Lokal

Gäste sollen in Hotels nicht frieren

03.10.2022 • 20:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf den Liften soll es keine Sitzheizung im Winter geben.<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Auf den Liften soll es keine Sitzheizung im Winter geben.Stiplovsek

Der Tourismus will Strom sparen. Dabei wird auf Vorschläge statt Verbote gesetzt.

Der Vorarlberger Tourismus spricht sich fürs Energiesparen aus. Die Gäste sollen darunter jedoch nicht leiden, heißt es bei der ges­trigen Pressekonferenz in Bregenz. „Der Gast soll sich nicht erkälten, weil es im Hotelzimmer so kühl war“, so Tourismusspartenobmann der Wirtschaftskammer Markus Kegele. Im Tourismus werde nicht nur mit Prozessen wie in der Industrie gearbeitet, sondern mit Menschen, ergänzt die Landesvorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung Heike Ladurner-Strolz. Bedürfnisse müssten berücksichtigt werden. Die Stromsparmaßnahmen sollen nach Kegele nicht nur den Komfort der Touristen nicht berühren, sondern laut Tourismuslandesrat Christian Gantner auch einen Urlaub mit „gutem Gewissen“ ermöglichen. Dies soll die Kommunikation der Energiesparmaßnahmen durch eine Kampagne bewirken.

In den Hotelzimmern sollen die Gäste diesen Winter nicht frieren müssen.<span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
In den Hotelzimmern sollen die Gäste diesen Winter nicht frieren müssen.Symbolbild/Hartinger

Keine Vorschriften

Konkrete Vorschriften soll es keine geben. Bei den Sparmaßnahmen setzt Gantner auf Vernunft anstatt auf Verbote. Er möchte nur Möglichkeiten anbieten, wie Strom gespart werden kann. Etwa durch das Herunterfahren von Zimmertemperaturen, Installation von Sparbrausen, optimierten Betriebszeiten von Sauna und Schwimmbecken. Falls Betriebe sich nicht daran halten würden, gebe es derzeit noch keinen konkreten Plan B, so der Landesrat. Er sei jedoch überzeugt, dass diese auch durch die gestiegenen Energiepreise zum Handeln in Sachen Stromsparen gezwungen seien. Auch der Winterkodex 2020/21 als positives Beispiel aus der Vergangenheit stimme ihn zuversichtlich. Damit das Ziel erreicht werden könne, gehe es nicht um das gegenseitige Ausspielen, sondern um das Vorangehen als „Tourismusfamilie“, so Gantner. Falls doch Schritte bei Engpässen notwendig werden würden, würden diese nicht erst fünf vor zwölf kommuniziert werden.

Bei der Gastronomie ist ein Potenzial der regionale Einkauf. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bei der Gastronomie ist ein Potenzial der regionale Einkauf. Hartinger

Kegele und Ladurner-Strolz sprechen die Angst vor kurzfris­tigen Vorschriften durch den Bund an. Solche Änderungen „drei Minuten vor dem Aufsperren“ wie im Rahmen der Coronamaßnahmen dürften nicht sein, betont Ladurner-Strolz. „Wir plädieren nach Wien, dass es hier keine Vorschriften für uns gibt“, so Kegele.
Denn Maßnahmen müssten individuell auf das Unternehmen angepasst werden, so Ladurner-Strolz. Außerdem sei Stromsparen in der Tourismusbranche nichts Neues, sondern sei schon vor der Krise begonnen worden, so Kegele. „Das Einsparen von Energie machen wir schon seit Jahrzehnten, das ist kein Neuland für uns.“ So sei der Energieverbrauch pro Nächtigung zwischen 2008 und 2019 um 54 Prozent gesunken. Trotzdem sieht er noch Potenzial.

Keine Sitzheizung bei Liften

Maßnahmen richten sich unter anderem nach der „Mission 11“, einer Kampagne der Bundesregierung. Sie hat zum Ziel, elf Prozent an Strom zu sparen. Fachgruppenobmann der Gastronomie in der WKV Mike Pansi sieht Verbesserungsmöglichkeiten bei den Kühlhäusern, der Lüftung, der Innen- und Außenbeleuchtung und anderen „Energiefressern“. Durch ständige Überprüfung und Zeitsteuerung bei den Lüftungen könne Strom gespart werden, so Pansi. Auch nennt er das Einkaufen in der Region anstatt von Produkten, die um „den ganzen Globus kutschiert wurden“, als Punkt, der dazu beigetragen könne.

Andreas Gapp von den Seilbahnen sieht Potenzial bei der Anpassung des Fahrbetriebs. Die Reduktion von sechs Metern pro Sekunde auf fünf Meter würde 15 Prozent Stromeinsparung ermöglichen. Dies sei aber nicht an jedem Tag möglich. Er spricht auch das Potenzial bei der Kürzung der Betriebszeiten an. Sitzheizungen sollen kalt bleiben.
Kegele meint, dass die Teuerung aber nicht durch Einsparungen abgefangen werden könnten. Gäste werden tiefer in die Tasche greifen müssen. „Die Preise werden wie überall steigen müssen, sonst wird es uns nächstes Jahr nicht geben. Gapp rechnet mit keiner weiteren Preisanpassung während der Saison. Saisonkarten sollen im Schnitt 8,3 Prozent teurer sein.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.