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Sensationelle Werke bei Erhard Witzel

24.01.2023 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung im QuadrArt Dornbirn bei Erhard Witzel. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Die Ausstellung im QuadrArt Dornbirn bei Erhard Witzel. Wolfgang Ölz

Der Galerist Erhard Witzel hat im QuadrArt Dornbirn Werke von großen abstrakten Künstlern zusammengestellt.

Wenn der pensionierte Galerist Erhard Witzel Werke aus seiner 3800-teiligen Sammlung auswählt, dann kann das Ergebnis sich wirklich sehen lassen. Die aktuelle Ausstellung „Lust auf Mehr“ – „Streifen-Un(d)-Ordnung“ versammelt nicht nur Werte im sechsstelligen Eurobereich, sondern überzeugt auch im künstlerischen Output der ausgestellten Arbeiten.

Serie “Auf Einladung”

Die Serie „Auf Einladung“ im Kunstraum QuadrArt im Dornbirner Oberdorf hatte zum Gegenstand, dass Künstler ihre Freunde einluden und dann sozusagen eine freundschaftliche Kollaboration ausstellten.

Die Qualität hing dabei sehr am Künstlerkurator und die war nicht immer auf höchstem Niveau. Auch das Konzept, rund um ein Werk aus der Sammlung einen Kurator eine Ausstellung bauen zu lassen, ließ zwar oft ein sehr gutes Ergebnis entstehen, allerdings konnte die umfangreich bestückte Sammlung von Erhard Witzel so nie so richtig zur Geltung kommen.

Ausstellung mit Werken von Franz Türtscher. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Ausstellung mit Werken von Franz Türtscher. Wolfgang Ölz

Exquisite Sammlung

Erhard Witzel hat in seiner aktiven Zeit als Galerist in Wiesbaden zahlreiche Künstler vertreten und auch viele Artisten gesammelt. So ist nicht der Restbestand eines Galeristenleben übriggeblieben, sondern eine exquisite Sammlung, die jeden Besuch lohnt.

Es ist schon erstaunlich, dass große abstrakte Künstlerinnen wie Agnes Martin, die in den USA ganz groß gehandelt wurde, oder Imi Knoebel, die in Kunstkreisen ein wichtiger Begriff ist, genauso zu sehen sind wie ein Spitzenwerk des wichtigen Vorarlberger Abstrakten Bilderbauers Franz Türtscher, der unlängst mit einer hervorragenden Einzelausstellung bei Maximilian Hutz in Hard im Land zu sehen war.

Persönliche Favoriten

Auch ganz persönliche Favoriten von Erhard Witzel wie Jan Ulrich Schmidt – kurz Janus – dessen Kunstgriff Klassiker wie Alexej Jawlensky oder Caravaggio auf ihr farbliches Substrat reduziert, bereichern die aktuelle Schau. Herbert Zangs ist zu bestaunen mit fünf Arbeiten aus der „Serie von Acht“, die sich „Ginkgo“ nennt. Zangs rotzt dicke Dispersions-Farbstreifen auf billiges Papier und kombiniert sie mit dem Ginkgo-Blatt. Der Eindruck eines erigierenden männlichen Geschlechtsorganes, wie das schon bei Altmeister Markus Prachensky im Raum stand, verbindet sich zu einem klassischen Bildspiel, das überzeugt.

Ausstellung mit Werken von Jan Ulrich Schmidt. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Ausstellung mit Werken von Jan Ulrich Schmidt. Wolfgang Ölz

Die Kunst bald Geschichte

Wie man so hört, wird Erhard Witzel seinen Kunstraum, den er gemeinsam mit seiner Frau Uta Belinda Waeger führt, altersbedingt noch drei bis vier Jahre weiterführen. Diese private Institution mit properem Ausstellungsraum samt gut bestückter Kunstbibliothek wird also in absehbarer Zeit Geschichte sein. Es ist wohl nicht zu übersehen, dass auch die ausgestellte Kunst, die großen abstrakten, konkreten und informellen Positionen, auch die optische Kunst, bald Kunstgeschichte sein werden.

Das Interesse der nachkommenden Generation ist enden wollend, die Preise sind erschreckend verfallen. Wenn das QuadrArt in Dornbirn schließt, dann markiert das einen Epochenwechsel in der Gesellschaft, der auch in Vorarlberg angekommen ist.

„Lust auf Mehr“ – „Streifen-Un(d)-Ordnung“: Bis 4. Februar im QuadrArt Dornbirn, kuratiert von Erhard Witzel.

Wolfgang Ölz

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