Österreich

Psychisch Kranker wollte Kindergärtnerin töten

03.05.2021 • 15:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Fall eines psychisch Kranken wurde am Montag am Landesgericht Wien verhandelt
Der Fall eines psychisch Kranken wurde am Montag am Landesgericht Wien verhandelt APA/HANS PUNZ

Der Mann leidet seit Jahren unter einer paranoiden Schizophrenie.

Ein 37-jähriger Mann ist am Montag vom Wiener Landesgericht rechtskräftig in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Er war am 4. Februar 2021 in einen Kindergarten in Wien-Penzing eingedrungen und mit einem Küchenmesser auf eine Pädagogin losgegangen, weil er – wie er nun einem Schwurgericht erklärte – die junge Frau für eine Satanistin hielt. Ihre Tötung sei „notwendig, weil es nicht anders geht“.

Da die Frau laut um Hilfe schrie und darauf hin ein vierjähriger Bub in den Raum kam, ließ der 37-Jährige von seinem Vorhaben ab. „Mein Entschluss wär‘ gewesen, sie mit dem Messer abzustechen“, bekräftigte der Mann im Grauen Haus. „Aus göttlicher Sicht“ sei für sie „die Todesstrafe“ notwendig: „Die hat dort nix verloren mit Kindern, mit unschuldigen Kindern.“

Der Mann leidet seit rund zehn Jahren an einer paranoiden Schizophrenie, die in kausalem Zusammenhang mit ausgiebigem Cannabiskonsum stehen dürfte. Laut einem psychiatrischen Gutachten war er zum Tatzeitpunkt zweifelsfrei zurechnungsunfähig und damit nicht schuldfähig.

Er stünde in geistiger Verbindung mit „Engelswesen“ und Jesus, „Gotterscheinungen“ hätte er auch schon gehabt, berichtete der 37-Jährige einem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm). Er habe „viele solche Erlebnisse“, betonte er: „Ich habe gegen diese Erscheinungen nichts. Ich sehe sie positiv.“ Behandeln wolle er sich dagegen nicht lassen: „Ich lehne Medikamente grundsätzlich ab, weil sie Nebenwirkungen haben, die dazu führen, dass man früher stirbt.“

Ende Jänner hatte der 37-Jährige im Vorbeigehen die Kindergärtnerin erstmals wahrgenommen, als diese auf dem Gelände vor der Einrichtung im Freien mit den Kindern spielte. „Ich hab‘ Satan gespürt„, erinnerte sich der Kranke. Er habe das dem Kindergarten und der Polizei gemeldet, sei aber „belächelt“ bzw. nicht ernst genommen worden. Darauf hin habe er sich zur „Aktion“ entschlossen.

„Wenn der Befehl kommt, sie zu töten, würde ich es wieder versuchen“, machte der Mann am Ende seiner Einvernahme deutlich. Vor der Zeugenbefragung der Pädagogin bemerkte er: „Ich hätte eine Bitte, wenn die Satanistin kommt, würd‘ ich rausgehen.“

Die Zeugin erinnerte sich, wie mitten im Kindergarten „ein starker, großer Mann“ plötzlich vor ihr stand und mit einem Messer auf sie zuging: „Ich hab‘ geschrien wie am Spieß. Sie sei zurückgewichen, bis sie am Heizkörper anstand: „Ich hatte solche panische Angst. Ich hab‘ mich sterben gesehen. Ich hätt‘ nicht weg können.“ Die Kindergärtnerin zeigte sich überzeugt, dass der Mann zugestochen hätte, wäre nicht zufällig ein Bub in das Zimmer gekommen, der ihre Schreie gehört hatte.

Der Leiter des Kindergartens hatte den 37-Jährigen verfolgt, nachdem dieser das Gelände verlassen hatte. Der Mann konnte auf einem ÖBB-Bahnhof festgenommen werden.