Österreich

Nach Protest: Regierung hebt Impfpause auf

07.01.2021 • 07:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Moderna-Impfstoff: Zulassung ist da
Moderna-Impfstoff: Zulassung ist da Photothek via Getty Images (Florian Gaertner)

Außerdem werden 85-Jährige außerhalb der Pflegeeinrichtungen vorgezogen.

Die politische Schubumkehr wurde um ein Uhr früh fixiert. Während Mittwochnacht in der ZiB 2 die neue Gesundheitsdirektorin das Unerklärliche zu erklären versuchte und mit freundlicher Verzweiflung um Verständnis für die „hochkomplexe Herausforderung“ der Impfung in den Pflegeheimen sprach, alles, nur um den 12. Jänner und das skandalös lange Zuwarten irgendwie zu rechtfertigten, da brannte im Bundeskanzleramt noch Licht: Kanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober saßen beieinander und versuchten fieberhaft, im Beisein von Experten den Impfplan neu aufzusetzen, um die Wogen der Kritik abzufangen und den fatalen Eindruck Zehntausender gebunkerter Impfdosen durch eine Brachial-Intervention zu beseitigen.

Die dann so aussah: „Wir ziehen die Impfungen vor und warten nicht auf den 12. Jänner“, sprach Kurz ein Machtwort, die Entscheidung war gefallen. Sofortiges Verimpfen der zurückbehaltenen Bestände. 25.000 Impfungen bis Sonntag dieser Woche, 50.000 nächste Woche. Gegen Mitte der Woche soll die zweite Großlieferung von Biontech in Wien eintreffen, die noch im Jänner abgearbeitet werden soll. Dazu kommt die Zulassung des Impfstoffs von Moderna, der es erlauben wird, bis Ende März über 500.000 Menschen zu impfen.

Der Strategiewechsel der Regierung wird zur verbindlichen Maxime. Keine Bestände, auch die, die nicht zur Verwendung kommen, bleiben in den Einrichtungen zurück, sondern werden sofort auf die anderen Bundesländer verteilt. „Beim Impfen geht es um Schnelligkeit und um Menschenleben. Daher gibt es keinen Grund, dass Impfdosen über Wochen zwischengelagert werden“, so Kurz.

Personelle Folgen

Die Verwerfungen rund um den verkorksten Impfstart haben offenbar ein erstes personelles Opfer gefordert. Clemens Martin Auer, Sonderbeauftragter unter Rudolf Anschober, soll aufgrund der Kalamitäten auf Drängen der Regierungsspitze abgezogen worden sein.

Um auch über die Heime hinaus Dynamik zu signalisieren, werden parallel zu den Hochrisikogruppen in den Spitälern und Pflegeheimen auch alle über 85-Jährigen außerhalb der Altersheime in die erste Impfphase miteinbezogen. Das gab Kurz in einem Gespräch mit der Redaktion bekannt. Noch im Jänner soll diese gefährdete Altersgruppe die Möglichkeit haben, sich in Impfzentren zu immunisieren.

Die Initiative soll über die Hausärzte und Bürgermeister in den Regionen organisiert werden. Diese sollen sich zusammenschließen, um rasch eine lokale Infrastruktur aufzubauen, vermutlich in den Bezirksstädten. Betroffen sind an die 300.000 Personen.

Neuer Impfstoff

Als zweiter Corona-Impfstoff ist ab sofort auch das Mittel des US-Herstellers Moderna in der Europäischen Union zugelassen. 160 Millionen Dosen kann die EU vom Moderna-Impfstoff abrufen. Mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer sowie Moderna kann Österreich über 500.000 Menschen im ersten Jahresquartal impfen (bisher: 440.360 Menschen). Der Logistik-Vorteil des Moderna-Impfstoffs: Die längerfristige Kühlung ist bereits bei rund minus 20 Grad möglich (Impfstoff Biontech-Pfizer: minus 70 Grad) 

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