Lokal

„Für mich gibt es keinen schöneren Beruf“

18.11.2022 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Theresia Pfanner bei einer Klientin. Normalerweise trägt sie dabei eine Maske, für das Foto hat sie sie aber abgenommen.<span class="copyright">hartinger</span>
Theresia Pfanner bei einer Klientin. Normalerweise trägt sie dabei eine Maske, für das Foto hat sie sie aber abgenommen.hartinger

Personalmangel in der Pflege ist in aller Munde. Für Theresia Pfanner (18) aber ist die Pflege ihr Traumberuf.

m Besprechungszimmer des Krankenpflegevereins (KPV) Lochau: Praktikantin Theresia Pfanner (18) und Pflegeleiterin Maria Mager (56) sitzen vor einem Laptop und sprechen darüber, welche Arbeiten anstehen.

Breites Aufgabenspektrum

Danach nimmt die junge Frau, die eine pinke Jacke mit dem Logo des KPV Lochau trägt, eine rote, kleine Tasche, steigt damit in ein Auto und fährt zu einer älteren Klientin. Freundlich begrüßt die Jüngere die Ältere, und nachdem die beiden einige Worte gewechselt haben, misst Theresia den Blutdruck der Seniorin. Gewissenhaft trägt sie die Werte in ein Heft ein und verabschiedet sich dann. Bis zu sieben weitere pflegebedürftige Menschen wird die junge Lochauerin bis 15.30 Uhr noch betreuen. Ihre Aufgaben ­reichen dabei von Medikamente in die Medikamentenboxen einordnen über Blutzucker messen, Insulin spritzen und Verbände wechseln bis hin zur ­Ganzkörperpflege. „Ich kann sehr unterschiedliche Sachen machen, das ist das Coole an diesem Praktikum“, sagt Theresia.

Theresia Pfanner und Pflegeleiterin Maria Mager bei der morgendlichen Besprechung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Theresia Pfanner und Pflegeleiterin Maria Mager bei der morgendlichen Besprechung. Hartinger

Begehrte Fachkraft

Die 18-Jährige besucht die zweite Klasse der Pflegefachschule in Bregenz; insgesamt dauert die Schule drei Jahre. Nach dem Abschluss ist sie diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP). Damit zählt sie beim momentanen Personalproblem im Pflegebereich zu einer begehrten Fachkraft.
Dass das Pflegepersonal zurzeit so belastet ist, schreckt sie nicht ab. Das Einzige, das sie als eine zu große Belastung sieht, ist der Mund-Nasen-Schutz. Während fast alle schon vor Monaten die Maske ablegen durften, muss sie in Arztpraxen, Spitälern und in der Altenpflege immer noch getragen werden. „Ich wäre froh, wenn das überdacht wird. Wir verrichten schwere Tätigkeiten, und es ist unglaublich anstrengend, die Maske zehn Stunden am Stück zu tragen. Außerdem wissen manche Klienten nicht einmal, wie wir aussehen.“

Von klein auf klar

Doch zurück zum Positiven: Für Theresia war von klein auf klar, dass sie diesen Beruf ergreifen möchte. „Ich wollte immer schon mit Menschen arbeiten, und ich war bereits als Kind hilfsbereit. Für mich gibt es keinen besseren Beruf“, erklärt sie. Zudem mag sie Kinder sehr. Deshalb würde sie nach Abschluss der Schule gerne in der Pädiatrie oder der Mutter-Kind-Station tätig sein. Türen stehen ihr jedenfalls viele offen: Einerseits könnte sie auf den unterschiedlichsten Krankenhaus-Stationen wie der Onkologie, der Gefäßchirurgie oder der Nuklearmedizin Dienst tun, andererseits könnte sie in einem Pflegeheim oder bei einem Krankenpflegeverein arbeiten. „Ich finde es cool, wenn man alle paar Jahre etwas Neues macht. Das ist in diesem Beruf gut möglich.“

Viele Praktika

Während der Ausbildung müssen die Schüler der Krankenpflegeschule bis zu zehn Praktika absolvieren. Das aktuelle Praktikum beim KPV Lochau ist für Theresia ihr drittes; es dauert sieben Wochen. Der Bauerntochter gefällt es sehr gut. Umgekehrt erhält auch sie viel Lob: „Theresia hat sich von Anfang an mit Empathie und Begeisterung eingebracht. Es würde uns freuen, wenn sie nach Abschluss der Schule bei uns arbeiten würde“, sagt KPV-Pflegeleiterin Maria Mager, lächelt und fährt fort: „Aber es ist wichtig, dass sie zuerst Erfahrungen im Krankenhaus sammelt.“

Theresia Pfanner auf dem Weg zu einer Klientin. <span class="copyright">Hartinger</span>
Theresia Pfanner auf dem Weg zu einer Klientin. Hartinger

Irgendwann nach der Arbeit in einem Spital könnte sich Theresia durchaus vorstellen, in der Pflege älterer Menschen tätig zu sein. Sie findet es sehr interessant, sich mit Seniorinnen und Senioren zu unterhalten, weil sie viel Lebenserfahrung haben. Und: „Die Menschen schätzen es sehr, wenn man sich nur fünf Minuten hinsitzt und mit ihnen redet. Alle freuen sich, wenn ein junges Mädchen sie fragt, wie es ihnen geht. Man bekommt in der Pflege sehr viel zurück.“

Theresia Pfanner schätzt den Kontakt mit älteren Menschen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Theresia Pfanner schätzt den Kontakt mit älteren Menschen. Hartinger

Das treffe auch zu, wenn man in einem Krankenhaus arbeite. „Die Menschen sind so dankbar, dass das Pflegepersonal sie unterstützt.“ Die Schule sei zwar anstrengend, aber da heiße es jetzt durchbeißen. „Danach hat man dafür einen sehr guten Beruf, bei dem man sich nicht sorgen muss, keine Arbeit zu finden.“
Wie sehr nach Personal gesucht wird, ist auch beim KPV Lochau zu sehen: Als vor einigen Monaten die Stelle eines Mitarbeiters mit DGKP-Ausbildung vakant war, meldete sich auf Stellenanzeigen niemand. Nur durch Mundpropaganda sei es schließlich gelungen, jemand Qualifizierten zu finden, berichtet Maria Mager, die seit 19 Jahren beim KPV Lochau arbeitet und seit 15 Jahren die Pflegeleitung innehat.

Junge Mitarbeitende

Dass nun alle Stellen besetzt sind, ist zwar positiv, aber: Der KPV sollte auch junge Mitarbeitende haben, denn der Jüngste im Team ist 52 Jahre. „Jetzt sind wir zwar gut aufgestellt, aber was ist in ein paar Jahren, wenn mehrere in Pension kommen? Dadurch geht viel Wissen verloren“, erklärt Maria Mager. Dabei sei es früher in der Hauskrankenpflege relativ einfach gewesen, Mitarbeitende zu finden, weil es hier wenig Wochenend- und keine Nachtdienste gibt.
Maria Mager meint, dass beim Ausbildungssystem für Pflegeberufe einiges falsch gemacht worden ist. Sie versteht zum Beispiel nicht, weshalb es so lange gedauert hat, die Pflegelehre, die im Herbst 2023 starten soll, einzuführen. Ihre Praktikantin Theresia bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Jeder wird einmal Pflege brauchen. Das ist der letzte Bereich, bei dem man sparen sollte.“

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.