Wiener Tourismus bleibt weiter unter Vorkrisenniveau

25.01.2023 • 14:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im dritten Jahr der Coronapandemie hat der Wiener Tourismus wieder mehr Gäste, Nächtigungen und Umsätze verzeichnet, ist aber 2022 weiter unter dem Niveau von vor der Krise gelegen. Kaufkräftige Gäste aus Asien fehlen nach wie vor, der russische Angriffskrieg in der Ukraine lässt weniger Touristen aus diesen Ländern kommen. Wiens Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke sprach dennoch von einer Trendumkehr. Im Dezember sei man bereits bei 90 Prozent des Niveaus von 2019 gelegen.

Auch der Hotelumsatz liege seit Oktober 2022 über dem Vor-Pandemie-Niveau. “We are back”, sagte Hanke (SPÖ) am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Mit 13,2 Millionen Nächtigungen hat die Stadt Wien im Vorjahr aber erst drei Viertel des Aufkommens von 2019 erreicht. Auch bei der Gästezahl (Ankünfte) lag Wien mit 5,6 Millionen erst bei 71 Prozent des Wertes von 2019. Von Jänner bis November 2022 erwirtschafteten die Betriebe Netto-Nächtigungsumsätze von rund 759 Mio. Euro – das waren 84 Prozent des Vergleichswerts von 2019.

Die Zahl der Betten in der Bundeshauptstadt steigt kontinuierlich an – von rund 71.000 im Jahr 2022 soll sie sich bis Ende 2023 auf 75.000 erhöhen. Im Vorjahr zählte die Stadt fast 400 Hotelbetriebe. Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner findet, dass die Zimmerpreise verglichen mit anderen Städten zu günstig sind. Es sei Zeit für eine “selbstbewusste Preisgestaltung”, sprich Preiserhöhungen, so Kettner.

Im vergangenen Jahr zog es vor allem europäische Gäste nach Wien, wenngleich sich amerikanische Touristen mit einem “Paukenschlag” zurückgemeldet hätten und die USA nach Österreich und Deutschland Wiens drittstärkster Herkunftsmarkt gewesen sei, sagte Kettner. Auch das Wachstum aus Großbritannien sei mit fast 500 Prozent gegenüber 2021 besonders stark ausgefallen. Der chinesische Markt erholte sich wiederum kaum: Mit 56.000 Nächtigungen wurde knapp ein Zehntel des früheren Aufkommens gemessen.

Für 2023 stehen dem Wiener Tourismus mehr als 16 Mio. Euro zur Verfügung, um die Stadt zu bewerben. Damit sollen die 13 wichtigsten Märkte bearbeitet werden. Neben Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien sind das die USA, Kanada, die arabischen Länder, China, Japan und Südkorea. Ein Schwerpunkt soll auf den USA liegen, dem aufkommens- und umsatzstärkstem Überseemarkt.

Wieder auf Kurs sehen die Tourismusvertreter auch die Wiener Tagungswirtschaft, die für den Wiener Tourismus ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist. Im Vorjahr haben in Wien 47 Großtagungen (ab 1.000 Teilnehmern) stattgefunden. Vor der Pandemie waren es noch 70. Das Convention Bureau habe derzeit aber 160 Bewerbungen für Kongresse und Firmentagungen am Laufen, so Kettner.

Gäste aus den umliegenden Ländern sollen künftig noch öfter mit der Bahn statt mit dem Auto anreisen, so das Ziel des Wien Tourismus. Reisten 2018 noch 26 Prozent mit dem Auto und 21 Prozent mit der Bahn an, so waren es im Vorjahr 29 Prozent mit dem Auto und 30 Prozent mit der Bahn. 2025 soll der Zug das Auto überholt haben, so Kettner. Die ÖBB wollen ihr Nachtzug-Angebot weiter ausbauen, im Sommer seien die Nightjets ausgebucht gewesen, sagte Klaus Garstenauer, Vorstand der ÖBB Personenverkehrs AG.

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