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Wunderschöne Reise in die Selbstständigkeit

20.08.2022 • 17:13 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Die Spanierin Annie Moreno hat sich mit ihrer Naturkosmetik selbstständig gemacht. <span class="copyright">Annie Blume</span>
Die Spanierin Annie Moreno hat sich mit ihrer Naturkosmetik selbstständig gemacht. Annie Blume

Unter der Marke „Annie Blume“ bietet gebürtige Spanierin Naturkosmetik an.

Die eigene Haut pflegen und dabei auch noch der Seele etwas Gutes tun – das ist die Idee, welche der Hautpflegemarke Annie Blume zugrunde liegt. Hinter den Produkten steht die Spanierin Ana Moreno, die vor etwa eineinhalb Jahren aus Barcelona nach Lustenau gezogen ist. Entwickelt hat sie die Kosmetiklinie vor allem, um selbst eine gesunde Haut zu haben. Denn in ihrer Jugend litt die 32-Jährige unter Schuppenflechte, welche sie jahrelang mit konventionellen Behandlungsmethoden bekämpfte.

Mit Interessierten geteilt

Völlig zufrieden war sie damit jedoch nie. Also begann sie, sich mit Heilpflanzen, ätherischen Ölen und anderen Zutaten für natürlich Kosmetikprodukte zu beschäftigen, um dann eigene Formeln für Hautpflegemittel zu entwickeln. Die Suche nach den richtigen Zutaten und der richtigen Zusammensetzung war schließlich von Erfolg gekrönt. Schon in Spanien hat die Wahl-Vorarlbergerin ihre Produkte mit Interessierten geteilt. Im Ländle hat sie sich nun mit ihrer Naturkosmetik selbstständig gemacht.

Für die Jung-Unternehmerin war dies ein großer Schritt. Schließlich galt es, in einem fremden Land Behördengänge zu erledigen, Zulieferer und Partner zu finden und sich zu vernetzen. Zugute kam der Spanierin dabei ihre Herkunft. Denn die Menschen in Barcelona seien sehr kommunikativ und offen. Es machte deher ihr nichts aus, auf andere zuzugehen. Geholfen hat ihr auch, dass sie ein Ticket für die Postgarage in Dornbirn ergattern konnte. Denn hier hat sie die Möglichkeit, sich mit anderen Start-up-Gründern auszutauschen und über die eigenen Erfahrungen zu sprechen: „Es ist wichtig, viele Fragen zu stellen und sich zu informieren. Für mich war der Weg in die Selbstständigkeit eine wunderschöne Reise.“

Das „Gesichtsjuwel“ wird in einer Lustenauer Werkstatt von einer Künstlerin handgefertigt. <span class="copyright">Annie Blume</span>
Das „Gesichtsjuwel“ wird in einer Lustenauer Werkstatt von einer Künstlerin handgefertigt. Annie Blume

Gesichtsjuwel“ aus Porzellan

Vier Produkte bietet die 32-Jährige derzeit unter der Marke Annie Blume an. „Rainforest“ ist ein Gesichtsreiniger und eine leichte Maske. „Sunshine“ ist eine Feuchtigkeitscreme für den Tag. Diese enthält Hyaluronsäure und soll vor allem schnell einziehen. Eher cremiger ist dagegen „Moonlight“, die Feuchtigkeitscreme für die Nacht. Deren Formel soll die nächtliche Zellregeneration unterstützen. Doch zur Hautpflege gehört bei Annie Blume nicht nur das reine Auftragen der Creme. Es geht auch darum, die Seele baumeln zu lassen – Selbstfürsorgerituale nennt das die Jungunternehmerin. Sie hat dafür ein spezielles Massagewerkzeug entwickelt. „Aphrodite“ heißt das „Gesichtsjuwel“ aus Porzellan, mit welchem aufgrund seiner Form unterschiedlichste Stellen im Gesicht sanft massiert werden können. Auf diese Weise sollen unter anderem die Durchblutung angeregt und auch Muskelverspannungen gelöst werden.

Das "Gesichtsjuwel" soll das Gesicht massieren. <span class="copyright">Annie Blume</span>
Das "Gesichtsjuwel" soll das Gesicht massieren. Annie Blume

Regionale Partner

Mehrere Jahre hat die Spanierin an ihren Kosmetikprodukten getüftelt. Nach einer Zutat für „Moonlight“ hat sie beispielsweise fünf Jahre lang gesucht. Nicht ganz so lange, aber doch auch aufwendig, war die Suche nach Partnern in der Region, für die Herstellung der Naturkosmetika und des „Gesichtsjuwels“. Letzteres wird von einer Künstlerin in Lustenau handgefertigt. Der Gesichtsreiniger und die Cremes werden im Bregenzerwald produziert. Für die 32-Jährige war es wichtig, Partner zu finden, bei denen sie mitreden kann, wie die Produkte hergestellt werden. Denn gerade beim Reiniger und den Cremes kommt es auf die richtige Mischung der Zutaten und den richtigen Herstellungsprozess an. Umso zufriedener ist Ana Moreno, dass ihre Suche schlussendlich erfolgreich war.

