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Vollblut-Wirt nimmt den Hut

29.09.2022 • 16:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Manfred Felder und Sabine Dorner, die den Goldenen Adler gemeinsam führten, in einer Gaststube.<span class="copyright"> Roswitha Natter</span>
Manfred Felder und Sabine Dorner, die den Goldenen Adler gemeinsam führten, in einer Gaststube. Roswitha Natter

Gasthaus „Goldener Adler“ in Hittisau geschlossen, weil Wirt Manfred Felder kein Personal mehr fand.

Der Hittisauer Gastronom Manfred Felder dürfte einigen bekannt sein, nicht nur im Bregenzerwald: Bis 2012 führte er die Gastronomie am Spielboden in Dornbirn, gemeinsam mit Guni Fetz. Während Letzterer nach dem Spielboden den Jöslar in Andelsbuch übernahm, verschlug es Manfred Felder als Pächter des Goldenen Adlers nach Hittisau. Über die Grenzen des Vorderwaldes machte er 2015 von sich reden, als er in seinem Gasthaus als einer der Ersten syrische Flüchtlinge beschäftigte.

Zum Schmunzeln brachte der gebürtige Schoppernauer dann viele Menschen mit seinen Werbeanzeigen im Gemeindeblatt während der Lockdowns, in denen er die Öffnungszeiten seines Take Aways kundtat. „Verordnung des Wirtes vom Goldenen Adler in Hittisau zur Einschränkung von Covid-19“ betitelte er seine Anzeigen. „Ein Grund, das Haus zu verlassen: Essen holen“, ging es weiter, darauf folgten die Öffnungszeiten. Der letzte Satz – es gab über die Monate verteilt mehrere solcher Anzeigen – endete immer mit „(…) und behalten Sie Ihren Humor“.

Der Goldene Adler in Hittisau hat eine rund 300-jährige Geschichte. <span class="copyright">Roswitha Natter</span>
Der Goldene Adler in Hittisau hat eine rund 300-jährige Geschichte. Roswitha Natter

Seinen Humor scheint Manfred Felder, als er mit der NEUE am Sonntag spricht, behalten zu haben – wenngleich er nicht mehr Wirt des Goldenen Adlers ist. „Danke an alle! Schön wars,“ lautete die entsprechende Anzeige im Gemeindeblatt, mit der er Ende Juli bekannt gab, dass er das circa 300 Jahre alte Gasthaus schließt. Obwohl er eigentlich ein Vollblut-Wirt ist, musste er das tun. Denn: „Um den Betrieb kundenfreundlich zu führen, braucht es eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern. Ich habe sie nicht gefunden. Es ist mir nicht gelungen, die Menschen von den positiven Seiten dieser Arbeit zu überzeugen.“ Selbstverständlich finde er es schade, dass er aufgehört hat, auch wegen der vielen Stammgäste. Doch was blieb ihm anderes übrig? Nun leitet Manfred Felder die Schulküche in der neu gebauten Mittelschule Hittisau.

An Besitzer vermitteln

Ein neuer Pächter wird nicht aktiv gesucht. Wenn sich ein Interessent oder eine Interessentin meldet, vermittelt Manfred Felder ihn oder sie an Jodok Lässer, den Besitzer der Gastwirtschaft. Der neue Pächter hat es in einem Punkt jedenfalls leichter als der bisherige Wirt: Bevor Manfred Felder 2012 den Goldenen Adler übernommen hatte, war dort 25 Jahre lang nicht gewirtet und das Gewerbe abgemeldet worden. Deshalb musste Manfred Felder die entsprechenden Genehmigungen einholen, der neue Pächter muss sich diesbezüglich um nichts kümmern. Doch wird er nicht mit denselben Problemen wie Manfred Felder – sprich Personalmangel – zu kämpfen haben? „Es gibt Gastronomen, die einen Pool an Mitarbeitern haben. Wenn sie ein neues Gasthaus übernehmen, gehen seine Angestellten oft mit“, erklärt der Hittisauer, wieso sich sein Nachfolger nicht zwingend schwertun muss.

Schöne alte Stube im Goldenen Adler. <span class="copyright">Roswitha Natter</span>
Schöne alte Stube im Goldenen Adler. Roswitha Natter

In den urigen, getäfelten Holzstuben des Goldenen Adler kredenzte Manfred Felder Speisen, die mit Lebensmitteln aus der Region hergestellt worden waren. Der Grund dafür war: „Nur wenn wir unseren Bauern ihre Produkte auch abkaufen, wird es die Bauernhöfe, die von Familien bewirtschaftet werden, in Zukunft noch geben. Die klein­strukturierte Landwirtschaft ist Teil unserer Kultur und soll erhalten bleiben“, steht auf der Homepage des Goldenen Adlers. Da diese Produkte in den vergangenen Monaten nicht so viel teurer geworden sind als konventionell hergestellte Lebensmittel, war die Teuerung für Manfred Felder kein so großes Problem.

Stammtisch aufgelöst

Dem Goldenen Adler kam im Laufe der zehn Jahre, in denen Manfred Felder wirtete, der Stammtisch abhanden. „In den ersten fünf Jahren war mein Stammtisch jeden Abend voll. Dann kam das Rauchverbot und die Hälfte des Stammtisches blieb aus. Danach kam Corona und hat dem Stammtisch den Rest gegeben“, erzählt Manfred Felder und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Vielleicht hatte es auch mit meiner eigensinnigen Art zu tun.“ Die Menschen vom Stammtisch hätten jetzt jedenfalls ein neues „Plätzle“ gefunden, hauptsächlich in Garagen oder Heizkellern.

Auch wenn Manfred Felder nicht mehr wirtet, ist er immer noch der Pächter des Goldenen Adlers und vermietet die Zimmer des Hauses an Flüchtlinge. Mit ihnen den Gastbetrieb zu führen, ist nicht möglich, denn einige haben noch keine Arbeitsgenehmigung. Zudem müssen manche der Asylwerber zuerst Deutsch lernen. „Nur weil ich fünf Flüchtlinge in den Zimmern habe, heißt es noch lange nicht, dass sie bei mir arbeiten können. Es wäre schön, wenn es so wäre.“

„Hat Hittisau gut getan“

Von Seiten der Gemeinde wird bedauert, dass das Gasthaus mitten im Zentrum am Gemeindeplatz geschlossen hat. Es stehen nebenan zwar noch zwei Gasthäuser am Platz – die Krone und der Hirschen – aber: „Es hat Hittisau gut getan, dass der Goldene Adler geöffnet war“, sagt Bürgermeister Gerhard Beer. Es sei im Interesse der Gemeinde, dass das Gasthaus wieder bewirtet werde.

Verordnung des Wirtes vom Goldenen Adler

Im März 2021, als der Rest von Österreich noch im Lockdown war, öffnete in Vorarlberg die Gastronomie im Rahmen der Testregion wieder. Manfred Felder erließ im Gemeindeblatt erneut eine „Verordnung des Wirtes vom Goldenen Adler in Hittisau“ (siehe Artikel oben) über das neue Einkehren und führte dazu acht Punkte an:

1. Überlegen: Soll ich oder soll ich nicht?

2. Wenn ja: Testtermin machen und reservieren (oder umgekehrt).

3. Testen: nicht zu früh und nicht zu spät.

4. Es ist soweit: negatives Testergebnis.

5. Beim Wirt: Maske tragen und registrieren.

6. Denk daran: der Wirt und seine Mitarbeiter können nichts dafür.

7. Entspannen und genießen

8. Nicht vergessen: um 20 Uhr muss ich zuhause sein.

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