Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Die Krönung einer Karriere

Der Wiener Max Hollein (48) leitet ab Sommer eines der berühmtesten Museen der Welt: das Metropolitan Museum in New York. Er ist nicht der einzige österreichische Kultur-Exportschlager. Von Julia Schafferhofer und Michael Tschida

Es ist der Inbegriff eines Universalmuseums: das Metropolitan Museum of Art an der Upper East Side in New York. Ein ehrwürdiges, 300 Meter langes Gebäude an der Fifth Avenue, dessen Terrasse imposante Perspektiven auf den Central Park freigibt.

Das „Met“, wie es zärtlich genannt wird, ist das größte Kunstmuseum der USA. Eröffnet 1872, ist es mit zwei Millionen Exponaten aus 5000 Jahren bestückt. Es ist Leuchtturm, Institution mit Weltruhm, mit sieben Millionen Besuchern pro Jahr Touristenmagnet und eines der wichtigsten enzyklopädischen Museen der Welt – und eine ziemliche Baustelle.

Nun soll ausgerechnet ein Österreicher das mit 6,5 Millionen Euro verschuldete Traditionshaus an drei Standorten wieder auf Kurs bringen: Max Hollein. Der 48-jährige Wiener, der Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft studiert hat, bewies seinen doppelten Sachverstand, seit er 2001 Chef der Schirn Kunsthalle in Frankfurt wurde. 2006 übernahm er dort zudem das Städel Museum und die Liebieghaus-Skulpturensammlung. „Als Generalissimus lief der Mann vollends zur großen Form auf“, urteilte die „Welt“. Unter ihm entwickelte sich eine museale „Frankfurter Schule“ und die Häuser mutierten zu Publikumsmagneten.

Innovativ, integer, allürenfrei und mit viel Vermittlungsgespür akquirierte der Sohn des großen, 2014 verstorbenen Architekten Hans Hollein Sponsorengelder. Die bauliche Erweiterung des Städel kostete rund 52 Millionen Euro, die Hälfte kam von Mäzenen.

Nachdem der dreifache Vater und Mann der Modedesignerin Nina Hollein im letzten Jahrzehnt für jeden Direktorenposten an heimischen Museen gehandelt worden war, zog es ihn 2016 nach San Francisco. Es war ein kurzes Intermezzo, das er etwa mit der ersten umfassenden Klimt-Schau in Zusammenhang mit Rodin an der US-Westküste anreicherte.

Der Mann, der das Museumsgeschäft mit Mitte 20 bei Tom Krens lernte, dem Erfinder des „Guggenheim-Effekts“ in New York, scheint der logische Nachfolger von Thomas P. Campbell an der Upper East Side zu sein. Seine Ernennung ist die Krönung einer steilen Karriere. Ein Jahr lang suchte der Aufsichtsrat nach einem Kandidaten: „Hollein ist ein innovativer und inspirierender Museumsleiter“, lobte der Vorsitzende Daniel Brodsky.

Der Wiener ist der erste Direktor in 60 Jahren, der von außen ans Haus mit einem Jahresbudget von 305 Millionen Dollar geholt wird – als erst zehnter in der 147-jährigen „Met“-Geschichte. Die „New York Times“ streut ihm schon Rosen: „Er ist ein hartnäckiger Geldorganisator, der Erfahrung in zeitgenössischer Kunst hat, über ein breites Kunstgeschichtewissen verfügt und Erfolge in digitalen Innovationen vorzuweisen hat.“

Hollein flog gestern nach New York, um sich seinen 2200 Mitarbeitern vorzustellen. Im Sommer tritt er den neuen Job an. „Das ist ein Angebot, das man nicht ablehnen kann“, sagt er über den Wechsel an die Ostküste. Nur seine Kinder seien „noch nicht begeistert“, schon wieder umziehen zu müssen.

Was er an Museen schätzt? „Es gibt wenige Orte, an denen Debatten heute unpolemisch und fundiert geführt werden können“, sagt Max Hollein, „und ein Museum zählt absolut dazu.“

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.