Feste und Filme feiern Ingeborg Bachmann zum 100er

Am 25. Juni begeht die Literaturwelt den 100. Geburtstag von Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973). Zudem wird der nach ihr benannte Preis am 28. Juni zum 50. Mal vergeben. Dieses Doppeljubiläum wird nicht nur vom ORF groß gefeiert. Bücher, Filme und Veranstaltungen würdigen die in Klagenfurt geborene Dichterin, die mit ihrer Literatur, aber auch mit ihrer Einforderung eines Platzes von Frauen in Kunstwelt und Gesellschaft Generationen nach ihr beeinflusst hat.
Einige Neuerungen kennzeichnen die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur, in deren Rahmen der Bachmann-Preis verliehen wird. Erstmals erfolgt die Auslosung der Lesereihenfolge schon am Tag vor der Eröffnung (23. Juni, 17.30 Uhr, Livestream auf bachmannpreis.orf.at) und wird auch die Eröffnung, bei der Helga Schubert die 27. Klagenfurter Rede zur Literatur halten wird, auf 3sat live übertragen. Der Sender überträgt damit heuer mehr als 18 Programmstunden.
Geburtstagsfest im ehemaligen Bachmann-Wohnhaus
Der Bachmannpark rund um das ORF-Landesstudio wurde umgestaltet, und aus dem traditionellen Empfang in Maria Loretto wurde ein Geburtstagsfest im und um das ehemalige Bachmann-Wohnhaus in der Henselstraße am 25. Juni, in dessen Rahmen die Skulptur “Die Orden der Nacht (für Ingeborg Bachmann)” von Anselm Kiefer präsentiert wird. Und schließlich wurde die Dotierung des Ingeborg-Bachmann-Preises auf 30.000 Euro angehoben.
Der Radiosender Ö1 bietet 25 Sendungen auf – von Bachmanns erster Hörspielproduktion “Ein Geschäft mit Träumen” über die Diskussion “Ingeborg Bachmann und ihr Erbe” mit den Bachmannpreisträger:innen Nava Ebrahimi, Maja Haderlap und Ferdinand Schmalz bis zum vierteiligen “Radiokolleg” über Leben und Werk der Literatin im Lichte aktueller Publikationen und Forschungsergebnisse.
Letztere stehen am 17. und 18. Juni bei der internationalen Tagung “Sagbares und Unsagbares – Werk und Wirkung Ingeborg Bachmanns aus gegenwärtigen Perspektiven” im Literaturhaus Wien im Zentrum. Dabei geht es u.a. um “neuere feministische Zugänge”, aber auch um die internationale Rezeption ihres Werks, dem auch zahlreiche neue Bücher gewidmet sind. So hat Andrea Stoll unlängst ihre neue Bachmann-Biografie “Zwei Menschen sind in mir” (Piper Verlag) vorgelegt, ist im Kampa Verlag der Gesprächsband “Wir müssen wahre Sätze finden” erschienen, oder widmet sich Ingeborg Szöllösi im Wieser Verlag dem “Menschen hinter dem Ruhm” (“Ingeborg Bachmann – Schreiben als herrliches Land”).
Neue Filme von Regina Schilling und Barbara Frank
Bis 22. Juni läuft im Wiener Metro Kinokulturhaus noch die Retrospektive “Ingeborg Bachmann on screen”, in der neben berühmten Literaturverfilmungen von Michael Haneke (“Drei Wege zum See”, 1976), Xaver Schwarzenberger (“Der Fall Franza”, 1986) oder Werner Schroeter (“Malina”, 1991) und Ruth Beckermanns vielschichtiger Umsetzung des Briefwechsels mit Paul Celan (“Die Geträumten”, 2016) am 18. Juni als Preview auch Regina Schillings neuer Porträtfilm “Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war” mit Sandra Hüller gezeigt wird, ehe dieser ab 25. Juni in die Kinos kommt.
“Ingeborg Bachmann – Dichten für die Wahrheit” heißt eine neue TV-Dokumentation von Barbara Frank, die am 22. Juni (23.15 Uhr, ORF 2) erstmals gezeigt wird und u.a. das lange verschollen geglaubte Drehbuch zur geplanten Verfilmung des Hörspiels “Der gute Gott von Manhattan” präsentiert. Zu Wort kommen u.a. Literaturnobelpreisträger Peter Handke, die französische Bachmann-Expertin Françoise Rétif und Heinz Bachmann, der Bruder der Dichterin.
Programmschwerpunkt im ORF-Fernsehen
Zum Auftakt des umfangreichen Programmschwerpunkts im ORF-Fernsehen ist am 15. Juni (23.15 Uhr, ORF 2) die TV-Aufzeichnung der Ö1-Sendung “Die literarische Soirée” zu sehen, in der Moderator Günter Kaindlstorfer Kritikerinnen und Kritiker zum Gespräch empfängt. Die Dokumentation “Poesie wie Brot? – 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis” (21. Juni, 18.25 Uhr, und 25. Juni, 11.05 Uhr, jeweils ORF 2) widmet sich der Geschichte des Lesewettbewerbs. Margarethe von Trottas Drama “Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste” mit Vicky Krieps und Ronald Zehrfeld in den Hauptrollen (28. Juni, 23.05 Uhr, ORF 2) erzählt u.a. von Bachmanns Beziehung zu Max Frisch.
An Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag, dem 25. Juni, sendet 3sat zum Auftakt des ersten Klagenfurter Lesetags als Erstausstrahlung die von Beate Thalberg gestaltete szenische Umsetzung des Bachmann-Gedichts “Die Nacht der Verlorenen” (9.45 Uhr) mit Harald Schrott.
Dichtung im Jazzclub
Aber auch in Wien wird gefeiert: Mit “Transit in Jazz: Bachmanns_Wort_In_Klang” wird am 25. Juni ab 20.30 Uhr Ingeborg Bachmanns runder Geburtstag im Jazzclub Porgy & Bess begangen. In der Wiederaufnahme eines Projektes aus dem Jahr 2006 widmen sich die Schauspielerin Alice Schneider sowie Daniela Krammer (Saxofon/Gesang/Komposition), Monika Dörfler (Klavier/Komposition) und Josef Wagner (Bassgitarre) Texten Bachmanns in Komposition und Improvisation: “Die Grenzen zwischen Dichtung, Klang, Rhythmus und Harmonie verdichten sich zu einem einzigartigen Hörerlebnis.”
(S E R V I C E – Details zum Ö1-Schwerpunkt unter , Details und laufende Berichterstattung zum Bachmann-Preis: )