Kommentar

Die Augen der Krähen im Journalismus

07.11.2022 • 13:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Mit einem Ruhestellen der Funktion des Chefredakteurs wird es bei Rainer Nowak nicht getan sein.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, heißt es bekanntlich. Von der Politik hört man diesen Vorwurf immer wieder in Richtung Journalismus und er ist nicht in jedem Fall völlig unberechtigt. Vielleicht muss man nicht so weit gehen wie Heinz-Christian Strache, der Journalisten bekanntlich als „die größten Huren“ bezeichnet hat. Aber die jüngsten Ereignisse geben der Branche zu Recht Anlass zur Selbstkritik.

Das Verhältnis zwischen Politik und Journalismus ist unglaublich vielschichtig. Politiker und ihre Mitarbeiter sind für Journalisten einerseits Informationsgeber, andererseits aber auch Kritikgegenstand. Die Medien beißen also regelmäßig die Hände, die sie füttern. Wenn einem einer etwas mehr gibt, ist damit oft auch die Hoffnung verbunden, in Zukunft nicht mehr oder zumindest sanfter gebissen zu werden. Dem gilt es von journalistischer Seite zu widerstehen.

Die Politik kommt auch gerne mit Wünschen auf Journalisten zu. Das tun andere Leser auch. Und genauso sollte man damit auch umgehen. Politiker haben auch schon inhaltliche Verbesserungen eingefordert, mit denen sie richtig lagen. Auch, dass sich jemand über einen Artikel beschwert, in dem er schlecht wegkommt, ist nichts Verwerfliches. Und oft wird man als Chefredakteur eher versuchen, das entrüstete Gegenüber einzufangen, ohne mit ihm zu brechen. Es ist eine Gratwanderung.

Dabei darf man aber nicht die eigene Redaktion ans Messer liefern. Presse-Chefredakteur Rainer Nowak hat das gegenüber Thomas Schmid getan. Dieser fühlte sich von der Berichterstattung in seiner „Lieblingszeitung“ schlecht behandelt. Dass ein Chefredakteur dafür sachlich fundierte Geschichten seiner Kollegen „abblasen“ soll, dass er Gefälligkeiten verspricht, um einen Job im staatsnahen Bereich zu bekommen, ist nicht nur unprofessionell, sondern menschlich unter aller Sau. Für Journalisten dieses Zuschnitts gilt dasselbe wie für Politiker: Früher oder später blattelt es sie auf, wie man in Wien sagen würde. Man kann vielleicht dafür sorgen, dass peinliche Mails, in denen man die Politik um einen Job für die eigene Freundin anbettelt, aus dem Netz verschwinden, aber wenn man sich dauerhaft so aufführt, fällt es einem früher oder später auf den Kopf. Vom potenzialelastischen Klinkenputzen bei den Roten oder Türkisen wächst einem auch kein Rückgrat.

Man kann auch nicht mit dem Vizekanzler journalistisches Personal per Direktnachricht verschieben und ihn gegen einen Partnersender aufstacheln, wie es ORF-TV-Chefredakteur Matthias Schrom es getan hat. Dass es im ORF früher sicher einige Leute gab, die lieber die SPÖ retten wollten, hilft da nur bedingt. Zusammenschauend darf aber nicht übersehen werden, dass Nowak nicht wie Schrom im Rahmen eines durchpolitisierten öffentlich-rechtlichen Verhältnisses ungustiöse Personalpolitik betrieben hat, sondern die eigenen Leute für den Chefposten beim ORF verkaufen wollte, indem er für Schmid Einfluss auf Geschichten nahm. Ein Ruhestellen der Funktion ist hier nicht genug.

Als Journalist kann man sich zur Selbstkontrolle die eigenen Handlungen als Schlagzeilen vorstellen: „Chefredakteur unterstützt Beförderung von Thomas Schmid, um selbst von der ÖVP zum ORF-General gemacht zu werden“, ist eher keine gute.

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