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„Die Stromversorgung ist gesichert“

30.08.2022 • 19:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Stromversorgung in Vorarlberg ist gesichert. <span class="copyright">HArtinger</span>
Die Stromversorgung in Vorarlberg ist gesichert. HArtinger

Die Illwerke vkw geben Entwarnung. Stromkunden müssen keine Angst haben. Vorarlberg dürfe aber bei Förderungen des Bundes nicht benachteiligt werden.

Während der Wiener Energielieferant Wien Energie in starke finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, stehe die illwerke vkw hingegen derzeit auf soliden Beinen. Dies versicherte Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink beim gestrigen Pressefoyer in Bregenz. Vorarlberg sei in der derzeitigen angespannten Lage gut aufgestellt, so Schöbi-Fink. „Die Stromversorgung in Vorarlberg ist gesichert“, bekräftigt zudem Energielandesrat Daniel Zadra. Auch illwerke vkw-Vorstand Christof Germann bestätigt die Liquidität des Unternehmens. Die derzeitige Lage der Energieversorgung in Europa bezeichnet er als stabil, aber angespannt. Er begründet die Sicherheit mit der abweichenden Handelsstrategie von Wien Energie. An der Strombörse werde nur ein Teil der Handelsgeschäfte der illwerke vkw abgewickelt, erklärt Germann. Dies betreffe nur die kurzfristigen Handelgeschäfte. Sobald diese Geschäfte erfüllt seien, werde die Sicherheit wieder frei und könne verwendet werden. Die langfristigen Geschäfte würden direkt mit ausgesuchten Partnern gehandelt werden. Dabei müssten keine Sicherheiten hinterlegt werden.

Daniel Zadra, Barbara Schöbi-Fink und Christof Germann.<span class="copyright"> Land Vorarlberg</span>
Daniel Zadra, Barbara Schöbi-Fink und Christof Germann. Land Vorarlberg

Vorarlberg will Geld von Bund

So können Probleme wie in Wien in Vorarlberg derzeit ausgeschlossen werden, entwarnt Schöbi-Fink. Vorarlberg habe nämlich schon in den letzten Jahren die Hausaufgaben bei der Sicherung der Energieversorgung gemacht. Trotzdem fordert sie auch Geld für Vorarlberg vom Bund. Sie verstehe, dass die Bundesregierung nicht ein Unternehmen wie Wien Energie sterben lassen könne. Doch sie erwarte, dass auch Geld nach Vorarlberg fließe. Sie fordert, dass das Land durch die Vergabe der Bundesförderung für eine Strompreisbremse nicht benachteiligt wird. Schöbi-Fink kritisiert die in der Bundesregierung diskutierte Stromsparbremse, da diese höhere Förderungen für Kunden im Osten Österreichs bedeuten würde. Zusätzlich weist sie auf die kritische Situation in Industrie und Gewerbe hin. Sie erwarte, dass der Bund Probleme bei Wirtschaftstreibenden erkenne.

Für Zadra ist eine europäische Lösung notwendig. Für ihn ist das Merit-Order-System nicht geeignet, den Strompreis zu bestimmen. Es werde ein Mechanismus gebraucht, der Sicherheit garantiert, Anreiz für Einsparungen und Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energie schafft.
Germann hingegen weist darauf hin, dass die Krise auch als Chance genutzt werden solle. So möchten die illwerke vkw ihre erwirtschafteten Erträge in das Großprojekt Lünerseewerk II und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energie investieren. Dadurch sollen bis im Jahr 2030 insgesamt vier Milliarden Euro in die Energiewende fließen.

Die illwerke vkw wollen die Speicherstände von Silvrettasee, Kopssee und Lünersee als Sicherheit im Winter höher halten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die illwerke vkw wollen die Speicherstände von Silvrettasee, Kopssee und Lünersee als Sicherheit im Winter höher halten. Hartinger

Strompreis im Vergleich

Nicht nur die Versorgung ist gesichert. Der Gesamtstrompreis liegt bei der illwerke vkw 2022 laut dem Vorstand unter dem des vergangenen Jahres. Vorarlberger Kunden hätten eine Preisgarantie bis zum 31. März erhalten, so Germann. „In der kommenden Heizsaison müssen Kunden mit keiner bösen Überraschung rechnen“, beschwichtigt er. Er weist auf den niedrigen Strompreis im Vergleich zu anderen Bundesländern hin. In Vorarlberg zahlt ein Haushaltskunde mit durchschnittlichem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowatt pro Stunde durchschnittlich 18,4 Cent pro Kilowattstunde. In Wien liegt das ab September bei 42,7 Cent. Wenn die ersten 2.500 Kilowattstunden mit einem einheitlichen Gesamtpreis von beispielsweise 15 Cent pro Kilowattstunde verrechnet würden, ergäbe es für Vorarlberger Kunden einen Vergütungsbetrag von 85 Euro. In Wien würde dies eine Vergütung von 688 Euro bedeuten. In Niederösterreich wäre das ähnlich. Andere Bundesländer liegen dazwischen. Schöbi-Fink weist auf ein „Ost-West-Gefälle“ hin.
Die illwerke vkw haben laut Germann Vorbereitungen getroffen. Die Speicher seien zu über 90 Prozent gefüllt. Der Erfolg des Winters sei von Lösungen der Politik, Energieversorger und den Kunden abhängig. Er ruft zum Stromsparen auf: „Jede Kilowattstunde, die wir im Winter einsparen können, wird der Sicherung der Energieversorgung helfen.“

Preise gefährden Wettbewerb

Die steigenden Energiepreise seien nicht nur für Privathaushalte herausfordernd, heißt es in einer Aussendung vom Land Vorarlberg. Darin wird auf die zugespitzte Lage hingewiesen, in der sich Unternehmen befinden. „Die explodierenden Preise stellen die Betriebe vor enorme Herausforderungen. Die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft steht auf dem Spiel“, schildern Statthalterin Barbara Schöbi-Fink und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler. Davon seien vor allem energieintensive und exportorientierte Unternehmen betroffen, so der Landesrat. Deswegen treffe die Situation die Vorarlberger Wirtschaft überproportional. Er und Schöbi-Fink erwarten sich vom Bund und der EU rasches Handeln in Form einer europaweiten Anpassung des Preissystems und gezielten Förderungen der Wirtschaft, besonders der Unternehmen. So sollen die Auswirkungen der Preisentwicklung abgefedert werden. Tittler fordert die Adaptierung des Preisbildungssystems durch die Anpassung des Merit-Order-Systems, solange der Markt vom Kriegsgeschehen beeinflusst wird. Beide betonen, dass innerhalb Österreichs berücksichtigt werden muss, dass Eingriffe und Unterstützungen von Bundesseite in ganz Österreich die selbe Wirkung erzielen.

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