Missbrauch an Schulen: 132 Betreuer in Paris suspendiert

09.06.2026 • 21:38 Uhr

Nach Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle an französischen Schulen sind in Paris seit Jahresbeginn 132 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder suspendiert worden. Darunter seien 52 Fälle wegen des “Verdachts auf sexualisierte oder sexistische Gewalt”, erklärte Bürgermeister Emmanuel Grégoire am Dienstag bei einem Schulbesuch in der französischen Hauptstadt.

Grégoire kündigte zudem die Einrichtung einer “unabhängigen Untersuchungskommission” unter Leitung eines ehemaligen Jugendrichters an. “Ich möchte verstehen, was in der derzeitigen Organisation noch versagen kann, und aus allem, was geschehen ist, Lehren ziehen”, sagte der Bürgermeister. Im April hatte der sozialistische Bürgermeister wegen der Problematik bereits einen Aktionsplan in Höhe von 20 Millionen Euro versprochen.

Nationalversammlung verabschiedete Gesetzesvorschlag

Vergangene Woche verabschiedete die französische Nationalversammlung einen Gesetzesvorschlag, mit dem die Kontrolle für Betreuer an Schulen verschärft werden soll. Auslöser des Gesetzes waren zahlreiche Missbrauchsfälle an einer katholischen Schule in Südwestfrankreich. In den vergangenen Monaten waren zudem zahlreiche Missbrauchsfälle in der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern bekannt geworden. Das Gesetz sieht die Einführung eines nationalen Gedenktags für minderjährige Missbrauchsopfer am 19. November vor.

Nach Angaben des französischen Bildungsministeriums wurden im laufenden Jahr bisher 255 Fälle sexistischer und sexualisierter Übergriffe von Lehr- und Betreuungspersonal auf Schülerinnen oder Schüler gemeldet. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit nach eigenen Angaben wegen Vorfällen an 84 Vorschulen sowie rund 20 Grundschulen und zehn Kindertagesstätten.