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Kessler will mehr Geld vom Wirtschaftsbund

17.11.2022 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nicht nur die Finanz hat Forderungen an den Wirtschaftsbund, auch dessen früherer Direktor treibt Geld ein.

Kessler will mehr Geld vom Wirtschaftsbund
Jürgen Kessler trat nach Auffliegen der Inseratenaffäre rund um die ÖVP-Wirtschaftsbundzeitung als Direktir zurück. WB

Das mittlerweile eingestellte Wirtschaftsbund-Magazin „Vorarlberger Wirtschaft“ war eine regelrechte Cashcow, nicht nur für den Wirtschaftsbund. Auch dessen früherer Direktor Jürgen Kessler verdiente sich eine goldene Nase.

Gute Geschäfte

Etwa 4,3 Millionen Euro an Inseratenerlösen nahm der Wirtschaftsbund zwischen 2016 und 2021 ein. Dabei stieg das Anzeigenvolumen unter Kessler stark an. Im Jahr 2019 erreichten sie mit 1,27 Millionen Euro einen Höchstwert, mehr als das Vierfache der früheren Umsätze. Beim Verkauf der Inserate soll Kessler teilweise Druck ausgeübt haben. Der Unternehmer und ehemalige Innungsmeister der Tischler Michael Stadler schilderte entsprechende Erfahrungen in den Medien. Kessler hatte wie auch sein Vorgänger Walter Natter eine Provisionsbeteiligung.

Das Wirtschaftsbundmagazin wurde mittlerweile eingestellt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Wirtschaftsbundmagazin wurde mittlerweile eingestellt. Hartinger

Neben seinem Bruttogehalt als Wirtschaftsbunddirektor in der Höhe von 780.000 Euro (2016- 2021) wurden Kessler – wie berichtet – über die 3L Consult zwischen 2018 und 2021 mehr als 640.000 Euro für die Vermittlung von Inseraten bezahlt. Von 2018 bis 2020 erhielt er als Wirtschaftsbunddirektor noch einmal insgesamt 62.500 Euro für die „Bearbeitung“ des Magazins.

Dazu kam ab 2021 eine Rentenversicherung von 1000 Euro monatlich, ein Firmen-Pkw sowie ein ursprünglich zinsloses Darlehen von 250.000 Euro, das der Jurist im Juli inklusive 1,5 Prozent Zinsen zurückzahlen musste.  Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Austria, die den Geldflüssen im Auftrag des Wirtschaftsbundes nachgegangen war, sprach von einem „durchaus generösen Umgang in der Geschäftsgebarung.“

Der interimistische Wirtschaftsbund-Obmann Karlheinz Rüdisser. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Der interimistische Wirtschaftsbund-Obmann Karlheinz Rüdisser. Stiplovsek

Wirtschaftsund sucht “einvernehmliche Lösung”

Wie die NEUE nun in Erfahrung bringen konnte, stellt der ehemalige Wirtschaftsbunddirektor weitere finanzielle Forderungen an die ÖVP-Teilorganisation, auch der Standard berichtet darüber. Der interimistische Obmann Karlheinz Rüdisser bestätigt auf Anfrage, dass es „offene Fragen in einem Teilbereich der Abrechnungen“ gibt. Derzeit würden die offenen Forderungen genau geprüft, danach soll die Sache „im Einvernehmen“ geklärt werden, so Rüdisser im NEUE-Gespräch. Wie der Obmann auf Nachfrage mitteilt, handelt es sich unter anderem um ausstehende Provisionen für Inserate in der Wirtschaftsbundzeitung. Die Inserate sollen mit den entsprechenden Unternehmen schon eingeplant gewesen sein, dann aber wegen der Einstellung des Magazins nicht erschienen. Zur Höhe der von Kessler geltend gemachten finanziellen Forderungen wollte Rüdisser keine Angaben machen.

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