Ihre Produkte verkauft sie nicht nur über einen Online-Shop, sondern sie ist viel auf Märkten und anderen Veranstaltungen unterwegs. Denn zur Hautpflege gehört auch Beratung. Schließlich hat jeder Mensch andere Bedürfnisse und einen ganz eigenen Hauttyp. Die 32-Jährige schätzt diesen Austausch und nimmt sich gerne dafür Zeit – nicht nur bei Märkten, sondern auch wenn sie online – etwa über Instagram – kontaktiert wird.

Momentan verkauft die Spanierin vier Produkte. <span class="copyright">Annie Blume</span>
Momentan verkauft die Spanierin vier Produkte. Annie Blume

Natur und Ruhe

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat die junge Frau nicht bereut. Ebenso wenig den Umzug nach Vorarlberg. Vor etwa drei Jahren war sie erstmals hier zu Besuch. Schon damals war sie begeistert. Sie schätzt vor allem die Natur und die Ruhe in Vorarlberg. Kleinere Schwierigkeiten bereitet ihr noch der heimische Dialekt. „Ich lerne Hochdeutsch, aber wenn jemand im Lustenauer Dialekt mit mir redet, kann es schon passieren, dass ich gar nichts verstehe“, sagt die Spanierin und lacht. Doch mit ihrer offenen und kommunikativen Art wird sie auch diese Herausforderung meistern.

Unterstützung für heimische Start-ups

Die Postgarage in Dornbirn ist seit Oktober 2019 die Anlaufstelle für Vorarlberger Start-ups und auch der Sitz der Initiative Startupland. Ein besonderes Unterstützungsangebot gibt es in Form der Postgaragen-Tickets. Macher mit Startup-Ideen in der Anfangsphase können sich für diese bewerben. Das Angebot richtet sich an alle, die an der Verwirklichung ihrer Vision arbeiten möchten – egal ob Vollzeit oder erst einmal nur Teilzeit neben dem Job oder dem Studium. Noch bis zum 1. Oktober läuft die Bewerbungsphase für den siebten Batch. Mitte Oktober kann dann für die erfolgreichen Bewerber der Einzug in die Postgarage erfolgen.

Besitzer eines Tickets können die dortige Infrastruktur bis zu zwölf Monate lang kostenfrei benutzen. So gibt es nicht nur flexible Arbeitsplätze im Co-Working-Bereich, sondern für alle, die Vollzeit an ihrem Projekt arbeiten, sogar einen fixen Arbeitsplatz. Dazu kommen auch noch Meetingräume, eine Küche sowie natürlich die nötige Büro-Infrastruktur wie Drucker, Scanner oder High-Speed-Wlan. Der Zugang zu den Räumlichkeiten ist für die Ticketinhaber außerdem rund um die Uhr möglich. Doch nicht nur Infrastruktur wird den erfolgreichen Bewerbern zur Verfügung gestellt. Sie haben dazu noch die Möglichkeit, sich mit anderen Start-up-Gründern zu vernetzen, und Zugang zu Workshops mit Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen.
Weitere Infos auf: https://startupland.at/postgarage/

DAs Startupland in der Postgarage will junge Unternehmer unterstützen. <br><span class="copyright">Startupland/Sams</span>
DAs Startupland in der Postgarage will junge Unternehmer unterstützen.
Startupland/Sams

Start-Up-Barometer: Langsameres Wachstum geplant

Trotz der aktuellen Krisen herrscht in der Vorarlberger Start-up-Szene durchaus verhaltener Optimismus. Darüber haben kürzlich Thomas Gabriel, Initiator von Startupland, und Julia Grahammer, Startupland-Geschäftsführerin, informiert. Das Stimmungsbild wird seit fünf Jahren jährlich in der Gründerszene abgefragt. Problematisch sei auch bei den Start-ups der Fachkräftemangel. Zudem sehen die Umfrageteilnehmer Verbesserungsbedarf, was die Finanzierungsmöglichkeiten betrifft.

Die Hauptmotivation, ein Start-up zu gründen, ist nach wie vor der Wunsch, „etwas bewegen und verändern“ zu wollen. In Sachen Wachstum sind die Jungunternehmer leicht auf die Bremse gestiegen. Dieses ist zwar immer noch das Ziel, aber es wird vermehrt auf langsameres Wachstum gesetzt. Ein bisschen mehr Zurückhaltung herrscht in den Start-ups auch, was die Anstellung neuer Mitarbeiter betrifft. Zufriedenheit herrscht in der Szene mit den Vernetzungsmöglichkeiten. Auch die Wahrnehmung für das Angebot an Beratungsleistungen ist gestiegen. Dies zeige sich auch darin, dass die Nachfrage nach diesen angestiegen sei, berichtete Gabriel.

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