Lokal

Milde Strafe trotz fünf
Tankstellenüberfällen

09.11.2022 • 20:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

24 Monate Haft, davon acht Monate unbedingt, für unbescholtenen Serienräuber. Urteil nicht rechtskräftig, denn Staatsanwalt meldete sofort Strafberufung an.

Milde Strafe trotz fünf<br>Tankstellenüberfällen
Der 25-jährige Angeklagte überfiel insgesamt fünf Tankstellen.
Polizei

Überraschend milde fiel am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch das erstinstanzliche Urteil im Schöffenprozess um fünf Überfälle auf Tankstellen und einen versuchten Überfall auf eine weitere Tankstelle aus. Der unbescholtene und geständige Serienräuber kam mit einer teilbedingten Haftstrafe von 24 Monaten davon. Der unbedingte, zu verbüßende Teil beträgt lediglich acht Monate.

Der 25-Jährige wäre sogar nach vier Monaten in Untersuchungshaft schon am Mittwoch aus dem Feldkircher Gefängnis vorzeitig und auf Bewährung in die Freiheit entlassen worden, wenn das Urteil rechtskräftig geworden wäre.
Aber Staatsanwalt Philipp Höfle, der auch zur Abschreckung der Allgemeinheit eine höhere Haftstrafe fordert, meldete sofort Strafberufung an. Nun wird in zweiter Instanz das Oberlandesgericht Innsbruck über das Strafmaß rechtskräftig entscheiden. Der von Bertram Grass verteidigte Angeklagte nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Softair-Pistole verwendet

Der Schuldspruch erfolgte wegen Raubes. Dafür beträgt der Strafrahmen ein bis zehn Jahre Gefängnis. Der Täter hatte stets eine Softairpistole verwendet, die einer echten Pistole täuschend ähnlich sieht, aber nicht als Waffe gilt. Deshalb wurde kein schwerer, bewaffneter Raub mit einer Strafdrohung von 1 bis 15 Jahren Haft angeklagt.

Rückzahlung

Richter Theo Rümmele begründete als Vorsitzender des Schöffensenats die milde Strafe mit der Unbescholtenheit, dem Geständnis, der bereits erfolgten Rückzahlung der Raubbeute von 7600 Euro und dem Beitrag zur Wahrheitsfindung mit dem ohne Not zusätzlich zugestandenen Raubversuch. Der Angeklagte wurde dazu verpflichtet, vier überfallenen Opfern als Teilschmerzengeld insgesamt 6500 Euro zu bezahlen. Drei überfallene Kassiererinnen müssten psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, sagte Opfer­anwalt Stefan Denifl. Zwei von ihnen seien wegen des traumatischen Erlebnisses sogar arbeitsunfähig. Als Tatmotiv gab der arbeitende Unterländer Schulden wegen seiner Drogen- und Spielsucht an. Deshalb habe er heuer fünf Tankstellen in Hard, Bregenz, Hörbranz und Bürs überfallen.

Filmteam-Mitglied überprüft

Während der Fahndung überprüfte die Polizei auch den Käufer einer Softairpistole in einem Waffengeschäft. Dabei handelte es sich jedoch um den Mitarbeiter jenes Filmteams, das eine Softairpistole als Requisite für eine Folge der Krimiserie „Die Toten vom Bodensee“ benötigte.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.