Kommentar

Der Tyrann von Moskau

24.02.2022 • 14:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Attila KISBENEDEK / AFP</span>
Attila KISBENEDEK / AFP

Mit dem Einmarsch in der Ukraine hat sich der russische Präsident selbst als Kriegsverbrecher gebrandmarkt.

Allen, die es sehen wollten, hätte Wladimir Wladimirowitsch Putin schon vor Langem sein wahres Gesicht gezeigt – nur wollten eben nicht alle. Nach jedem Giftmord an einem Oppositionellen, nach jeder erschossenen Journalistin und jedem Kritiker, der zufällig aus einem Fenster gestürzt war, fanden sich Verständnisvolle, die auf die angebliche Bedrängtheit Russlands durch den Westen verwiesen.

Für sie waren die Wahlfälschungen in Putins Russland ein notwendiges Übel. Schließlich waren die Russen ja auch nichts anderes gewohnt. Über die Jahre fand sich immer eine passende Ausrede für Putins Verhalten: Der Einmarsch in Georgien 2008? Provoziert! Die Annexion der Krim 2014? Eine Heimholung russischsprachigen Gebiets. Die Rettung der Diktaturen in Belarus und Kasachstan 2021 und 2022? Eine Frage nationaler Souveränität und Bündnistreue.

Neben ihren Unterstützern haben Diktatoren im Ausland auch immer Naive gefunden, die ihnen die Hand zum Frieden reichen wollten. So wichtig diplomatische Vermittlungsversuche auch sind, muss man doch den Zeitpunkt erkennen, an dem sie ihren Zweck verloren haben, weil das Gegenüber kein Interesse am Dialog hat oder diesen nur als Deckmantel für seine eigentlichen Ziele verwendet. Man hat die argentinische Junta ebenso wenig zum Abzug von den Falklands überredet, wie die USA zum Rückzug aus Vietnam – es brauchte aktiven Druck von allen Seiten. Russland wird die Aggressionen gegenüber seinen Nachbarstaaten nicht am Verhandlungstisch beenden. Mit jemandem, der einen demokratischen Staat vor den Toren der Europäischen Union vergewaltigt, wie Putin es mit der Ukraine getan hat, wird es ohnehin keine Verhandlungen mehr geben können.

Man hat sich mit Appeasementversuchen lange genug lächerlich gemacht. Europa wird erst wieder in Frieden leben können, wenn die korrupte Diktatur des Wladimir Putin in den Staub der Geschichte gesunken ist. Dieses nuklear bestückte Regime kann aber nur nach innen kollabieren. Europa und die Welt werden hierzu nur durch Sanktionen einen Beitrag zu leisten vermögen, ohne in einem dritten Weltkrieg zu versinken. Mit dem üblichen Programm der Kontensperren und Einreiseverbote wird es diesmal aber nicht getan sein. Der wirtschaftliche Druck muss ins Unermessliche steigen.

Mit dem Einmarsch in der Ukraine hat sich der russische Präsident selbst als Kriegsverbrecher gebrandmarkt. Er zerstört die Demokratie im Nachbarland, damit sie nicht zum Beispiel für andere und damit zur Gefahr für ihn wird. Nach Abchasien, Südossetien und Transnistrien hat er sich mit den „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zwei weitere Satelliten geschaffen, die er wie einen traurigen Abklatsch des Warschauer Paktes am Gängelband vor sich herführt. Was immer Putin mit dem Rest der Ukraine vorhat, es wird ihm am Ende nicht helfen. Der Einmarsch seiner Truppen erfolgte nicht aus einer Position der Stärke, sondern der Schwäche. Der von korrupten Strukturen ausgeblutete russische Rentenstaat hat seinen Bürgern immer weniger zu bieten. Der Krieg wird Russland nur noch ärmer machen. Wie die Sowjetunion in Afghanistan, wird auch das Regime des aktuellen Tyrannen von Moskau an seiner Aggressionspolitik irgendwann verbluten.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.