Österreich

„Wir sind kein Krisengewinner“

28.09.2020 • 11:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gerhard Schilling Gechäftsführer Almdudler
Gerhard Schilling Gechäftsführer Almdudler (c) AKOS BURG

Almdudlers Chef Schilling über die Durststrecke in der Corona-Krise.

Im Frühjahr haben Sie mitten im Lockdown Almdudler mit Hanf-Extrakt herausgebracht. Davon haben wir eine Flasche eingekühlt. Was passiert, wenn wir das jetzt trinken?
GERHARD SCHILLING: Es wird sicher ganz entspannt.

Im Vorjahr hat die Trennung von Coca Cola bei Ihnen alles auf den Kopf gestellt. Jetzt stellt Corona alles auf den Kopf, bringt auch die Gastronomie in Not, wo sich Almdudler 2019 völlig neu positioniert hat. Wie schwer trifft Sie das?
Das ist schon ein schwerer Schlag, wenn wir auch sicher nicht so schlimm wie etwa unsere unmittelbaren Gastronomiepartner betroffen sind, weil wir ja noch den Handel und das Exportgeschäft haben.

Ist der Export eingeknickt?
Den Lockdown haben wir sehr gespürt, überall. Dann ist es aber auch rasch wieder aufwärtsgegangen. Wobei wir gemerkt haben, dass gerade in Deutschland viel mehr Leute in die großen Getränkeabholmärkte gegangen sind. Deshalb hat sich dort als eine interessante Folge der Verkauf unserer Glas-Mehrwegflasche sehr gut entwickelt.

Was bedeuten die jüngsten Verschärfungen in der Gastronomie?
Im Sommer war das Geschäft wieder ganz gut zurückgekommen, der August war wieder relativ normal, Stichwort Österreich-Tourismus. Es war spürbarer Optimismus da, die Gastronomie hatte sich recht gut zurechtgefunden mit der Lage. Jetzt ist es natürlich schade, dass laufend Rückschläge kommen.

Sie rechnen durch die Rückkehr der Maskenpflicht in der Gastronomie mit Umsatzeinbrüchen?
Ja. Maskenpflicht ist das eine, Zutrittsbeschränkungen, maximale Personenzahlen pro Lokal sind das andere. Die meisten Betriebe sind einfach auf Vollauslastung ausgelegt und nicht darauf, dass jeder zweite Tisch frei ist. Bei Bar- und Veranstaltungsbetrieben wird das längerfristige Folgen haben. Die Lage ist für viele sehr dramatisch.

Wie viel Umsatz kostet Sie das?
Na ja, als Familienunternehmen sind wir da in der Öffentlichkeit nicht so detailverliebt. Aber bei dem Rückgang geht es schon um den zweistelligen Prozentbereich. Ein großes Fragezeichen ist das vierte Quartal. Wenn wir am Jahresende auf minus 25 bis 30 Prozent blicken, werden wir wahrscheinlich sagen, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.

Wie viel gleicht der Handel aus?
Wir sind kein Krisengewinner. Almdudler wurde nicht gehortet wie Nudeln oder Reis. Jammern müssen wir aber nicht. Spürbar ist auch, wenn viele im Homeoffice arbeiten, da fehlen die Impulskäufe unterwegs.

Gerhard Schilling im Interview mit Claudia Haase
Gerhard Schilling im Interview mit Claudia HaaseSonstiges

Nutzen Sie die Krise für strategische Veränderungen?
Man überlegt, wie viel aus dem Sortiment wichtig ist, konzentriert sich aufs Wesentliche.

Wo kann man sparen?
Wir haben ja eine sehr starke Marke, die es auch aushält, wenn man einmal ein paar Monate mit dem Marketing nicht in die volle Breite geht. Man muss jetzt keine Botschaften trommeln, die mit der Lage wenig zu tun haben. Wir müssen die Kosten streng im Auge haben, weil wir nicht planen können. Ein Lockdown wäre das Schlimmste, dann bräche das Gastrogeschäft weitgehend weg.

Hat sich die Trennung von Coca Cola als schlecht erwiesen?
Das hat uns vor größerem Schaden bewahrt. In schwierigen Situationen verlässt man sich besser auf sich selbst. Durch die Trennung haben wir unsere eigenen Systeme massiv aufgerüstet, das ist ein großer Vorteil.

Sie haben mit McDonalds einen neuen Partner gefunden, was rettet der an Geschäft?
Wir wären froh, wenn alle unsere Partner solche Umsätze hätten. Für die Traditionspflege, die Atmosphäre sind aber die Schanigärten und Ausflugslokale extrem wichtig.

Zur Person

Gerhard Schilling (55) ist seit 2004 Almdudler-Geschäftsführer.

Eigentümer sind Thomas und Michaela Klein, Kinder des Almdudler-Erfinders. Almdudler hat 60 Mitarbeiter, verkauft mehr als 80 Millionen Flaschen jährlich. Der Umsatz 2019 soll mehr als 40 Millionen Euro betragen haben.

Haben Sie irgendwelche Staatshilfen in Anspruch genommen?
Nein, nur Kurzarbeit für zwei Monate. Wir haben auch kein Personal abgebaut. Wir haben finanziell Luft, ein schlechtes Jahr oder schlechte eineinhalb Jahre ohne größere Schäden zu überstehen. Das Eigenkapital ist hoch. Wir sind ein gesundes Unternehmen, das eine konservative Politik verfolgt.

In Österreich wehrt sich der Handel massiv gegen ein Pfandsystem. Ist Deutschland nicht Beweis genug, dass es funktioniert?
Wir haben viel zu viel Plastik im Umlauf, das ist eine Tatsache. Aber wenn Getränkeverpackungen davon nur einen kleinen Teil ausmachen, ist das Ganze eine Symbol-Diskussion. Ein Pfandsystem ist nicht die Lösung aller Probleme.

Wäre sie im Gegenteil nicht die Lösung sehr vieler Probleme?
Ich verstehe den Handel, dass er nicht der Financier sein will.

Das sind doch viele deutsche Konzerne, die das dort sogar bei niedrigeren Preisen können.
Unsere Position ist, offen zu sein. Wir wollen beides anbieten. Da liegt es dann an jedem Einzelnen. Bei großen Spar- und Merkur-Märkten stehen Kisten mit Mehrwegflaschen Seite an Seite mit PET-Flaschen. In denen könnten Sie sogar noch 30 Jahre alte Glasflaschen finden. So lange sind manche tatsächlich schon im Umlauf.