Moskauer Puschkin-Museum zeigt Xenia Hausner

28.09.2021 • 08:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Moskauer Puschkin-Museum zeigt Xenia Hausner

Die österreichische Malerin Xenia Hausner, die bereits 2000 im Russischen Museum in St. Petersburg ausstellte, kehrt mit einer groß angelegten Schau nach Russland zurück: Seit Montag präsentiert das Puschkin-Museum in Moskau ihr Schaffen. Die Ausstellung basiert auf Hausners kürzlicher Retrospektive in der Wiener Albertina und ist vor allem der Chefin des Moskauer Museums zu verdanken, die sich vom Werk der ihr zuvor unbekannten Künstlerin kurzfristig begeistern hatte lassen.

Die Retrospektive in Moskau, die wie die Wiener Variante unter dem Titel „True lies“ läuft und auf den James Cameron-Film mit Arnold Schwarzenegger anspielt, beginnt für aktuelle russische Verhältnisse nahezu provokant: Im ersten Raum zeigt „Kopfschuss“ ein Alter Ego der Künstlerin, das hinter einer Art Geburtstorte sitzt und sich eine Pistole an die Schläfe hält. Anschließend kommt mit „Ballet Russe“ ein Gemälde, das Vertreter der Moskauer Kunstszene gleich am Eröffnungsabend positiv registrierten: Sie erkannten eine aus Russland stammende Designerin, die Hausner im Jahr 2000 in Berlin für ihr Bild selbstbewusst in Szene gesetzt und gemalt hatte.

Weitere, knapp drei Dutzend Großformate in farbenkräftigem Acryl und Öl repräsentieren das ausdrucksstarke Werk der Österreicherin bis in die Gegenwart. Zu sehen sind etwa Bilder aus Hausners Flüchtlingsserie „Exiles“, in der sie junge Frauen malte, die aus Zugabteilen in eine unbestimmte Zukunft blicken. Freilich legt die Komposition jeweils nahe, dass hier weniger von der Abbildung einer historischen Realität, sondern von einer gemalten Inszenierung die Rede ist.

Gegen Ende der Schau findet sich aber auch ein Gemälde aus dem vergangenen Jahr, in dem die Malerin auf den Kampf gegen die Coronaviruspandemie verweist: Sie hat sich selbst mit Schutzmaske auf einer Briefmarke porträtiert hat, auf der der militaristische Slogan „Viribus unitis“ („Mit vereinten Kräften“, Anm.) zu lesen ist. Covid-19 hatte im April dazu geführt, dass Hausners Ausstellung in der Albertina nicht in gewohnter Weise eröffnet werden konnte. In Moskau ließ man sich von einer grassierenden vierten Welle der Pandemie, die angesichts einer vergleichsweise geringen Impfrate für traurige Rekordzahlen in Russland sorgt, indes nicht beirren: Den Eröffnungsreden lauschten am Montagabend Kunstinteressierte, die trotz anderslautender Vorgaben mehrheitlich keine Maske trugen.

„Ich habe das erste Mal im Katalog gesehen, wie diese Künstlerin mit ihrer Imagination, ihrer professionellen Erfahrung arbeitet und verstanden, dass auch ich eine ihrer Heldinnen bin“, sagte die Direktorin des Puschkin-Museums für bildende Kunst, Marina Loschak. Sie war im Frühsommer durch den aktuellen Albertina-Katalog auf Hausners Schaffen aufmerksam geworden und hatte spontan einer Ausstellung zugestimmt. Möglich wurde das freilich auch durch Mittel, die das österreichischen Kulturministerium sowie das österreichische Kulturforum in Moskau zur Verfügung stellten.

Dass ihr Museum eine große, ernsthafte Künstlerin mit ihren Reflexionen zeigen könne, sei wunderbar, meinte Loschak. Man werde alles unternehmen, dass viele Besucherinnen und Besucher in Hausners Ausstellung kämen und sich davon überzeugten, dass auch heute eine „große Kunst als Fortsetzung einer großen Tradition“ existiere. Denn figurative Kunst bleibe weiterhin äußerst aktuell, betonte die Direktorin. „Diese gesättigten Farben erwecken Emotionen, die Magie der Farbe und der menschlichen Beziehungen verzaubern“, schwärmte auch Ko-Kurator Danila Bulatow, der diese Hausner-Retrospektive formal gemeinsam mit der vor Ort abwesenden Albertina-Kuratorin Elsy Lahner verantwortet.

Bei einem ersten Ausstellungsrundgang waren Montagabend aber auch kritische Anmerkungen zu vernehmen. Der bekannte Moskauer Kunstkritiker Aleksandr Panow vermisste im Gespräch mit der APA etwa radikalere Sujets, die er 2000 in der großer Ausstellung der Österreicherin in St. Petersburg gesehen hatte. Auch sprach er von „Salonmalerei“, die nicht zwangsläufig im Museum gezeigt werden müsse.

Panow verwies gleichzeitig aber auch auf Parallelen zwischen ausgestellten Arbeiten Hausners und dem „Ernsten Stil“ der sowjetischen Nachkriegszeit. Insbesondere in 1960ern hatten offizielle „junge Künstler“ mit Vorliebe inszenierte Gruppenporträts gemalt. Diese waren freilich jedoch im Sinn staatlicher Vorgaben ideologisch deutlich aufgeladener und weniger farbenprächtig als jene der österreichischen Künstlerin.