Österreich

Zigaretten und „dicke“ Autos teurer

28.09.2020 • 13:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zigaretten und "dicke" Autos teurer

Mit Oktober kommt es in Österreich zu einigen wichtigen Änderungen.

Der Oktober bringt einige wichtige Änderungen, Verschärfungen und Preisentwicklungen in verschiedenen Bereichen mit sich – von A wie Auto bis Z wie Zigaretten. Stichtag ist der 1. Oktober. Ein Überblick.

Ab Oktober gilt auch das überarbeitete Kurzarbeitsmodell. „Die Kurzarbeit in Phase III soll Unternehmen helfen, die einen relativ guten Ausblick haben. Das heißt, wo zumindest 30 Prozent gearbeitet werden kann“, so Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). „Es ist nicht das Ziel, Unternehmen künstlich am Leben zu erhalten.“

Kurzarbeit in Zahlen

Seit dem Höhepunkt im Mai mit 1,35 Millionen Personen in Kurzarbeit sind die Zahlen kontinuierlich gesunken, auf zuletzt knapp 300.000.

Die Kurzarbeit wurde bisher von Unternehmen weniger ausgeschöpft als ursprünglich geplant. Die Bewilligungssumme für die Phase 3 könnte laut Arbeitsministerium zwischen 5 und 6 Milliarden Euro liegen. Es wird aber, wie in den beiden Phasen bisher, voraussichtlich nicht ausgeschöpft werden, so Arbeitsministerin Christine  Aschbacher.

Bei Phase 1 und 2 sei ein Rahmen von 10 Milliarden Euro bewilligt worden. Es seien jedoch bisher nur 4,7 Milliarden Euro abgerechnet worden, weil die Beschäftigten deutlich mehr gearbeitet hätten.

Neuwagen mit hohen CO2-Emissionen teurer

Mit 1. Oktober soll zudem die sogenannte „motorbezogene Versicherungssteuer“ (mVSt) „grüner“ werden. In die Berechnung der Abgabenhöhe wird ab dann auch der CO2-Ausstoß bei Pkw und Motorrädern herangezogen. „Dadurch werden die laufenden Kosten vor allem für kleinere, effiziente Autos günstiger, für Vans, SUVs und Co hingegen meist teurer„, so die Einschätzung des ÖAMTC.

„Beispiele zeigen, dass bei ein- und demselben Modell mehrere hundert Euro an Steuer pro Jahr gespart werden können, wenn man zur Ausstattungsvariante mit dem geringsten ‚CO2-Rucksack‘ greift“, rechnete ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Nikola Junick kürzlich vor.

Künftige Höhe ausrechnen

Die künftige Höhe der motorbezogenen Versicherungssteuer (mVSt) kann auf der Seite des ÖAMTC berechnet werden.

So zahlt man für ab Oktober 2020 bis zum Jahresende 2020 erstmals zugelassene Pkw für jedes Kilowatt über 65 Kilowatt und für jedes Gramm CO2 über 115 Gramm CO2 8,64 Euro pro Jahr. Wobei mindestens fünf Kilowatt an Leistung und fünf Gramm CO2 anzusetzen sind. Dies entspricht einer Mindeststeuer von 86,40 Euro pro Jahr. Reine Elektrofahrzeuge sind von der motorbezogenen Versicherungssteuer gänzlich befreit – dies gilt aber nicht für Range-Extender und Hybrid-Pkw, so der ÖAMTC.

Zigarettenpreise steigen ab 1. Oktober

Anfang Oktober werden Zigaretten in Österreich um 20 Cent pro Packerl teurer. Grund ist aber nicht nur die wegen der Coronakrise um ein halbes Jahr verschobene Anhebung der Tabaksteuer. Sowohl Marktführer Philip Morris als auch JTI Austria als Nr. 2, die frühere Austria Tabak, erhöhen die Preise auch wegen anderer Mehrkosten der letzten Jahre, in denen „Glimmstängel“ nicht teurer wurden.

JTI-Austria-Sprecher Ralf-Wolfgang Lothert verwies zuletzt in einem APA-Gespräch auf zusätzliche Kostenfaktoren der letzten drei Jahre wie die von der Europäischen Union (EU) der Branche auferlegte Umstellung der Zigarettenpackungen, Gebührenzahlungen an die AGES (die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), Kosten für das europäische Zigaretten-Rückverfolgungs-Tracking- und -Tracing-System sowie letztlich auch die Tabaksteuererhöhung, die eigentlich schon mit 1. April fällig gewesen wäre.

Zigarettenmarkt

Die beiden Marktführer, Philip Morris mit etwa 40 Prozent Anteil und JTI Austria mit rund einem Drittel.

Auch die Trafikanten selbst gehen für das heurige Corona-Jahr 2020 unisono von einem stabilen bis leicht steigenden Zigarettenmarkt in Österreich aus.

Aus der Tabaksteuer nahm der Staat 2019 rund 1,9 Milliarden Euro ein – samt Mehrwertsteuer 2,4 Milliarden Euro.

Der Umsatz der Trafikanten aus Tabakwaren betrug 3,15 Milliarden Euro. Heuer bis Juni wurden 27 Millionen Euro mehr Tabaksteuer eingenommen als im gleichen Zeitraum 2019. Dabei stach der Lockdown-Monat April mit 13 Prozent Einnahmenplus besonders heraus.

Grund waren die Grenzschließungen, da es fast unmöglich war, Zigaretten aus dem Ausland zu importieren, hieß es in einer Aussendung des Finanzministeriums.

2019 wurden 13,6 Milliarden Zigaretten geraucht in Österreich – 1700 Stück pro Einwohner pro Jahr und fast 5 „Glimmstängel“ pro Tag für jeden Österreicher.

Philip-Morris-Sprecher Florian Gross nannte ferner die Mindesthandelsspanne für die Trafikanten, die angehoben wird. Diese Spanne werde marginal erhöht, faktisch nachgezogen, wie dies im Regierungsprogramm zur Existenzsicherung verankert sei, so Trafikanten-Obmann Josef Prirschl zur APA: „70 Prozent unserer Deckungsbeiträge kommen vom Tabak.“ In Österreich wird Tabak ausschließlich über Fachgeschäfte und lizenzierte Verkaufsstellen vertrieben, beides zusammen ergibt mehr als 5200 „Trafiken“. Diese hätten durch Corona viel von ihrem Geschäft verloren, etwa beim Ticketverkauf, teils auch beim Glücksspiel – im Lockdown stärker, doch auch jetzt noch leicht im Minus. Im Vergleich zu anderen Branchen müsse man aber zufrieden sein, so der Trafikanten-Obmann.