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Sie folgten dem Stern

18.12.2022 • 03:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Um zu ergründen, welchen Stern die drei Könige gesehen haben, muss erst Zeitrechnung betrieben werden.<span class="copyright">shutterstock</span>
Um zu ergründen, welchen Stern die drei Könige gesehen haben, muss erst Zeitrechnung betrieben werden.shutterstock

Ein Stern soll heiligen drei Königen den Weg gewiesen haben. Ein frommes Märchen oder gab es zu Christi Geburt tatsächlich einen auffälligen Stern?

Im Matthäus Evangelium, Kapitel 2, Vers 1-2 steht: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter (Magier, Weise) aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Jedes Jahr feiert die Christenheit zu Weihnachten die Geburt Jesu. Man könnte die Zeilen im Evangelium symbolisch verstehen, so ähnlich wie man sagt, dass „der Stern eines Sportlers bei der Olympiade aufgegangen ist“.

Wortwörtlich oder nicht

Man darf die Erzählungen der Evangelien nicht als historische Berichte fehlinterpretieren, hört man oft. Tatsächlich gibt es Bibelstellen, die wörtlich wenig Sinn ergeben. Anderseits werden in der Bibel handelnde Personen wie Augustus, Herodes und Jesus als historische Figuren anerkannt. So ist es nur konsequent, dass Astronomen überlegen, welchen konkreten Stern am Himmel die Weisen aus dem Morgenland gesehen haben könnten. Versetzen wir uns gedanklich in diese Zeit zurück.

Babylonische Astronomen

Circa 1000 Kilometer östlich von Bethlehem liegt Babylon, wo die Astronomie schon im sechsten vorchristlichen Jahrhundert ihre Hochblüte erlebte. Die Zeitbestimmung und die Erstellung eines genauen Kalenders waren die praktischen Aufgaben der antiken Astronomen. Die Babylonier bestimmten das Jahr zu 365,2486 mittleren Sonnentagen und damit genauer als das von Cäsar eingeführte Julianische Jahr. Sie teilten den Vollkreis in 360 Grad und den Tierkreis in zwölf gleich große Abschnitte ein. Die Genauigkeit, mit der sie Mond- und Sonnenfinsternisse vorhersagen konnten, ist erstaunlich.

Im Jahre sieben vor Christi

Sie werden den Kopf schütteln, wenn behauptet wird, dass Jesus Christus im Jahre 7 vor Christi Geburt auf die Welt kam. Im römischen Reich begann die Zeitrechnung ab der Gründung Roms (753 v. Chr.). Später zählte man die Jahre nach Kaiser Diokletian. Erst 525 n. Chr. begann die Zeitrechnung mit der Geburt Christi. Bei diesen mehrfachen Umrechnungen sind Fehler passiert, sodass Jesus um 7 v. Chr. geboren wurde. Schauen wir, was sich in diesem Jahr am Himmel besonderes ereignete.
Künstler haben den Stern oft als Kometen dargestellt. Aber um 7. v. Chr. ist kein Komet gesichtet worden – darüber hätte man Aufzeichnungen geführt. Außerdem wurden Kometen mit Unglück und Tod in Verbindung gebracht. Das passt nicht zur Ankündigung des Erlösers. Auch eine Supernova-Explosion wäre aufgefallen. So ein Objekt wäre über längere Zeit sogar am Taghimmel zu sehen gewesen.

Jupiter und Saturn

Am 21. Dezember 2020 sind die beiden Gasplaneten Jupiter und Saturn zu einem Punkt verschmolzen. Die Annäherung konnte man schon Wochen davor beobachten. Dieselbe Planetenkonjunktion hat Johannes Kepler im Dezember 1603 gesehen. Er nahm an, dass der Stern von Bethlehem dasselbe Phänomen war. Im Jahre 7 v. Chr. haben sich die beiden Planeten drei Mal hintereinander angenähert. Der österreichische Astronom Ferrari d´Occhieppo (1907 bis 2007) hat die babylonischen Aufzeichnungen interpretiert und Keplers Vermutung bekräftigt.

Wenn, dann war es das

Mit Sicherheit belegen können wir die Natur des Sterns von Bethlehem nicht mehr. Wenn aber ein Himmelsobjekt die Magier nach Bethlehem führte, war es höchst wahrscheinlich die Dreifach-Konjunktion von Jupiter und Saturn.

Robert Seeerger

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