Österreich

Patentanmeldungen nicht eingebremst

10.05.2021 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbolbild
Symbolbild (c) imago images/Olivier Le Moal (Olivier Le Moal via www.imago-im)

Österreich blieb auch während der Krise ein Innovations-Land.

Von einer Überraschung spricht Mariana Karepova, die Präsidentin des Patentamts, wenn sie auf das Krisenjahr 2020 zurückblickt. “Wir hatten eigentlich mit einem Rückgang gerechnet, schließlich gab es auch in Deutschland um acht Prozent weniger Patentanmeldungen.” Doch in Österreich gab es trotz Krise sogar ein leichtes Plus. 2737 Anmeldungen wurden 2020 in Österreich eingereicht. Weltweit haben heimische Firmen 11.534 Erfindungen angemeldet, ein leichtes Minus. Im weltweiten Ranking habe man damit gemessen an der Einwohnerzahl Rang 11 und in der EU Rang 6 behaupten können, erklärte Umweltministern Leonore Gewessler.

Im Schnitt wird aus jeder zweiten Anmeldungen auch wirklich ein Patent. “Damit haben Österreichs Erfinder während der Coronakrise mehr als 1000 echte Weltneuheiten auf den Markt gebracht”, sagt Karepova. Auch die Beratung durch das Patentamt wird inzwischen deutlich mehr nachgefragt – plus neun Prozent. “Viele Firmen haben Innovationen in der Pipeline und wollen vorab abklären, ob ein Schutz möglich ist.” Alleine im ersten Quartal 2021 ist die Service-Nachfrage um 30 Prozent gestiegen.

Wenig Patente von Start-ups

Dennoch sind es wohl vor allem die etablierten Firmen, die ihre Erfindungen schützen lassen. Denn eine Untersuchung des Forschungsinstitut economica hat gezeigt, dass von 7000 neu gegründeten Unternehmen nur zwei Prozent ein Patent angemeldet haben. Auch der eigene Markenauftritt wird nur von sechs Prozent der Start-ups abgesichert. “Gründer gehen hier das Risiko ein, dass eine andere Firma sich die Marke oder das Patent wegschnappt”, warnt Karepova.

AVL-Chef Helmut List, Ministerin Leonore Gewessler und Patentamatspräsidentin Mariana Karepova
Österreichisches Patentamt: JahresbilanzAPA

Was die Untersuchung auch zeigt: Jene Unternehmen, die den Weg des Patentschutzes gehen, haben eine deutlich höhere Überlebenschance. Nach fünf Jahren sind 78 Prozent noch im Geschäft. Um mehr junge Unternehmen anzusprechen, arbeite das Patentamt laufend daran, die Hürden für die Anmeldung zu reduzieren, versichert die Präsidentin des Patentamts.

Gewessler will hier vor allem Frauen motivieren, ihre Erfindungen zu schützen. Denn diese sind bei den Patenten deutlich unterrepräsentiert. Von den namentlichen Anmeldungen kommen nur sechs Prozent von Frauen. “Dabei sind Frauen gerade bei den Themen Umwelttechnologien und Klimaschutz sehr gut aufgestellt. Hier liegt Österreich über dem EU-Schnitt. Ein Fokus auf diese Bereiche wird auch Frauen sichtbarerer machen.”

AVL wieder auf Platz 1

Im Bundesländer-Ranking führt weiterhin Oberösterreich. Doch die Steiermark ist mit 522 Anmeldungen gut im Rennen. Aus Kärnten kamen 93 mögliche Erfindungen. Auf Unternehmensebene führt bereits seit mehreren Jahren der Automobilzulieferer AVL List. 180 Patente wurden angemeldet. “Bei 60 Prozent handelt es sich um Entwicklungen im Bereich regenerative Energien”, erklärt AVL-Chef Helmut List. Das Unternehmen passt sich den neuen Trends in der Automobilindustrie an. Themen wie Elektromotoren, Leistungselektronik oder Batterien seien nun die Treiber der Innovation.

Bei den Stromspeichern gehe es vor allem darum, die Kosten und auch den CO2-Ausstoß bei der Produktion zu reduzieren, erklärt List. Nicht unterschätzt werden dürfe die Bedeutung von Wasserstoff für die Zukunft. Seit 15 Jahren ist AVL in diesem Bereich aktiv. “Wir haben innerhalb der AVL inzwischen 120 Patentfamilien rund um Brennstoffzellen.” Die Technologie sei vor allem für schwere Fahrzeuge wichtig und Schiffe. Aber nur, wenn der Wasserstoff auch aus regenerativer Energie gewonnen werde, sagt List.

Unter den Hochschulen konnte die Technische Universität (TU) Wien mit 22 Anmeldungen ihren ersten Platz vor der TU Graz (8) und der Uni Innsbruck (6) behaupten.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.