Meinung

Noch kein Karriereende von Marc Marquez

05.06.2022 • 15:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aleix Espargaro team Aprilia R
Aleix Espargaro team Aprilia R (c) IMAGO/ZUMA Press (IMAGO/Giorgio Panacci)

Marquez hat sich zum vierten Mal einer OP am Oberarm unterzogen.

Für mich ist der erneute operative Eingriff recht einfach erklärbar. Es war bekannt, dass Marc Marquez’ Oberarm eine Fehlstellung von nahezu 30 Grad gehabt hat. Und so war es ihm einfach nicht möglich, die Leistung abzurufen, die wir alle von ihm kennen. Biomechanisch war es ihm einfach nicht möglich, der alte Marc zu werden. Und jetzt war für ihn der Augenblick gekommen, unter Umständen auch der letztmögliche, noch einmal eine Operation über sich ergehen zu lassen. In weiterer Folge rechnet er damit, eine entsprechende Rehabilitation einzukalkulieren und wieder seine Qualitäten abrufen zu können. Die Operation ist nach Auskunft der Ärzte gut verlaufen. Marc muss sich nun in Geduld üben. Er darf in keinem Fall ein Comeback zu früh anzugehen. Das haben auch die Ärzte gesagt. Wenn er sich nicht die Zeit nimmt, die er braucht, wird auch die vierte OP nicht viel ändern.

Die Reha sollte ungefähr drei Monate dauern. Er ist sicher so klug, sich selbst genügend Zeit zu geben. Andererseits wird er so schnell wie möglich versuchen, wieder ins Geschäft zu kommen. Ob er heuer noch einmal bei einem MotoGP-Rennen zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten. Aber er wird sicher auf das Bike steigen, wenn er sich wohlfühlt. Auch wenn es nur Testrunden sein werden.

Die Frage ist natürlich auch, ob man sich als Sportler nicht einmal dann doch die Frage stellt, ob es eigentlich einmal genug ist, wenn der Körper schon so ramponiert worden ist. Das ist vermutlich bei jedem Sportler so, nicht nur beim MotoGP-Piloten. Auch wenn die MotoGP extrem ist. Es ist immer eine ganz subjektive Entscheidung. Bei Marc Marquez ist das aber so absolut nicht spürbar, dass er abgeschlossen hat. Da gibt es keine Zeichen dafür, dass er seine Karriere bald einmal beenden könnte.

Ein großes Problem sind die permanenten Ausfälle von Marc Marquez natürlich auch für sein Honda-Team, wenn der Nummer-1-Fahrer nicht mehr die Entwicklungsarbeit mitträgt. Mit dem monatelangen „On“ und „Off“ lässt auch ein Team wie Honda Federn. Da fehlt halt der Kapitän. Damit muss aber Honda fertig werden. Einen Marc Marquez lassen sie nicht fallen. Da weiß Honda schon ganz genau, was sie am Spanier haben.

Da macht aber auch Stefan Bradl, sein Ersatzmann, einen ganz guten Job. Er ist ein recht fein fühlender Fahrer, der viel zur Entwicklung beitragen kann. Ich sehe da nur eine Problemzone für alle japanischen Hersteller. Derzeit machen einfach die europäischen Werke die besseren Hausaufgaben. Sie waren gerade in der Corona-Pandemie die schnelleren, die besseren, die effektiveren Mannschaften in der Entwicklung. Das kommt freilich für Honda, aber auch für Suzuki oder Yamaha dazu.

Miller bei KTM

Für Aprilia läuft es derzeit ausgezeichnet. Aleix Espargaro fuhr im Qualifying für den GP von Katalonien am Sonntag (Servus TV ab 14 Uhr) auf die Pole. Nicht so gut läuft’s für KTM. Brad Binder war 15. Der Südafrikaner und Jack Miller werden im nächsten Jahr und 2024 das Werksteam bilden. Miguel Oliveira soll bei Tech3 geparkt werden.

Vor allem am Beispiel Aprilia sieht man, wie gut ein kleines Werksteam arbeiten kann. Ich finde, Aprilia ist ein äußerst sympathisches Team. Und mit Aleix Espargaro werden sie bis zum Saisonende auch um den WM-Titel mitfahren können. Schon hier in Barcelona sind sie sehr dominant.
Im Hintergrund läuft derzeit in der MotoGP viel chaotisch ab. Vor allem durch den Rückzug von Suzuki per Jahresende. Da sind auf einmal Piloten auf dem Markt wie ein Joan Mir oder ein Alex Rins. Da ist ganz viel im Laufen. Fabio Quartararo hat für zwei Jahre bei Yamaha verlängert. Aber bis Spielberg bzw. in den nächsten Wochen und Monaten wird sich auf dem Fahrermarkt viel tun. Auch bei KTM, die nach Veränderung streben.

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