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Haft für Buchhalterin: 869.000 Euro verprasst

18.11.2022 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die kaufmännische Angestellte wurde zur Rückzahlung an ihren früheren Arbeitgeber verpflichtet. <span class="copyright">Symbolbild Shutterstock</span>
Die kaufmännische Angestellte wurde zur Rückzahlung an ihren früheren Arbeitgeber verpflichtet. Symbolbild Shutterstock

Unbescholtene 50-Jährige soll sieben Jahre lang Gelder der Firma auf eigenes Konto überwiesen haben.

Die geständige Angeklagte hat als damalige Buchhalterin einer Oberländer Firma zwischen Mai 2014 und August 2021 insgesamt 869.422,69 Euro an Firmengeldern veruntreut.

Dafür wurde die unbescholtene 50-Jährige am Freitag in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die kaufmännische Angestellte wurde zur Rückzahlung von 869.422,69 an ihren früheren Arbeitgeber verpflichtet.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn die von Markus Schiechtl verteidigte Angeklagte und Staatsanwalt Manfred Bolter nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen für das begangene Verbrechen der Untreue belief sich auf ein bis zehn Haft.

Alles ausgegeben

Die Buchhalterin hat sieben Jahre lang mit dem fingierten Begleichen von Rechnungen von Lieferanten monatlich oder mehrmals im Monat Überweisungen von Geldern des Familienunternehmens auf ihr privates Konto getätigt. Die veruntreuten Gelder habe sie zur Gänze ausgegeben, sagte die Angeklagte vor Gericht. Sie habe sich damit Kleidung gekauft, Urlaube und Restaurantbesuche finanziert, Karten für Konzerte und Musicals sowie Rubellose gekauft.

Nicht mitfinanziert

Bis auf einen Betrag von 320.000 Euro hätten ihre illegalen Ausgaben nachvollzogen werden können, sagte Staatsanwalt Bolter. Die Angeklagte gab dazu zu Protokoll, sie habe jedenfalls das Haus ihres Lebensgefährten und die Wohnung ihrer Mutter nicht mitfinanziert.
Das Ermittlungsverfahren begann mit der Geldwäschemeldung der Hausbank der Buchhalterin. Der Bank waren die vielen und hohen Einzahlungen auf ihr Konto aufgefallen. Den Auslöser für den ursprünglichen Geldwäscheverdacht bildete ein Darlehen von 15.000 Euro, das die Firma der Angeklagten 2021 gewährte.
Mildernd gewertet worden seien die Unbescholtenheit und das zur Wahrheitsfindung beitragende Geständnis der Beschuldigten schon vor der Polizei, sagte Richterin Magdalena Rafolt als Vorsitzende des Schöffensenats in ihrer Urteilsbegründung. Allerdings habe die Angeklagte dem geschädigten Familienunternehmen noch nichts zurückbezahlt, nicht einmal symbolisch 100 Euro im Monat. Sollten Rückzahlungen geleistet werden, würde eine nachträgliche Strafmilderung in Betracht kommen, merkte die Richterin an.

Weniger geschätzt

Die Angeklagte merkte an, sie habe vor der Polizei den von ihr angerichteten Schaden auf maximal 250.000 Euro geschätzt.

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