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Eine Win-Win Situation

22.10.2022 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jakob Sieber und Lucca Wölfler haben gegenseitig voneinander profitiert.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Jakob Sieber und Lucca Wölfler haben gegenseitig voneinander profitiert. Stiplovsek

Jakob Sieber (31) und Lucca Wölfler (16) haben bei der ersten Sindbad-Mentor-Staffel teilgenommen.

Wer Jakob Sieber (31) aus Dornbirn und Lucca Wölfler (16) aus Lauterach trifft, merkt schnell, dass die beiden vertraut miteinander sind und sich schätzen. Immer wieder scherzen sie oder ziehen einander im Spaß auf. Sie sprechen aber auch sehr anerkennend über den anderen. Die beiden haben sich erst im vergangenen April kennengelernt, als sie mit der ersten Mentoring-Staffel des in Vorarlberg neu gegründeten Vereins Sindbad starteten.

Mentee Lucca Löffler und Mentor Jakob Sieber.  <span class="copyright">stiplovsek </span>
Mentee Lucca Löffler und Mentor Jakob Sieber. stiplovsek

Die NEUE am Sonntag berichtete Anfang dieses Jahres über Sindbad. Damals war der Verein im finalen Aufbau. Sindbad bringt sozial benachteiligte Jugendliche mit je einem ehrenamtlich arbeitenden Mentor zusammen, der zwischen 20 und 35 Jahre alt ist. Der Ältere begleitet den Jüngeren in seinem 9. Schuljahr, damit der Übergang in eine Lehre oder weiterführende Schule gut klappt. Dabei geht es weniger um klassische Berufsberatung, sondern vielmehr um die persönliche Beziehung zwischen Jugendlichem und Mentor. Sie soll den jungen Menschen in der Zeit, in der für ihn große Änderungen anstehen, stärken und unterstützen.
Als Lucca den Community Manager Jakob durch das Mentor-Programm kennenlernte, wusste er schon ziemlich genau, was er nach der 9. Schulstufe machen wollte: eine Lehre bei Doppelmayr. Mittlerweile hat er dort auch als Elektrotechnik-Lehrling begonnen; es gefällt ihm sehr gut.

Soziale Kontakte

Für den 16-Jährigen war beim Mentoring wichtig, dass er mehr soziale Kontakte im realen Leben knüpft, denn die meisten seiner Freunde hat er online. „Ich bin auch oft zu Hause gesessen, was ich durch Sindbad ändern wollte und konnte“, sagt er. An dieser Stelle übernimmt Jakob das Wort und erklärt voller Respekt: „Lucca spielt am Computer nicht nur, sondern programmiert und hat sich online mehrere japanische Wörter beigebracht.“ Durch Lucca habe er erfahren, was online alles an Positivem passieren könne und was dort möglich sei. „Das fand ich faszinierend“, sagt der Mentor.

Jakob Sieber und Lucca Wölfler bei einem Ausflug, der von Sindbad organisiert worden war. <span class="copyright">Sindbad Vorarlberg</span>
Jakob Sieber und Lucca Wölfler bei einem Ausflug, der von Sindbad organisiert worden war. Sindbad Vorarlberg

Jakob hat sich als solcher beworben, weil er etwas Sinnvolles einbringen wollte. Doch auch er hat durch das Zusammensein mit Lucca viel gelernt und selbst etwas bekommen. Zum Beispiel ist er in eine fremde Lebenswelt eingetaucht. „Lucca ist ganz anders aufgewachsen als ich. Zu sehen, was er alles geschafft hat und was er macht, ohne dieselben Voraussetzungen wie ich gehabt zu haben, war eine Bereicherung.“ Der Jüngere wiederum erklärt: „Es war toll, das Leben von jemandem zu sehen, denn man sonst nie kennengelernt hätte.“

Treffen

Was aber haben die beiden in den vergangenen sieben Monaten nun genau gemacht? Laut Sindbad ist das dem Mentor überlassen, von Lucca und Jakob ist jedoch herauszuhören, dass beide bei der Programmgestaltung mitgewirkt haben. Die da war: radeln, gegenseitige Besuche zu Hause und sehr viele Treffen bei den Sandplatten in der Bregenzerache in Lauterach. Einmal sind sie auch in der Inatura in Dornbirn gewesen, die Lucca schon sehr oft besucht hat. „Er hat mir die coolen Sachen dort gezeigt“, sagt Mentor Jakob. Neben den physischen Treffen hatten die beiden zudem oft Kontakt per WhatsApp.

Treffen im Sommer bei den Sandplatten.<span class="copyright">privat</span>
Treffen im Sommer bei den Sandplatten.privat

Bevor ein Mentor und ein Jugendlicher ein Team bilden, müssen sie sich erst einmal finden. Sindbad veranstaltete dazu eine Art Speeddating, bei dem sich fünf Mentoren kurz vorstellten. Als Jakob und Lucca erfuhren, dass sie mit der Leidenschaft für Sprachen und das Fahrradfahren einen gemeinsamen Nenner haben, war die Wahl für beide sehr schnell klar. Klar ist aber auch, dass der 31- und der 16-Jährige nach Abschluss des Programms im November weiterhin in Kontakt bleiben werden.

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