Kommentar

Lassen Sie uns streiten

05.12.2021 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Moritz Moser ist neuer Chefredakteur der NEUE. <span class="copyright">Hartinger</span>
Moritz Moser ist neuer Chefredakteur der NEUE. Hartinger

Die Chefredaktion der NEUE Vorarlberger Tageszeitung zu übernehmen, ist mir eine große Ehre und Verantwortung. Die Entscheidung dafür viel mir umso leichter, als ich von meinem Vorgänger Sebastian Rauch ein professionelles Team und eine klare Blattlinie übernehmen kann. Ihre positive Entwicklung in den vergangenen Jahren, verdankt die NEUE neben dem täglichen Einsatz aller Kollegen vor allem ihm. Die NEUE bietet ihren Leserinnen und Lesern in gedruckter und digitaler Form informative Geschichten aus ihrer Nachbarschaft und der Welt. Neben einem hervorragenden Kulturteil verfügt sie auch über die beste Sportredaktion des Landes. Als neuer Chefredakteur freue ich mich darauf, mit meinen Kollegen aus der Lokalredaktion die Landes- und Gemeindepolitik weiterhin genau unter die Lupe zu nehmen. Mein Anspruch ist es, die Positionierung unserer Zeitung als kritisches Medium in Vorarlberg weiter zu festigen.

Kritik ist für uns allerdings kein Selbstzweck. In den vergangenen Monaten haben wohl alle Journalisten Zuschriften erhalten, in denen sie aufgefordert werden „doch endlich kritisch“ zu berichten. Das tun wir. Wir sind kritisch gegenüber wirren Behauptungen, die beweislos ins Internet gestellt werden und gegenüber jenen, die sie glauben, weil ihre bereits vorhandene Abneigung gegenüber Politik, Medien und Wissenschaft bedienen. Wir sind auch der Politik, den Medien und der Wissenschaft gegenüber kritisch, wo es Anlass dazu gibt. Wir wissen, dass die Bewältigung der Pandemie alles andere als reibungslos abläuft. Wir sehen die Fehler, die bei der Führung der Statistiken, der Formulierung von Verordnungen und der Durchsetzung von Maßnahmen gemacht werden und wir sehen, wie und warum man sie korrigiert. Wir berichten darüber, weil wir kritische Journalisten sind. Was wir nicht verbreiten wollen sind Lügen. Das schmerzt jene, die an sie glauben. Es wird uns dennoch nicht dazu bewegen, wissenschaftliche Erkenntnisse und tatsächliche Zustände zu verleugnen. Wir sprechen mit Spitalsärzten, wir verfolgen die Schilderungen von Pflegern. Wir hören ihre Verzweiflung und ihre Wut und wir glauben ihnen, wenn sie über die immense Arbeitslast berichten, die diese Pandemie für sie bedeutet. Kritisch sein, bedeutet auch, jenen zu glauben, deren Darstellung der Kritik standhält und Behauptungen zu verwerfen, die es nicht tun. Es heißt auch, offen zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß oder Fehler macht.

Die NEUE will ihre Leserinnen und Leser nicht belehren, sondern die Welt zeigen, wie sie ist, und Entwicklungen so erklären, wie wir sie wahrnehmen. Dazu gehört es auch, unsere Meinung in Kommentaren zu vertreten, wo wir Fehlentwicklungen vermuten oder gesellschaftliche Fragen noch nicht entschieden sind. Wir erwarten von unseren Leserinnen und Lesern nicht, dass sie diese Ansichten in allen Fällen teilen. Lassen Sie uns streiten. Schreiben Sie uns, wenn wir Sie stören. Die NEUE soll eine Zeitung sein, die man gerne liest, auch wenn man nicht immer ihrer Meinung ist.