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Abfallentsorger erhöht Preise bislang nicht

28.09.2022 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Böhler ist auf die Entsorgung gefährlicher Abfälle spezialisiert. <span class="copyright">Böhler</span>
Böhler ist auf die Entsorgung gefährlicher Abfälle spezialisiert. Böhler

Abfallentsorger Böhler müsste Preise um weniger als ein Prozent erhöhen. Darauf verzichtet man.

Der Abfallentsorger Böhler hat im laufenden Geschäftsjahr 2022 abgesehen von einer Preisanpassung zu Jahresbeginn bislang keine weiteren Preiserhöhungen durchgeführt.

Geschäftsführer Christian Böhler geht davon aus, dass es auch bis Jahresende zu keinen Preiserhöhungen durch sein Unternehmen kommen wird. „Es sei denn, es geschieht etwas völlig Unerwartetes“, so Böhler im Gespräch mit der Wirtschaftspresseagentur.com.
Dass Böhler diese Preispolitik verfolgen könne, hänge vor allem damit zusammen, dass das Unternehmen in der Regel eine ausgeprägte regionale Nähe zu seinen Kunden („Input“) und Abnehmern („Output“) habe. „Wir sind zwar auch von den höheren Dieselkosten betroffen. Allerdings wäre dafür angesichts der Struktur der Gesamtkosten bei der Abholung eine theoretische Erhöhung um 0,4 Prozent notwendig“, erklärt Böhler. Auf die Weitergabe dieser vergleichsweise überschaubaren Kostensteigerung habe man verzichtet. Auch bei den Transportkosten zu den Abnehmern von Böhler wären Preiserhöhungen von unter einem Prozent theoretisch angebracht. „Das können wir bislang noch selbst tragen.“

Böhler-Geschäftsführer Christian Böhler. <span class="copyright">Böhler</span>
Böhler-Geschäftsführer Christian Böhler. Böhler

Darüber hinaus profitiere man bei den Energiekosten noch von einem bis inklusive 2023 laufenden Stromliefervertrag, so der Böhler-Geschäftsführer. Gleichzeitig hätten die Geschäftspartner von Böhler auf der „Output“-Seite, wie etwa die Betreiber von Entsorgungs- und Verbrennungsanlagen, ihre Preise im Jahr 2022 bislang ebenso gehalten.

Der eine oder andere Glücksritter

Angesprochen auf die Preisentwicklung in der Abfallwirtschaft in Österreich sagte Christian Böhler, dass die eine oder andere Preiserhöhung aufgrund der Marktentwicklung und der Kostenstruktur nicht immer wirklich nachvollziehbar sei. „Das gilt aber auch für manche Betriebe außerhalb der Entsorgungsbranche. Offenbar ist da doch der eine oder andere Glücksritter dabei, der die allgemeine Stimmung für Preiserhöhungen ausnutzen möchte, obwohl seine Kosten nicht im gleichen Ausmaß gestiegen sind.“ In Vorarlberg seien die Preise eigentlich stabil geblieben. Dafür sorge nicht zuletzt die Kleinheit des Landes verbunden mit mehreren Anbietern.
Für das Jahr 2023 geht Chris­tian Böhler unterdessen von nicht mehr zu vermeidenden Preiserhöhungen aus. Das bringe schon allein die zu erwartende Erhöhung der Löhne und Gehälter mit sich. Dass auch die Entsorgungskosten automatisch steigen werden, glaubt der Unternehmer noch nicht. Denn sollten aufgrund einer Wirtschaftskrise die angelieferten Mengen zurückgehen, so könnte das hier auch zu sinkenden Preisen führen, da Konkurrenten dann um die geringeren Mengen kämpfen.

Offenbar gibt es Glücksritter, die die Stimmung für Preiserhöhungen ausnutzen möchten, obwohl ihre Kosten nicht im gleichen Ausmaß gestiegen sind.

Christian Böhler, Geschäftsführer Abfallentsorger Böhler

Die Böhler Abfall GmbH ist auf die Entsorgung und Verwertung von gefährlichen Stoffen wie Farben, Lacke, Öle und Säuren sowie Laugen spezialisiert. Dazu kommen beispielsweise Abfälle aus der Abwasseraufbereitung. Im Vorjahr holte das Unternehmen rund 25.000 Tonnen derartiger Abfälle von seinen Kunden ab. Alle nicht brennbaren Flüssigkeiten werden in Feldkirch aufbereitet und in unbedenkliches Abwasser und Reststoffe aufgespalten, die ihrerseits zum Beispiel dann in Verbrennungsanlagen weitertransportiert werden. Brennbare Flüssigkeiten liefert Böhler an Raffinerien. Eine eigene Deponie gibt es nicht.

Indikator für Entwicklung

Produzieren Industrie und Gewerbe weniger, fällt bei Entsorgungsbetrieben weniger Menge an. Mit etwas Zeitverzögerung kann die Branche folglich auch als guter Indikator für die Wirtschaftsentwicklung herangezogen werden. Bei Böhler merke man eine Veränderung im Ländle seit etwa zwei bis drei Wochen. „Wir haben den Eindruck, als ob die Mengen bei den Großkunden in Vorarlberg tendenziell rückläufig sind. Für eine klare Aussage ist es jedoch noch zu früh, dafür benötigen wir mehrere Monate an Beobachtung.“
Zur Firmengruppe Böhler mit der Dachgesellschaft böhler+sohn GmbH gehören die Böhler Abfall GmbH und die Böhler Technik GmbH mit rund 40 Mitarbeitern. Zur Gruppe gehören auch das z-Zementwerk in Lorüns und der wr9 Wohnpark Ringstraße 9 in Feldkirch.

Von Günther Bitschnau/wpa

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