Österreich

Wien: Streit um die Gastgärten

13.09.2020 • 15:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Schnee und Kälte wollen die Gastwirte in Wien aus den Schanigärten fernhalten
Schnee und Kälte wollen die Gastwirte in Wien aus den Schanigärten fernhalten (c) APA/HANS PUNZ

Kritik über beheizte Schanigärten, die im Winter Gastronomie retten sollen.

Der Forderung einiger Gastronomen und der Wirtschaftskammer nach Öffnung der Schanigärten im Winter hat die Stadt Wien Folge geleistet. Ab 1. Oktober können Betriebe, die ihre Schanigärten im Sommer betrieben haben, um eine Verlängerung für die Wintermonate ansuchen. Bislang geltende Auflagen wurden gelockert, fällige Gebühren werden erlassen oder reduziert. Wiens Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) hofft, dass dadurch ein Großteil der 3500 Schanigärten der Stadt auch in den kommenden Monaten ihren Betrieb aufrecht erhalten.

Von Umweltschutzorganisationen hagelt es für diese Maßnahme Kritik. Schließlich dürften die Schanigärten im Winter auch beheizt werden. Gasbetriebene Heizstrahler sind in Wien zwar verboten, das Heizen mit den gängigen, strombetriebenen Geräte sei aber ebenfalls äußerst bedenklich, meint Herwig Schuster von Greenpeace: „Sie verbrauchen viel Energie und sind gleichzeitig extrem ineffizient.“ Fünf Heizschwammerln würden im Jahresdurchschnitt in den Wintermonaten so viel Strom verbrauchen wie ein Einfamilienhaus im ganzen Jahr, so Schuster.

Kompromisse nötig

Ökologische Kompromisse seien angesichts der Coronakrise zwar nötig und nachvollziehbar, allerdings sollte nicht nur geprüft werden, woher der Strom kommt, sondern auch sichergestellt werden, dass die Heizgeräte keine Dauereinrichtung werden. „Der Stromverbrauch würde ansonsten so massiv werden, dass man zusätzliche Kraftwerke denken müsste“, so Schuster.

„Es wird in eine Herausforderung“, sagt Wiens grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein. Betriebe, die in Wärmedämmung investieren, sollen aber ebenfalls von Gebühren befreit werden, hält sie fest. Inwiefern das aufgrund der angespannten finanziellen Situation vieler Gastronomiebetriebe tatsächlich passieren wird, bleibt abzuwarten.
Für den Greenpeace-Sprecher reicht das nicht aus. Er fordert klare Vorgaben, wie lange und bei welcher Temperatur die Heizgeräte eingeschaltet werden dürfen.

Kein Gehör fand die Kritik in Innsbruck, wo in den letzten Jahren alle Heizgeräte verboten waren. Der grüne Bürgermeister Georg Willi will sie aufgrund der Ausnahmesituation wieder erlauben.

Auch in Graz ist das Beheizen erlaubt, bislang sei aber kein signifikanter Anstieg an Ansuchen für Wintergastgärten verzeichnet worden. In Klagenfurt werden nun politische Stimmen laut, die fordern, dass die Betriebe ohne Gebühr die Gastgärten im Winter weiternutzen können. Auch die Frist für größere Gastgärten in Villach wurde bis März verlängert.