Lokal

Stadtnahe Naturoase am Egelsee

16.12.2022 • 23:07 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Der Egelsee mit Blick zum Tisnerwald. <span class="copyright">Vylet</span>
Der Egelsee mit Blick zum Tisnerwald. Vylet

Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern ab St. Michaelskirche in Feldkirch-Tisis zum Egelsee, über Birkenhain und alten Dorfkern zurück.

Tisis in Feldkirch ist ein Grenzort zum Fürstentum Liechtenstein und entwickelte sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts aus einer bäuerlichen Siedlung. Die alte Tisner Kirche St. Michael gehört zu den ältesten Sakralbauten in der Region. Eine ausführliche Besichtigung und der wunderbare Rundblick über die einstige landwirtschaftlich genutzte Moorlandschaft „Tisner Ried“ stimmt auf die Rundwanderung gut ein. Nun lässt man das uralte Gotteshaus rechter Hand und spaziert den Hügel hinunter in Richtung „Tisner Ried“.

Gerhard Vylet und Hertha Glück.
Gerhard Vylet und Hertha Glück.

Die nächste Straße links ab führt in Richtung Mauren (Liechtenstein)/Zollamt Tisis. Eigentlich ist jede Abzweigung richtig. So kann man einen längeren oder kürzeren Weg wählen, jedoch stets mit dem guten Gefühl, den Ausgangspunkt wieder zu finden, da es so flach ist und man ihn sehen kann. Nun tritt rechter Hand der Ausläufer des Schellenberges in den Fokus, und im direkten Blick tauchen schon die Uferröhrichte des Egelsees auf, eine der Naturoasen auf dieser Route.

Wichtiges Biotop

Bemerkenswert ist auch der Weidenhain linker Hand gegenüber dem Egelseeufer. Rund um den Egelsee entwickeln sich naturnahe Gewässerrandstrukturen aus Röhrichten, Hochstaudenfluren und Feuchtwiesen. Diese Bereiche sind höchst sensible Lebensräume und wertvolle Ruhezonen für Wasservögel und Bodenbrüter. Der Egelsee stellt eines der wichtigsten Biotope der Region dar. Bis heute wurden hier über 50 verschiedene Vogelarten beobachtet. Der Lebensraum hat auch große Bedeutung für ras­tende und Nahrung suchende Wasser- und Watvögel.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Ein selten schönes, stadt- und doch naturnahes Erholungsgebiet für Wanderer, Radfahrer, Reiter, Hundehalter und Ornithologen. Eingerahmt von Geschichte und Kultur. Der Weg ist auch für Kinderwagen geeignet.

Anforderung und Gehzeit: Es ist eine einstündige Rundtour mit geringen Höhenmetern, die jederzeit erweitert werden kann.

Charakter der Wege: Forstwege und Straße

Kultur und Natur: St. Michaelkirche samt Friedhof, Lebensraum Egelsee, Alte Mühle und Sommerlinde im alten Ortskern

Anziehen und Mitnehmen: Wanderkleidung und Schuhe je nach Witterung, eventuell Fernglas für Vogelbeobachtungen

Einkehrmöglichkeiten: in Tisis, Geflügelhof bei St. Michaelkirche

Start und Ende: Feldkirch-Tisis St. Michaelkirche, nahe ÖBB Haltestelle Tisis und Bushaltestelle Grißstraße

Bänke bieten besonders reizvolle Rast- und Beobachtungsmöglichkeiten. Der Weg führt weiter über die Brücke und zugleich über die Staatsgrenze zwischen der Republik Öster­reich und dem Fürstentum Liechtenstein, die auch durch den See führt. Der See weist eine maximale Tiefe von zwei Metern auf. Ursprünglich war er ein Gletscherrandsee, der gegen 1830 von Alois Negrelli, damals als Wasserbauingenieur in Vorarlberg tätig, trockengelegt wurde. Danach war er ein Sumpfgebiet.

Die Alte Mühle aus dem Jahr 1434 in der Grißstraße. <span class="copyright">Vylet</span>
Die Alte Mühle aus dem Jahr 1434 in der Grißstraße. Vylet

Zeithistorische Bedeutung

Der Grenzübergang in Tisis spielte im März 1938 eine wichtige Rolle als eine der letzten Fluchtmöglichkeiten nach Liechtenstein und in die Schweiz. Hilde Meisel, eine Widerstandskämpferin, wurde hier 1945 erschossen.
Im Nachbarstaat ohne Grenzkontrolle wandelnd, kann man sich gleich bei der nächsten oder übernächsten Abzweigung links wieder zum Ausgangspunkt hin bewegen. Eine leichte S-Schleife bringt den Spaziergänger zu einer nach links Abzweigung entlang dem Zaun zum Birkenhain oder immer noch geradeaus weiter durch das Gelände. Wie bereits erwähnt, jede Richtung ist richtig, kürzer oder länger.

