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Wohnen soll wieder leistbarer werden

24.11.2022 • 22:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
ÖVP-Landesgeschäfstführer Dietmar Wetz, Wohnbausprecher Harald Wittwer, Landesparteiobmann Markus Wallner und Landesrazt Marco Tittler. <span class="copyright">ÖVP</span>
ÖVP-Landesgeschäfstführer Dietmar Wetz, Wohnbausprecher Harald Wittwer, Landesparteiobmann Markus Wallner und Landesrazt Marco Tittler. ÖVP

ÖVP Vorarlberg stellte Paket vor: Neue Wohnbauförderung soll vor allem junge Familien bei der Anschaffung von Eigentum unterstützen.


Der Traum vom Eigenheim ist nach wie vor tief in den Köpfen der Vorarlberger verankert. Angesichts davongaloppierender Immobilienpreise und steigender Kreditzinsen bleibt es allerdings immer öfter beim Traum. Die ÖVP Vorarlberg will nun gegensteuern und hat gestern einen wohnpolitischen Aktionsplan vorgelegt, der bereits in wesentlichen Zügen mit dem Regierungspartner besprochen wurde. Im Fokus steht die Unterstützung von jungen Menschen und Familien, die sich erstmals eine Wohnung oder ein Haus anschaffen möchten. Ansetzen will man in erster Linie bei der Wohnbauförderung, aber auch raumplanerischen Eingriffe, sowie die Einführung eines Bodenfonds und einer Zweitwohnungsabgabe sind geplant. Kenner der Materie finden in dem Papier einige gute Punkte, allerdings komme es darauf an, wie das Ganze umgesetzt werde. Landesparteiobmann Markus Wallner sprach vom einem „ambitionierten Paket“.

Wohnbauförderung

Erste Impulse erwartet sich Wallner von der Reform der Wohnbauförderung, die Anfang 2023 in Kraft treten soll. Die Richtlinien werden künftig deutlich vereinfacht und transparenter. „Unser Ziel ist es, künftig den Förderantrag auf einem DIN-A4-Blatt abzubilden, auf dem übersichtlich alle Leistungen des Darlehens aufgelistet sind, und das zu äußerst attraktiven Zinsen“, berichtet Wohnbaulandesrat Marco Tittler. Angeboten werden sollen Darlehen mit einem Einstiegszinssatz in Höhe von 0,25 Prozent, aber auch Kredite über 35 Jahre zu einem Fixzinssatz von 1,25 Prozent.

Mit einem zinslosen Eigenmittelersatzdarlehen soll es jungen Familien zudem erleichtert werden, die von der Finanzmarktaufsicht (FMA) vorgeschriebene Eigenmittel-Quote für einen Banken-Kredit zu erreichen. Die Regeln für die Vergabe von Wohnbaukrediten wurden, wie berichtet, mit 1. August 2022 deutlich verschärft. Käufer müssen seitdem 20 Prozent des Kaufpreises in Form von Eigenkapital nachweisen, die monatliche Kreditrate darf höchstens 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettohaushaltseinkommens ausmachen und die Laufzeit der Finanzierung maximal 35 Jahre betragen.

Explodierende Grundstückspreise, stark steigende Baukosten und neue Hürden bei der Wohnbaufinanzierung lassen Eigenheim-Träume platzen.<span class="copyright"> Steurer</span>
Explodierende Grundstückspreise, stark steigende Baukosten und neue Hürden bei der Wohnbaufinanzierung lassen Eigenheim-Träume platzen. Steurer

Wie Landesrat Tittler vorrechnete, könnten beim Erwerb einer Wohnung – sofern diese der Richtlinie entspricht – 60.000 Euro bezahlt werden, zusätzlich pro Kind jeweils 10.000 Euro. Handelt es sich um das erste Eigentum, kommen noch einmal 20.000 Euro dazu. Eine Familie mit zwei Kindern erhält in einem solchen Fall demnach 100.000 Euro an Wohnbauförderung. Erhöht werden auch die Einkommensgrenzen für die Wohnbauförderung. Für eine Person liegt die Marke bei 3650 Euro netto im Monat. Baukosten-Obergrenzen gebe es nach wie vor, diese würden aber erhöht.

Bodenfonds

Wie im Regierungsprogramm vorgesehen, soll in enger Kooperation mit den Gemeinden ein Bodenfond geschaffen werden, mit dem günstiger Baugrund gekauft werden kann. Darüber hinaus soll der Bodenfonds dazu beitragen, Grundstücke für strategisch wichtige Infrastrukturprojekte zu sichern. „Wir sind gemeinsam mit der Landwirtschaft und dem Gemeindeverband dabei, die Modalitäten auszuarbeiten“, erläutert Tittler. VP-Wohnbausprecher Harald Wittwer bezeichnet den geplanten Fonds als „gutes Werkzeug für eine aktive Bodenpolitik“.
Vorgemacht hat dies das Nachbarbundesland Tirol, wo es den Bodenfonds bereits seit 1994 gibt. In 25 Jahren wurden so an die 1300 Grundstücke für den Wohnbau sowie 95 Grundstücke für die gewerbliche Nutzung (insgesamt 740.000 Quadratmeter) verkauft.

Raumplanung

Als weitere Maßnahme soll eine neue Widmungskategorie „Förderbarer Wohnbau“ eingeführt werden. Das heißt, dass die darauf errichteten Wohnungen den Richtlinien der Wohnbauförderung entsprechen müssen.

Zweitwohnsitze

Wie Tittler weiter ausführte, sollen die Gemeinden dazu ermächtigt werden, die Zweitwohnsitzabgabe auszuweiten. Künftig sind demnach nicht nur klassische Ferienwohnungen in Tourismusorten wie am Arlberg oder im Montafon abgabepflichtig, sondern auch alle sonstigen – leerstehende – Wohnungen, die weder als Hauptwohnsitz noch für berufliche oder ähnliche Zwecke genutzt werden. Weiter forcieren will die VP auch das Projekt „Sicher Vermieten”, das Wohnungseigentümer gegen mögliche, durch Mieter verursachte Kosten absichert. Seit 2015 wurden über die Initiative rund 200 Objekte vermietet.

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