Österreich

„Problem liegt im privaten Bereich“

03.05.2021 • 11:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit
Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit APA/HELMUT FOHRINGER

Handel und Dienstleister dürfen in Wien und Niederösterreich wieder öffnen.

Der harte Lockdown in Wien und Niederösterreich geht am Montag zu Ende. Geschäfte öffnen wieder, ebenso persönliche Dienstleister wie Friseure ‒ dazu müssen nach wie vor negative Eintrittstests vorgewiesen werden. Wer in den letzten sechs Monaten infiziert war und einen Nachweis dafür hat, braucht keinen Test. In der Bundeshauptstadt fällt auch die Maskenpflicht an belebten Orten. Die Gastronomie bleibt hingegen weiterhin geschlossen.

Seit Anfang April haben sich die beiden Bundesländer ‒ zuerst gemeinsam mit dem Burgenland, das bereits vor zwei Wochen wieder öffnete ‒ in einem speziellen regionalen Lockdown befunden. Grund war unter anderem eine Überlastung der Intensivstationen.

Das Ende des sogenannten Ost-Lockdowns bedeutet auch, dass die in Wien und Niederösterreich geltenden restriktiven Ausgangssperren ab Montag nicht mehr gelten. Dort galten diese rund um die Uhr. So waren Fahrten in andere Regionen nur zu bestimmten Zwecken erlaubt. Auch die Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Museen und Zoos dürfen nun wieder öffnen ‒ das allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Weitere Lockerungen soll es erst wieder am 19. Mai bundesweit geben.

„Problem liegt im privaten Bereich“

Für Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, sind die Öffnungen im Osten vertretbar, „da wir uns in einem sicheren Setting mit einem ausgezeichneten Testangebot befinden“, wie sie heute im Ö1-Morgenjournal erklärte. Auf die Frage, welche Lehren aus den stark angestiegenen Inzidenzzahlen in Vorarlberg zu ziehen seien, meint Reich: „In sicheren Testsettings wie in der Gastronomie sind keine Cluster-Fälle aufgetreten.“ Das Problem liege vielmehr im privaten Bereich, da durch die Öffnungen ein Gefühl der Normalität aufgekommen sei, wodurch Sicherheitsschranken gefallen seien. „Wir müssen vermehrt darauf hinweisen, dass dort, wo wir uns selber schützen müssen, weiterhin intensive Bemühungen notwendig sind ‒ sonst kommt es im privaten Bereich zu steigenden Zahlen.“

Nach den weiteren Öffnungsschritten am 19. Mai wird voraussichtlich die Vorlage von drei verschiedene Eintrittstests mit unterschiedlich langer Gültigkeitsdauer von 24, 48 und 72 Stunden möglich sein. Auf die Frage, ob dies nicht zu unübersichtlich und verwirrend für die Bevölkerung sei, erläutert Reich: „Es ist nicht ganz einfach, aber wir wollten den Menschen mehrere Möglichkeiten anbieten, damit der Zugang nicht zu kompliziert wird. Je professioneller das Testangebot, desto länger hält es.“

Was die Impfungen in den Betrieben betrifft, geht Katharina Reich vom 17. Mai als offiziellem Startdatum aus. Die einzelnen Bundesländer seien bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt. Zur Frage, wie eine Impfkampagne aussehen könne, wenn irgendwann mehr Impfdosen als Impfanmeldungen da seien: „Es wird eine zielgruppenorientierte Kampagne notwendig sein“, meint Reich. Das Impfen soll „als Tor zur Welt“ herausgestrichen werden. Zudem sei das Impfen der bessere und stabilere Weg, sich zu schützen ‒ Tests seien immer nur Hilfsmittel, das müsse der Bevölkerung bewusst gemacht werden.

Ausgeschert aus dem sogenannten Ost-Lockdown war bereits vor zwei Wochen das Burgenland. Dort waren der Handel und der Dienstleistungssektor wieder geöffnet worden. Der dortige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) musste wegen dieses Vorgehens Kritik einstecken. Mit dem Ende der verschärften Maßnahmen sind nun auch wieder etwa Einkaufsfahrten in andere Bundesländer erlaubt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sieht nach dem Ost-Lockdown die Strategie des regionalen Vorgehens gegen die Pandemie bestätigt: „Es war richtig, dass wir als eines der ersten Länder auf Massentests gesetzt haben und in der Pandemiebekämpfung gezielt regional und nicht flächendeckend vorgegangen sind.“ Mit diesen beiden Maßnahmen habe man die dritte Welle besser meistern können als andere Länder. Gleichzeitig betonte er die Wichtigkeit der Impfungen.