Österreich

Frauen bekommen 42 Prozent weniger Pension

30.07.2020 • 14:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frauen bekommen 42 Prozent weniger Pension

Der Equal Pension Day zeigt die große Pensionslücke zwischen den Geschlechtern auf.

Der „Equal Pension Day“ fällt in Österreich auf den heutigen Donnerstag, den 30. Juli. An diesem Tag haben Männer bereits so viel Pension bekommen, wie Frauen über das ganze Jahr erhalten. Frauen müssen also mit demselben Betrag 154 Tage länger auskommen als Männer. Im Alter wird Frauen in Österreich 42 Prozent weniger Geld aus dem Pensionssystem überwiesen als Männern.

„Im internationalen Vergleich fällt vor allem auf, dass Frauen in Österreich immer noch oft zuhause bei den Kindern bleiben oder nach der Karenz meist nur Teilzeit arbeiten“, sagt Agenda-Ökonomin Monika Köppl-Turyna. Daraus ergibt sich dann die Pensionslücke. Frauen haben weniger Anspruch, weil sie deutlich weniger Beitragsjahre aufweisen können. Dazu kommt, dass Frauen mehr Karenzzeiten in Anspruch nehmen.

Altersarmut

„Die Gefahr heißt leider Altersarmut“, so Köppl-Turyna. Dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten, hat kulturelle Gründe, oft aber auch ganz praktische. „Es mangelt vielerorts noch an ganztägigen Betreuungsplätzen“, so die Ökonomin. Ausnahmen sind Wien und Kärnten, wo private Betreuungseinrichtungen von staatlicher Seite mitfinanziert werden. Das habe das Angebot rasch erhöht, so Köppl-Turyna.

Verringern lässt sich die Pensionslücke nur damit, dass Frauen früher aus der Karenz zurückkommen und mehr Vollzeit arbeiten, meint die Agenda. Zudem wäre es vorteilhaft, wenn die Karenzzeiten für Frauen generell kürzer ausfallen würden – etwa, indem auch der Mann einspringt. Derzeit geht nur jeder fünfte Vater in Karenz und das meist sehr kurz.

Karenzzeit kürzen?

Die Agenda Austria schlägt deshalb vor, die Karenzzeiten zu kürzen – auf maximal ein Jahr für jeden Partner. Nimmt ein Partner nicht das volle Jahr in Anspruch, verfällt der Rest, ist also nicht auf den anderen Partner übertragbar. Die Zuverdienstgrenze für karenzierte Mütter (und Väter) sollte gestrichen werden, damit die Pensionslücke weniger heftig ausfällt.

Ein Vergleich, basierend auf Daten von Eurostat, zeigt, dass in Österreich mehr als 70 Prozent der erwerbsfähigen Frauen Teilzeit in Anspruch nehmen oder in Karenz sind. Noch höher sind diese Zahlen nur in den Niederlanden, in der Schweiz und in Deutschland. Hingegen geht nicht einmal jeder zehnte Mann in Karenz oder arbeitet teilzeit.

Gewerkschaft fordert höhere Gehälter

Ilse Fetik, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp, verweist auf die Wichtigkeit von Kollektivvertragsverhandlungen als Instrument der Frauenpolitik: „Höhere Gehälter bedeuten höhere Pensionen. Neben der Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten ist das Thema der Gehaltshöhe das entscheidende für Geschlechtergerechtigkeit im Alter.“

Besonders die Verhandlungen in frauendominierten Branchen wie dem Handel oder dem Sozialbereich wären von großer Bedeutung für die spätere Pensionshöhe. Fetik: „Dass im Handel ein Mindestgehalt von über 1.700 Euro erreicht werde konnte, ist ein wichtiger Schritt. Im Sozialbereich bedeutet die erkämpfte Verkürzung der Normalarbeitszeit für die vielen teilzeitbeschäftigten Frauen eine gute Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaften sind die wichtigsten Partnerinnen der Frauen im Arbeitsleben.“

Ausbau der Kinderbetreuung

Wie die Agenda verweist aber auch die Gewerkschaft auf den Aspekt von Teilzeit und Karenz. „Frauen arbeiten immer noch zu einem beträchtlichen Anteil Teilzeit. Die geringe Arbeitszeit und der damit verbundene geringe Verdienst ziehen schwerwiegende Folgen für die Pensionshöhe nach sich. Hier braucht es einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung wie auch der Pflege und Seniorenbetreuung. Nach wie vor verrichten Frauen den größten Teil der unbezahlten Arbeit, sie müssen entlastet werden.“