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Schönheiten Maruls im Blick

25.11.2022 • 20:36 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Parzelle Ahorn mit Blick auf den Hoher Frassen. <span class="copyright">Glück</span>
Parzelle Ahorn mit Blick auf den Hoher Frassen. Glück

Wanderführerin Hertha Glück macht sich auf zu ­Stafelfederalpe und Bettlerstapfa, umrunden den Guggernülli und steigen auf demselben Weg ab.

Der Wanderparkplatz Marul liegt am Dorfeingang unterhalb der St.-Katharina Kirche-und ist Startpunkt für verschiedene Wanderungen. Entlang der Straße geht es an Kirche, ehemaligem Schulhaus, Nahversorger und Gasthaus vorbei in Richtung Stafelfeder-Alpe.

Wandertipp Marul GuggernüliDie Kuratienkirche Hl. Katharina im Ortsteil Marul in der Gemeinde Raggal.<span class="copyright">Glück</span>
Wandertipp Marul GuggernüliDie Kuratienkirche Hl. Katharina im Ortsteil Marul in der Gemeinde Raggal.Glück

Der Anstieg auf der Straße bietet schöne Ausblicke über die Kirche hinweg durchs Walsertal zu den Gipfeln des Walserkamms und auf die steilen, hügeligen Hänge der Maruler Magerwiesen. In der ersten Straßenkehre zweigt der weiß-rot-weiße Wanderweg über die Wiese nach oben ab. Auf dem Geländerücken führt der Weg an einigen Birken vorbei zur Straße. Rechts hinauf ist die Abzweigung rasch erreicht: wo ein Wiesenweg den Hang querend bei einer Bank in den Forstweg mündet. Kurz danach ist neben einer kleinen Heubarge die seit 1985 als Naturdenkmal geschützte Kugelbuche zu sehen. Diese Rotbuche besteht aus vielen Einzelstämmen, welche früh zusammengewachsen sind und so gemeinsam einen Baum bilden. Der Stammumfang beträgt stolze 4,7 Meter. Das ausgedehnte Wurzelwerk des Baums stabilisiert den Hang.

Rund um die Tour

Der Name Marul stammt aus dem Rätoromanischen und bedeutet Bergsturz. Ab dem 13. Jahrhundert erfolgte die Besiedelung durch die Walser. Neben der Schafzucht wurden früher auch Flachs und Getreide auf den steilen Hängen angebaut. Heute wird überwiegend Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben. Marul ist ein Ortsteil der Gemeinde Raggal.

Die St.-Katharina-Kirche geht auf eine 1678 errichtete Kapelle zurück, welche 1756 durch eine kleine Kirche in der heutigen Form ersetzt wurde. Durch die Nähe zur ehemaligen Lasanggamühle im Lasanggatobel wurde die Kirche der heiligen Katharina, Patronin der Müller, geweiht.

Im Bezirk Bludenz gibt es 18 Naturdenkmäler, wovon 15 Bäume sind. Eines davon war die circa 330 Jahre alte Bergulme von Marul, die neben der Kirche stand. Der mit 32 Metern Höhe und einem Stammumfang von circa 4,6 Metern sehr imposante Baum wurde jedoch vor Kurzem gefällt. Nach Auskunft der Bezirkshauptmannschaft Bludenz sind Nachforschungen dazu im Gange.

In der Biosennerei von Marul wird von September bis Juni Milch verarbeitet. Das erste Sennereigebäude wurde 1907 und das heutige 1950 errichtet. Damals wurde pro Tag nur ein Käselaib hergestellt, der jedoch bis zu 100 Kilo wog. Ab den 1970er-Jahren wurden kleinere Laibe produziert. 1995 entschieden sich die Bauern Maruls, auf biologische Landwirtschaft umzustellen, und die Sennerei nahm am 1. Jänner 1996 den Betrieb als Bio-Betrieb auf. Dadurch wurde Marul als „Biodorf“ bekannt. Heute wird hier die Milch zum Bergkäse „Walserstolz“ und Butter verarbeitet.

Quellen: marulbiosennerei.com, vorarlberg.at, naturvielfalt.at, Welcher Baum ist das? Kosmos Verlag, BEV Karten: 1224-Ost Bezau, respektiere-deine-grenzen.at

Weg durch Magerwiesen, Blick  nach Raggal, im Hintergrund der Walserkamm. <span class="copyright">Glück</span>
Weg durch Magerwiesen, Blick nach Raggal, im Hintergrund der Walserkamm. Glück

Steil nach oben

Auf dem Forstweg gelangt man zur nächsten Abzweigung, ab der es auf einem schmalen Weg über die Wiese, durch den Wald und nach Querung einer neuen Forststraße über die Wiesen der Stafelfederalpe steil nach oben geht. In dieser ruhigen Jahreszeit ist es möglich, dass man Wildtiere wie etwa Gämsen beobachten kann. Auf dem markierten Weg zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen trägt dazu bei, die Wildtiere möglichst wenig zu verängstigen.

