sind. „Es funktioniert wie eine richtige Stadt, nur schneller“, erklärt die örtliche Leitung Theresa Amann. Ein Jahr in Feldkirch entspräche einer Woche in KleinFeldkirch. Die Kinder würden die Bezeichnung „richtige Stadt“ jedoch nicht mögen, da KleinFeldkirch für sie eine reale Stadt sei, so Amann. Besser sei GroßFeldkirch. Die Kinder können dort selbst ausprobieren und Lösungswege suchen. Die Kinderstadt Feldkirch ist aber kein regelfreier Raum. Wenn beispielsweise ein Kind eine Bank ausrauben würde, wäre die Konsequenz eine Gerichtsverhandlung. Dabei gehe es nicht um Bestrafung, sondern um das Verstehen, welche Handlungen falsch seien, so Amann.
„Die Kinder dürfen Fehler machen“, so die 34-Jährige. Dadurch sehen sie das Ergebnis verschiedener Herangehensweisen. Die Kinder seien generell praktischer und lösungsorientierter veranlagt als Erwachsene, beschreibt es Amann, die selbst schon als Bürgerin bei der Kinderstadt Feldkirch teilgenommen hat. Jetzt findet die Veranstaltung schon zum vierzehnten Mal statt und sie steht mittlerweile als Ansprechperson den Kindern zur Verfügung.

Ein paar Farbtupfer sind schon erkennbar. Doch ab Montag soll es noch viel bunter werden, erzählt die Leitung vor Ort Theresa Amann. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Ein paar Farbtupfer sind schon erkennbar. Doch ab Montag soll es noch viel bunter werden, erzählt die Leitung vor Ort Theresa Amann. Stiplovsek 

Erwachsene unerwünscht

Eigentlich sind Erwachsene nicht gerne gesehen in der Kinderstadt. Eltern können zwar ein Visum beantragen und die Betreuer sind auch großteils zwischen 20 und 30 Jahren alt. Doch den Organisatoren ist es wichtig, dass die Dynamik der Kinder in der Stadt nicht gestört wird. „Die Stadt wird von Kindern übernommen“, so Amann. Die Betreuer würden in den Hintergrund treten. Trotzdem brauche es sie in gefährlichen Bereichen, wie in der Küche bei heißen Herdplatten.

Damit Eltern ihre Kinder nicht begleiten müssen, wird auch eine Betreuung für beeinträchtigte Kinder angeboten. Alle Kinder sollen teilnehmen können. Das Fokusthema Inklusion der diesjährigen Kinderstadt soll nicht nur Kinder mit Behinderung betreffen. Auch die anderen sollen mit dem Thema in Berührung kommen. Kinder sollen ausprobieren können, welche Hindernisse es mit sich bringt, den Alltag mit einem Rollstuhl oder einer fehlenden Sinneswahrnehmung zu bewältigen.

Es ist schon alles vorbereitet für den Start am Montag. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Es ist schon alles vorbereitet für den Start am Montag. Stiplovsek 

Eine der diesjährigen Betreuerinnen ist Sofia Bruckschweiger. Die 15-Jährige wird eine Woche lang bei den verschiedenen Stationen der Kinderstadt mithelfen. Grund ist das Projekt Public Service am Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasium Feldkirch. Im Rahmen dieses Projekts ist die Schülerin verpflichtet, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Für die Kinderstadt Feldkirch hat sie sich entschieden, weil sie als Kind schon teilgenommen hat. Die Kinderstadt sei eine spannende Beschäftigung in der langweiligen Endzeit der Ferien, meint die Schülerin. Am besten hat ihr die Bäckerei gefallen, wo sie Nussschnecken und kleine Pizzen gebacken hat. Die Kinderstadt empfindet sie als geeigneten Ort, herauszufinden, was einem gefällt – für sie ist es Architektur. Auch ihre Klassenkameradin Christina Elender ist Betreuerin. Sie erhofft sich vor allem, dadurch in die Arbeitswelt etwas einzufinden. Sie möchte sich so für den ersten Ferialjob nächstes Jahr vorbereiten. Selbst war sie auch schon mehrmals als Bürgerin dabei. Am meisten hat die Feldkircherin fasziniert, dass dort Kinder Geld verdienen und mit diesem Lohn Essen kaufen können. Auch habe sie von neuem Wissen profitiert. Etwa wie man Kerzen zieht oder Brot backt. „Ich bin immer gerne hingegangen und es hat Spaß gemacht“, erinnert sich die 15-Jährige.

Für den Umgang mit Hitze oder Werkzeugen sind natürlich Aufsichtspersonen notwendig. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Für den Umgang mit Hitze oder Werkzeugen sind natürlich Aufsichtspersonen notwendig. Stiplovsek 

Gleicher Lohn für alle

Der Tag startet für die Kinder beim Meldeamt und dann geht es weiter zum Arbeitsmarktservice. Dort bekommen sie eine Arbeitskarte. Wenn beim Eintreffen eines Kindes alle 250 Jobs schon vergeben sind, ist es arbeitslos. Die 30 Spielstationen sind im alten Hallenbads und draußen in Zelten verteilt. Die Arbeitsstelle kann unter anderem die Universität, die Zeitungsredaktion, das Nähatelier oder die Bäckerei sein. Auch in der Kinderstadt wird Arbeit entlohnt. Es gilt der Grundsatz: gleicher Lohn für jede Arbeit. Das sind 5 Lasuten für eine Stunde Arbeit. Da kommen manchmal Fragen auf, wenn die Kinder wegen den Steuerabgaben nur vier Lasuten bekommen. „Manche Kinder fragen am Abend die Eltern, wie viel Steuern sie bezahlen müssen“, erzählt Amann. Sie ist überzeugt, dass Kinder solche Themen ab einem gewissen Alter verstehen.
Mit dem Geld können die Kinder dann ihr Mittagessen im eigenen Restaurant genießen. Den Speiseplan bestimmen sie mit – so kommt Pasta selten zu kurz.
Wenn es mal vorkommt, dass jemand keinen Job ergattert, wird das in der Stadtratssitzung besprochen. Dort bringen die Kinder diverse Lösungsvorschläge ein. Die Kinder hätten kreative Ideen, so Amann. Sie ist zwar bei den Sitzung dabei, die Themen bestimmen aber die Kinder. Donnerstags wird erneut der Bürgermeister gewählt. Was dann in der Kinderstadt-Zeitung stehen wird, bleibt spannend.

So belebt wie hier vor fünf Jahren wird das alte Hallenbad bald wieder sein. <span class="copyright">Sams </span>
So belebt wie hier vor fünf Jahren wird das alte Hallenbad bald wieder sein. Sams 

Kinderstadt

Dauer: 22.August bis 9.September Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 9 bis 16 Uhr

Ort: Altes Hallenbad, Reichenfeld

Online-Registrierung möglich, Voranmeldung ist aber kein Muss.

Infos unter www.feldkirch.at

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