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Fussenegger Textil kämpft sich in Gewinnzone zurück

09.01.2023 • 21:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Helmut Schrenk in der Fussenegger-Produktion für Afrika Damaste. <span class="copyright">wpa</span>
Helmut Schrenk in der Fussenegger-Produktion für Afrika Damaste. wpa

Im Geschäftsjahr 2021/22 erzielte Fussenegger Textil Veredelung im operativen Geschäft ein positives Ergebnis, hauptverantwortlich ­dafür sind Afrika-Damaste.

Beim Textilunternehmen Fussenegger Textil Veredelung GmbH in Dornbirn kommt einem aktuell das alte Sprichwort „Totgesagte leben länger“ in den Sinn. Denn nach mehr als zehn Jahren mit teils deutlich ausgeprägten Verlusten hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2021/22 (31. März) ein Betriebsergebnis von plus 1,1 Millionen Euro erzielt. Das Ergebnis vor Steuern drehte von vormals minus 335.000 Euro auf plus 877.600 Euro und damit erstmals seit langer Zeit wieder in die schwarzen Zahlen. Gleichzeitig stieg der Umsatz von 12,9 Millionen Euro auf 18,6 Millionen Euro, ein Plus von rund 45 Prozent. Das geht aus dem Jahresabschluss 2021/22 hervor, den Geschäftsführer Helmut Schrenk im Gespräch mit der Wirtschaftspresseagentur.com erörterte.

Afrika-Damaste laufen gut

Treibende Kraft hinter dem Wachstum sei das Geschäft mit Afrika-Damasten. „Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen mittlerweile auf diesen Bereich mit unserer eigenen Marke ‚Fussenegger Imperial Diamond‘“, so Schrenk. Diese Sparte konnte im Vorjahr um 58 Prozent zulegen. In den Jahren 2018 und 2019, als Schrenk erst für kurze Zeit die Geschäftsführung innehatte, lagen die Umsätze mit Afrika-Damasten nur bei ein paar 100.000 Euro. Das Wachstum sei zum allergrößten Teil organisch, da Preiserhöhungen im zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahr noch keine wesentliche Rolle spielten. Für das laufende Geschäftsjahr 2022/23 erwartet Schrenk ein neuerliches Umsatzplus auf etwa 20,5 Millionen Euro. Auch hierbei würden Afrika-Damaste die entscheidende Rolle spielen.

Energiekosten verdoppelt

Eigentlich hätte gemäß Planungen heuer ein Ergebnis vor Steuern von deutlich über einer Million Euro in den Büchern stehen können. „Aber die Explosion der Energiekosten macht uns einen Strich durch die Rechnung. Sie werden von vormals 2,1 Millionen Euro auf jetzt 4,6 Millionen Euro steigen“, so Schrenk. Deshalb werde sich für 2022/23 maximal eine schwarze Null ausgehen.

„Als Textilunternehmen können wir nicht einfach so zur Gänze auf Strom ausweichen.“

Helmut Schrenk, Geschäftsführer

Mit der Energiepolitik der österreichischen Regierung geht Schrenk hart ins Gericht. Gegen die internationalen Preisentwicklungen aufgrund des Ukraine-Krieges und der Folgen der Pandemiebekämpfung könne man als kleines Land naturgemäß nur wenig ausrichten. „Aber es ist völlig unverständlich, genau in dieser Situation auch noch eine ständig steigende CO2-Steuer für alle einzuführen. Als Textilunternehmen können wir nicht einfach so zur Gänze auf Strom ausweichen. Das ist völlig illusorisch. Bestimmte Maschinen gibt es gar nicht auf Strom-Basis, die benötigen immer Gas.“ Werde diese „grüne“ Energiepolitik über Jahre weiterverfolgt, dann gefährde man den Bestand von Unternehmen wie Fussenegger Textil Veredelung in Vorarlberg. „Bevor hier unzählige Millionen Euro in die großflächige Umrüstung auf Strom investiert werden, wird man den Betrieb eher einstellen.“

Rohstoffe aus Deutschland

Fussenegger bezieht die Rohware für die Afrika-Damaste von einer Weberei in Deutschland. In Dornbirn erfolgt anschließend die Veredelung und Ausrüstung samt der Auslieferung in Paketen mit jeweils 30 Laufmetern. Neben dem Stammsitz befinden sich in Dornbirn auch die Abteilungen für Entwicklung und Design sowie für den internationalen Vertrieb. Die bedeutendsten Abnehmerländer sind Mali, Senegal und Elfenbeinküste, der Verkauf erfolgt vor allem an den Fachgroßhandel. Ein wichtiger Umschlagplatz ist zudem die französische Hauptstadt Paris.
Aktuell beschäftigt das Unternehmen in Dornbirn 102 Mitarbeitende. Ab Mai 2023 wird die Produktionsfläche für Afrika-Damaste um etwa 20 Prozent vergrößert. Bei den 2500 Quadratmeter frei werdenden Flächen handelt es sich um jene Bereiche, die derzeit noch von Meisterbäcker Ölz angemietet sind. Rund 500.000 Euro sollen in die Adaptierung der neuen Flächen für Produktion und Lager investiert werden, sagt Schr­enk.

Klares Bekenntnis

Die Erweiterung samt den Investitionen bezeichnet Schrenk als klares Bekenntnis der Eigentümer (Fussenegger Holding) zum Standort in Dornbirn. Dazu gehöre auch die Entscheidung der Fussenegger Holding, das Tochterunternehmen trotz der früheren Verluste jahrelang weiterzuführen. Denn immerhin sei die Textilveredelung respektive die Lohnveredelung eine für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg systemrelevante Branche.

Günther Bitschnau/wpa