Die St. Michaelskirche. <span class="copyright">Vylet </span>
Die St. Michaelskirche. Vylet

Selten schöne Moorbirken glitzern im winterlichen Kleid, und anscheinend soll hier ein Biber hausen. Der Mühlbachweg mit der schönen Baumallee lässt rasch vorankommen, passiert den Bienenlehrpfad, den Funkenplatz, und ganz in der Nähe der St.-Michaels-Kirche lohnt es sich, auf der Straße zu bleiben. Wenn man die Unterführung nimmt, kommt man in den ursprünglichen Dorfkern von Tisis. Bei der Bushaltestelle Grißstraße/Dorfstraße locken die Alte Mühle (Infos sind der Tafel zu entnehmen), ein Denkmal historischen Bauens, und das Naturdenkmal Sommerlinde. Es sind die letzten sichtbaren Zeugen einer bereits zur Geschichte gewordenen Vergangenheit. Heute ist vom Mühlbach allerdings nichts mehr zu sehen, da er verrohrt ist.

Inselberg mit Kirche

Wieder zurück durch die Unterführung erreicht man rechter Hand den Inselberg mit der St.-Michaels-Kirche und somit den Ausgangspunkt der Rundwanderung.

Rund um die Tour

Der Lebensraum Egelsee entstand durch ein grenzüberschreitendes Hochwasserschutzprojekt der Stadt Feldkirch und dem Fürstentum Liechtenstein. Die Revitalisierung des im 19. Jahrhundert trockengelegten Egelsees schützt nun die Liechtensteiner Gemeinden Eschen und Mauren vor Flutungen und Schäden nach Starkregenereignissen.
Darüber hinaus bietet der Egelsee neuen Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Hier sind Vogelarten zu finden wie Eisvogel, Bekassine, Graureiher, Blässhuhn, Teichhuhn, Zwergtaucher, Stockente, Krickente, Nilgans und Höckerschwan. Wichtig ist: Hunde gehören an die kurze Leine und die Vögel dürfen nicht gefüttert werden. Das belastet nicht nur die Tiere, sondern auch das Gewässer.

Die Ehemalige Tiesner Moorlandschaft mit dem Inselberg der St. Michaelkirche. <span class="copyright">Vylet </span>
Die Ehemalige Tiesner Moorlandschaft mit dem Inselberg der St. Michaelkirche. Vylet

Sage vom Heidenglöcklein

In uralter Zeit war das braune Ried, über das die Wildente flattert, ein weiter See, und der Fels ragte steil hinein. Am äußersten Vorsprung stand ein kleiner Götzentempel. Dahin fuhren die wilden Heidenleute in Kähnen rings vom Gestade. Sie brachten Opfer in großem, kupfernem Kessel dar und feierten abergläubische Feste, obwohl die Heilsbotschaft bereits verkündigt worden war. Einst aber am Christtage, als sie nächtlicherweile wieder ein Gelage hielten, stürzte der Fels jäh ab, und das Wasser verschlang den Götzentempel und die Heidenleute ohne Spur. Als frühmorgens Christen hinkamen, fanden sie nur den großen Kupferkessel am Schrofen hängen. Da bauten sie die Kirche, die noch jetzt mit grauem Gemäuer weithin über das Tal hinausschaut, und aus dem Opferkessel gossen sie ihre erste Glocke, dass sie ihnen zum Gottesdienst läute. Im Laufe der Jahrhunderte schwand der See mehr und mehr, und Streue bedeckt nun die öde Strecke.

Pflanzenkunde

Das Naturdenkmal Sommerlinde in der Grißstraße ist eine sehr alte Linde, die sich zwar noch alljährlich voll und großblättrig belaubt, aber weitgehend hohl und in ihrem knorrigen Stamm voller Moder ist. Dass die um sie herumführende schmale Grißstraße asphaltiert ist, tut dem alten Baum sicherlich auch nicht gut. Die Linde ist eine zur Bepflanzung in alten Ortskernen mit Vorliebe verwendete Baumart. Sie deutet darauf hin, welche besondere Bedeutung die Örtlichkeit in vergangenen Jahrhunderten hatte.

Die alte Sommerlinde, ein Naturdenkmal, in Tisis.<span class="copyright"> Vylet </span>
Die alte Sommerlinde, ein Naturdenkmal, in Tisis. Vylet

Hertha Glück

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.