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet. <span class="copyright">Glück</span>
Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet. Glück

Schöner Ausblick

Bei der Alphütte angelangt, hat man einen schönen Ausblick zum Breithorn, dem Tiefenseesattel, auf die Nordseite des Hohen Fraßens und durchs Walsertal bis zum Alpstein (CH). Nun rückt die Kellaspitze in den Fokus. Vorerst auf dem Wegweiser, ist sie ab der nächsten Geländekante oberhalb des Geländeabbruchs hoch aus dem Wald aufragend zu sehen. Eine kleine Jägerhütte trägt hier zur malerischen Kulisse bei, welche mit zunehmender Höhe von weiteren ins Blickfeld rückenden Gipfeln ergänzt wird. Ganz links zeigen sich Schafberg, Pitschiköpfe und Novaspitze. Zwischen Gamsfreiheit und Breithorn sind die Drei Türme und hinterm Tiefenseesattel Schesaplana und Panüeler zu sehen. Auf dem Bergrücken beim Bettlerstapfa auf 1685 Metern Höhe, ist der höchste Punkt der Tour erreicht. Sicher findet sich hier ein guter Platz mit schöner Aussicht für eine gemütliche Rast.

Naturdenkmal Kugelbuche in Marul.
Naturdenkmal Kugelbuche in Marul.

Pflanzenkunde

Buchen werden bis zu 40 Meter hoch, 300 Jahre alt, und der Stammumfang kann zwei Meter betragen. Die ältesten auf 1474 und 1493 datierten Exemplare stehen im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich.

Die Bucheckern wurden früher gesammelt und zu Öl oder Mehl verarbeitet, auch galten sie früher als gutes Schweinefutter, weshalb die Schweine im Herbst zum Mästen in den Wald getrieben wurden.

In Europa ist die Buche ein wichtiger Holzlieferant für Spielzeug, Möbel und Parkettböden und ist zudem ein sehr gutes Brennholz.

Hügelkuppe

Nun kann die eigentliche Umrundung des Guggernülli, einer weder mit einem Weg erschlossenen noch einem Hinweis versehenen bewaldeten Hügelkuppe beginnen. Richtung Sterisalpe steigt man über den Wiesenweg zur Forststraße ab. Auf dem nordseitig gelegenen Weg zeigen sich nun unter anderem der Walserkamm, Türtsch- und Glatthorn über Fontanella sowie Zafernhorn und Hochschere auf der gegenüberliegenden Talseite. Die letzten Meter zur Straße sind von kleinen Quellen gesäumt, welche sich unter der Straße zum Weidenbach formieren, der bei Garsella in die Lutz mündet. Die Straße zur Stafelfederalpe führt durch den Schutzwald oberhalb von Garsella und Plazera, der anfangs bergseitig mit Grünerlen und talseitig mit Tannen und Fichten bewachsen ist. Kurz vor der Alpe endet der Wald und gibt den Blick über die steilen Wiesen Maruls frei. Talauswärts sind Raggal, Thüringerberg, Frastanz, der Schellenberg und der Alpstein zu sehen. Gegenüber sticht die breite Rüfe am Ausläufer der Gamsfreiheit markant hervor.


Der Rückweg ab der Alphütte ist bekannt. Auf der Straße ist der Rückweg allerdings flacher und länger, weshalb dafür mit 20 Minuten zusätzlicher Gehzeit gerechnet werden sollte. Zudem passiert man die Biosennerei Marul.

Routenbeschreibung

Besonderes: Eine Wanderung durch die vielfältige Natur der steilen Bergwiesen Maruls im Biosphärenpark Großes Walsertal

Anforderung und Gehzeit: 9,4 Kilometer, 737 Höhenmeter im Auf und Ab, rund 4,5 Stunden Gehzeit

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Forst-, Wiesen-, Waldwege, Straße

Kultur und Natur: Naturdenkmal Kugelbuche, Pfarrkirche St. Katharina

Anziehen und Mitnehmen: Schuhe je nach Witterung, Getränk, Jause, eventuell Wanderstöcke

Einkehrmöglichkeiten: Gasthof Walserklause Marul

Start und Ende: Wanderparkplatz Marul

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