Österreich

Mehr Wertschätzung für Frauen in der Krise

03.07.2020 • 20:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mehr Wertschätzung für Frauen in der Krise
MAUCHE/ÖVP

Vorarlberger Frauenbewegung führte Umfrage zur Corona-Krise durch.

Es braucht noch große Anstrengungen, um echte Gleichberechtigung zu erreichen. Dieser Ansicht sind ÖVP-Landesrätin und Landesleiterin der Vorarlberger Frauenbewegung Martina Rüscher sowie ÖVP-Frauensprecherin Gabriele Graf. Sie haben am Freitag die Ergebnisse einer Umfrage unter rund 200 Frauen bezüglich der Corona-Krise präsentiert. Die Teilnehmerinnen der Befragung waren hauptsächlich Mitglieder der Frauenbewegung, aber auch über soziale Medien sei die Umfrage gestreut worden, sagten Rüscher und Graf. Insgesamt wurden in der nicht repräsentativen Befragung 21 teils offene Fragen gestellt.

Rund die Hälfte der Frauen gab an, während der vergangenen Wochen mehr gefordert oder gestresst gewesen zu sein. 45 Prozent waren in der Familie alleine oder hauptsächlich für die Betreuungsarbeit zuständig. Über 80 Prozent haben sich alleine um die Haushaltsführung gekümmert. Zugleich berichteten die Teilnehmerinnen aber auch, dass ihnen mehr Wertschätzung zuteil geworden ist. Gerade während des Lockdowns sei vielen Männern aufgefallen, „dass sich dieses bisschen Haushalt doch nicht von alleine macht“, brachte es Rüscher auf den Punkt.

Pensionssplitting

Die Befragten sprachen sich jedoch auch für konkrete Maßnahmen aus, um Frauen besser zu unterstützen. So werde etwa die langjährige Forderung der Frauenbewegung nach einem automatischen Pensionssplitting unterstützt, berichteten Rüscher und Graf. „Wenn man als Paar gemeinsam ein Kind in die Welt setzt, hat man auch eine gemeinsame Verantwortung für dieses Kind“, betonte die Frauensprecherin. Dass der Elternteil, der einer Erwerbsarbeit nachgehe, einen Teil seiner Pensionsansprüche abgebe, könne ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Altersarmut von Frauen sein.

Zwar gebe es bereits ein freiwilliges Pensionssplitting, allerdings hätten dies in den vergangenen Jahren lediglich 169 Paare in Österreich in Anspruch genommen. Freiwilligkeit sei daher nicht der richtige Weg. Im Bund werde derzeit mit den Grünen über ein automatisches Pensionssplitting verhandelt, erklärte Rüscher. Denkbar sei dabei auch ein „Opt out“-System, bei dem sich die Partner gemeinsam gegen das Pensionssplitting entscheiden können. Die Landesrätin zeigte sich zuversichtlich, dass es noch in der laufenden Legislaturperiode zu einer Einigung kommen könnte.

Gut bewältigt

Auch andere Schlüsse lassen sich aus der Corona-Krise schließen, sagten die Verantwortlichen der Frauenbewegung. So habe sich gezeigt, dass Homeoffice und Home­schooling von einem großen Teil der Befragten gut unter einen Hut gebracht werden konnten. Es wäre daher denkbar, dass künftig, statt Betreuungsurlaub nehmen zu müssen, auch Homeoffice eine Option sein könnte. Arbeit müsse nach Kompetenz und Leistung, und nicht nach Anwesenheit am Arbeitsplatz entlohnt werden, meinte die ÖVP-Frauensprecherin.

Zugleich müsse sich auch in den Köpfen etwas ändern, um Gleichberechtigung zu erreichen. Dazu müsse das Thema bereits im Kindergarten und in der Schule thematisiert werden, sind Rüscher und Graf überzeugt. Dazu gehöre es auch, ein Familienbild zu vermitteln, in dem stärker die Partnerschaft in den Fokus gerückt wird, anstatt die Frauen in ihrer Rolle als erfolgreiche Berufstätige, gute Mutter oder Hausfrau darzustellen.