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Alle die wollten, konnten Ja sagen

05.11.2022 • 12:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nicht einmal im Jahr 2020 habe es einen totalen Einbruch der absoluten Hochzeitszahlen gegeben. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Nicht einmal im Jahr 2020 habe es einen totalen Einbruch der absoluten Hochzeitszahlen gegeben. Shutterstock

Standesämter hatten heuer genug zu tun, doch es war kein Rückstau aus Pandemie-jahren abzuarbeiten.

Unlängst hieß es nach einer Tagung österreichischer Standesbeamte in St. Pölten, dass Termine für Hochzeiten in den Standes­ämtern rar seien und es im heurigen Jahr viele Terminprobleme, ja sogar ein Terminchaos, gegeben habe. Der Grund dafür: Es würden immer noch Hochzeiten aus den Pandemiejahren 2020 und 2021 nachgeholt werden. Ein Rundruf in Vorarlberger Standesämtern, nachdem die Hauptsaison für Hochzeiten vorbei ist, zeichnet ein anderes Bild: „Alle Paare haben einen Termin bekommen, man findet immer eine Lösung“, berichtet die Dornbirner Standesbeamtin Lea Peter. Dasselbe ist aus Bludenz zu hören. In den befragten Standesämtern kann von Montag bis Freitag und manchmal auch am Samstag geheiratet werden.

Die Dornbirner Standesbeamtin Lea Peter.<span class="copyright">stadt dornbirn</span>
Die Dornbirner Standesbeamtin Lea Peter.stadt dornbirn

Der beliebteste Hochzeitstag ist nach wie vor der Freitag. Wie gut gebucht diese Tage heuer waren, beschreibt der Bregenzer Standesbeamte Gerhard Rosemann: „Von Mai bis September sind die Freitage ‚Tür-auf-und-Tür-zu-Tage‘. Das eine Paar geht, das nächste kommt.“ Sowohl in Bregenz, Dornbirn als auch in Bludenz hätten nicht alle Heiratswilligen den gewünschten Freitag bekommen – vor allem der 22.7.22, sei schnell ausgebucht gewesen – doch man habe auch in diesen Fällen eine Lösung gefunden. Rosemann beschreibt zwei solche Alternativen: „Das Paar weicht auf ein bestimmtes Datum aus, vielleicht dasjenige des Kennenlernens, oder es nimmt einen Fenstertag.“

Heiraten, sobald es ging

Wie der Nachholbedarf aus den Jahren 2020 und 2021 beendet worden ist, erklärt der Bregenzer Standesbeamte: Statt im Frühjahr 2020, als der erste Lockdown herrschte, hätten viele im Sommer das standesamtliche Ja gesagt, weitere Lockdowns im Jahr 2021 waren außerhalb der Hoch-Zeiten für Trauungen und einige hätten, als nur wenige Personen wegen der Corona-Beschränkungen mit ins Trauzimmer durften, im ganz kleinen Kreis geheiratet. Wenn der Standesbeamte Rosemann die Zahlen der Trauungen, der Jahre 2020, 2021 und 2022 anschaut, sieht er zwar Schwankungen, aber: „Schwankungen gibt es immer. Wenn man nicht wüsste, dass es Lockdowns gegeben hätte, würde einem nichts auffallen. Denn es gab keinen totalen Einbruch der absoluten Zahlen.“

Kirchliche Hochzeit

Ähnlich wie in den Standesämtern war es 2022 in den Kirchen. Die beliebteste Hochzeitskirche in Vorarl­berg ist die Basilika Bildstein. Pfarrer Paul Burtscher informiert: „Wir sind schon relativ voll gewesen, aber es war ein normales Jahr.“ Aus Schwarzenberg, das auf Platz zehn der beliebtesten Trauungskirchen liegt, berichtet Pfarrsekretärin Barbara Metzler: „Es hat sich nichts aus den vergangenen Jahren angestaut. Jeder, der für heuer angefragt hat, hat einen Termin bekommen.“

Gerhard Rosemann, Standesbeamter in Bregenz. <span class="copyright">Landeshauptstadt Bregenz</span>
Gerhard Rosemann, Standesbeamter in Bregenz. Landeshauptstadt Bregenz

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Sowohl bei den befragten Standesämtern als auch in den Kirchen gibt es für 2023 noch genügend Termine. Die einzige Ausnahme sind besondere Daten, wie beispielsweise Freitag, der 23.6.23. Wer an einem Tag wie diesem Ja sagen will, sollte sich besser beeilen.

