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„Natürlich verkaufen wir jetzt mehr“

24.11.2022 • 22:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hanni Hämmerle in ihrem Geschäft voller gebrauchter Sportartikel und -zubehör. <span class="copyright">Hartinger </span>
Hanni Hämmerle in ihrem Geschäft voller gebrauchter Sportartikel und -zubehör. Hartinger

Ob Kleidung, Sportzubehör oder Kinderspielzeug: Second-Hand-Geschäfte verspüren höhere Nachfrage.

Im Oktober lag die Inflation bei elf Prozent, die täglichen Einkäufe werden immer teurer, die Energiepreise sind in schwindelerregenden Höhen angekommen. Kein Wunder, dass viele Menschen sparen. Das bemerken auch Secondhand-Geschäfte im Land.

In den Carla-Einkaufsparks gibt es auch Elektrogeräte.<span class="copyright"> carla</span>
In den Carla-Einkaufsparks gibt es auch Elektrogeräte. carla

Die Caritas etwa hat in ihren Carla-Geschäften 20 Prozent mehr Kunden als sonst. Zu kaufen gibt es dort Kleidung, Hausrat, Elektrogeräte und Möbel. Die Sozialeinrichtung betreibt zwei große Carla-Einkaufsparks mit Vollsortiment in Altach und Bludenz, drei Carla-Bekleidungsgeschäfte in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch und seit Neuestem eine Online-Plattform unter www.widado.com.
Die Geschäfte müssen 60 Prozent selbst erwirtschaften, berichtet Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin für die Carla-Shops. „Deshalb sind wir auf zahlende Kundschaft angewiesen. Für bedürftige Menschen aber haben wir wegen der Teuerung neue Aktionen, damit sie gratis oder günstiger einkaufen können.“ Diese gelten zusätzlich zum Standard, dass Personen mit einer Gis-Befreiung oder der FairCard 30 Prozent Rabatt auf alle Einkäufe erhalten (mehr Infos siehe Factbox).

Carla-Aktionen

Um bedürftige Menschen zu unterstützen, gibt es in den Carla-Geschäften neben dem Rabatt von 30 Prozent zwei neue Aktionen. Wer eine Gis-Befreiung oder die FairCard vorweist, kann sich bei Kinderbekleidung bis zum Wert von 50 Euro kostenlos eindecken. Zudem gibt es die Möglichkeit, bei der Gemeinde einen 50-Euro-Gutschein für die Carla-Shops zu holen.

Karoline Mätzler, zuständige Fachsbereichsleiterin für die Carla-Geschäfte. <span class="copyright">Caritas</span>
Karoline Mätzler, zuständige Fachsbereichsleiterin für die Carla-Geschäfte. Caritas

Trotz gesteigerter Nachfrage bekommen die Carla-Shops genügend Ware, ein bisschen mehr könnte es lediglich bei Männerkleidung sein.

Trotzdem skifahren

„Natürlich verkaufen wir jetzt mehr“, sagt Hanni Hämmerle von Hanni’s Secondhand-Shop in Dornbirn zur jetzigen Situation. „Vor allem merken wir es bei den Sportartikeln.“
In ihrem Geschäft gibt es neben Erwachsenen- und Kinderbekleidung vor allem Sportzubehör zu kaufen. In ihrem Sortiment finden sich je nach Saison alles rund um Ski, Skischuhe, Tourenausrüstungen, Schneeschuhe, Tenniszubehör, Wanderausrüstung oder Reitartikel. „Die Menschen möchten Ski fahren, auch wenn alles teurer wird. Deshalb schauen sie, dass sie gebrauchte Ausrüstung kaufen können. Nicht nur, aber vor allem für Kinder“, erklärt die Geschäftsinhaberin. Neben Skiausrüstung und -bekleidung sind zurzeit auch Langlauf- oder Schneeschuhe beziehungsweise die Ausrüstung dafür sehr gefragt.

Kim Tiefenthaler verkauft im „Pipilottas“ Gebrauchtes für Kinder und Erwachsene.<br><span class="copyright">Pipilottas</span>
Kim Tiefenthaler verkauft im „Pipilottas“ Gebrauchtes für Kinder und Erwachsene.
Pipilottas

Kim Tiefenthaler hat ihr Geschäft „Pipilotta’s Lieblingsstücke Second Hand & mehr“ in Hohenems erst im Juni eröffnet. Bei ihr gibt es gebrauchte Damen- und Kinderbekleidung bis Größe 140 und gebrauchtes Spielzeug zu kaufen sowie selbst gemachte Taschen oder Dekoartikel. Dadurch, dass ihr Geschäft noch so neu ist, hat sie keine Erfahrungswerte zu vergangenen Jahren, dennoch sagt sie, sie bemerke das gestiegene Interesse an Secondhand. Weil: „Es kommen viele Menschen ins Geschäft, von denen man normalerweise nicht denken würde, dass sie Secondhand kaufen.“

Claus Leitner vom „Würmle“. Hier gibt es alles für Kinder zu kaufen.<br><span class="copyright">würmle</span>
Claus Leitner vom „Würmle“. Hier gibt es alles für Kinder zu kaufen.
würmle

Noch relativ neu im Geschäft ist auch Claus Leitner. Vor 1,5 Jahren hat er das „Würmle Secondhand & Neues für Kids“ in Hard übernommen. Im Vergleich zu den anderen Befragten bemerkt er keine gestiegene Nachfrage bei seiner gebrauchten Kinderbekleidung, den Kinderwagen, dem Spielzeug, den Büchern oder CDs. „Im vergangenen halben Jahr hat sich kaum etwas verändert“, sagt er.

Genug Ware

Was er aber mit den anderen Secondhand-Betreibern gemein hat: Ware kommt genug herein. Noch können oder wollen Menschen also Dinge abgeben. Beim „Würmle“ werden Waren, die nach drei Monaten nicht verkauft worden sind, übrigens an die Kinderhilfsorganisation „Stunde des Herzens“ gespendet.

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