Die Hochzeit mit einem Alpen-Rave einläuten

Während es in Standes­ämtern und Kirchen im zu Ende gehenden Jahr keinen Rückstau an Hochzeiten gegeben hat, war die Situation bei den Hochzeitsfeen, einem Hochzeits­planungsunternehmen in Bregenz, anders. Geschäftsführerin Gabi Micheluzzi sagt: „Wir haben in diesem Jahr zwei Drittel aller Hochzeiten von 2020 und 2021 nachgeholt. Bereits heuer im Jänner waren wir fast ausgebucht.“ Einigen Paaren habe man – schweren Herzens – absagen müssen. Für 2023 sei die halbe Saison schon ausgebucht. „Deshalb ist es ganz wichtig, dass Paare, die nächstes Jahr heiraten wollen, jetzt schnell sind“, erklärt die Hochzeitsplanerin.

Hochzeitsplanerin Gabi Micheluzzi von den Hochzeitsfeen. <span class="copyright">Hochzeitsfeen</span>
Hochzeitsplanerin Gabi Micheluzzi von den Hochzeitsfeen. Hochzeitsfeen

Sie erzählt zudem von einem Trend, der sich seit fünf Jahren abzeichnet: der Wunsch nach Außergewöhnlichem. Das betreffe einerseits besondere Orte, anderseits die Dauer. Es gebe Hochzeiten, die sich über zwei bis drei Tage erstrecken. „Wir planen zum Beispiel eine Hochzeit im Jänner in Lech, die drei Tage dauert und bei der es Wanderungen im Schnee, einen Alpen-Rave am Vorabend oder eine Gondel- und Pistenraupenfahrt zur Feierlocation gibt“, erzählt Gabi Micheluzzi. Für sie als Hochzeitsplanerin sei so etwas immer sehr spannend: „Wir wollen das Brautpaar kennenlernen und passende Orte und Programme finden, die das Paar widerspiegeln.“

Auf Schiffen und in der Kuppel

Besondere Orte sind auch bei standesamtlichen Hochzeiten gefragt, heißt es aus dem Standesamt Bregenz, das für fünf Gemeinden zuständig ist. Die Villa Grünau in Kennelbach sei dafür am beliebtesten, gefolgt vom Alten Schulhaus in Lochau, berichtet Standesbeamter Gerhard Rosemann. Zudem gibt es die Möglichkeit, in der Villa Raczynski in Bregenz Ja zu sagen sowie auf den Schiffen der Vorarlberg Lines und in der Kuppel des Martinsturmes in der Landeshauptstadt.

Die Villa Grünau in Kennelbach ist beliebt für Hochzeiten.  <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Hartinger</span>
Die Villa Grünau in Kennelbach ist beliebt für Hochzeiten. Hartinger

„Wenn man eine dieser Örtlichkeiten für einen Freitag möchte, kann man nicht schnell genug sein. Für 2023 sind einige Termine bereits ausgebucht. Für die Villa Grünau haben wir schon Reservierungen für 2024“, sagt Gerhard Rosemann.
Der Standesbeamte weiß noch von einem anderen Trend: „In letzter Zeit nehmen sich immer mehr Paare freie Trauungsredner.“ Rechtlich haben sie keine Bedeutung, aber sie gestalten und begleiten den Hochzeitstag, wo und wann immer er stattfindet. Wer sich beispielsweise eine mittelalterliche Hochzeit an einem Samstagabend wünscht, kann die Zeremonie von einem Trauungsredner gestalten und durchführen lassen.

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