Österreich

Druck auf nicht Geimpfte steigt

19.09.2021 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
IMPFBUS BEI MOSCHEE AM BRUCKHAUFEN
IMPFBUS BEI MOSCHEE AM BRUCKHAUFEN APA/ROLAND SCHLAGER

Belastung von Familien, Unternehmen und Pflegepersonal steigt.

Am Montag gibt die Bundesregierung die geplanten Regelungen für den Wintertourismus bekannt. Es ist davon auszugehen, dass eine klare Unterscheidung zwischen Geimpften und nicht Geimpften getroffen werden wird.

In Italien wächst die Zahl der Impfwilligen, nachdem allen Beschäftigten im privaten und öffentlichen Bereich Impfung, Negativtest oder Genesenen-Nachweis vorgeschrieben wurde.

In Deutschland spricht sich eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent der Menschen für die 2G-Regel für die Gastronomie und Veranstaltungen aus, Zutritt also nur noch für Geimpfte und Genesene.

In Frankreich gibt es eine Impfpflicht für Beschäftigte des Gesundheitssektors sowie einen Gesundheitspass, der den Zugang zu zahlreichen öffentlichen Orten mit dem Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung, einer Genesung von Covid-19 oder eines negativen Coronatests verknüpft. Die Zahl der Impfwilligen stieg an, die Zahl der Demonstranten geht zurück. Nicht Geimpfte wurden vom Dienst freigestellt.

In Österreich wird vorerst nur diskutiert.

Aber die Lust, die Impfverweigerung zu akzeptieren, sinkt.

In den Schulen setzt man – noch – auf Freiwilligkeit, obwohl kurz nach Schulbeginn aufgrund von Covid-Infektionen wieder hunderte Schulklassen nach Hause geschickt werden mussten. Eltern reagieren zunehmend mit Unverständnis darauf, dass sich einzelne Lehrer noch immer nicht impfen lassen wollen.

Impfbusse touren durch die Lande, um weitere Impfwillige an Schulen, in Einkaufszentren, ja sogar in der Disko zu erreichen und ihnen den Weg zum Stich so wenig beschwerlich wie möglich zu machen.

Die Unternehmen setzen auf Information und Anreize – einzelne Betriebe nahmen eine Anleihe im Burgenland und setzten Preise für die Impfbereitschaft aus. In vielen Betrieben – öffentlichen wie privaten – wird schon über Konsequenzen für nicht Impfwillige nachgedacht.

In den Spitälern steigt der Ärger des seit Monaten an den Belastungsgrenzen stehenden Personal gegen die nicht Geimpften, die zu 90 Prozent die Intensivstationen füllen. Und die tatsächlich auch am lautesten gegen vermeintliche schlechte Behandlung protestieren.

Operationen müssen schon wieder verschoben werden, weil Betten und Personal von Covid-Patienten beansprucht werden.

Eine Erkrankung an Covid-19 kann durch eine Impfung um 95 Prozent verhindert werden, sagt der Wiener Mediziner Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung an der Klinik Favoriten.

Wenisch spricht von den “direkten Schäden” für “Betroffene, die sich infizieren mit SARS-Viren und dann krank werden” und den “indirekten durch Operationsverschiebungen”. Das habe fürchterliche Auswirkungen für die Betroffenen.

Regeln für Wintertourismus

Die Regierung setzt – noch – auf Überzeugungsarbeit. Und versucht Impfwillige mit dem Hinweis aufs Schifahren und auf den Gasthausbesuch zu ködern. Morgen geben Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ihre Pläne bekannt, was die Regeln für den Wintertourismus betrifft. Vizekanzler Werner Kogler ließ bereits anklingen, dass diejenigen, die im Winter Schifahren wollen, gut beräten seien, sich jetzt rasch impfen zu lassen.

Politiker und Experten werden nicht müde zu betonen, dass die Regeln auch darauf ausgerichtet sind, die Nicht-Geimpften zu schützen. Letztlich geht es aber darum, dass nur eine höhere Immunisierung der Gesamtheit die Sicherheit des Systems und der einzelnen Menschen gewährleisten und diese Menschen vor den gar nicht seltenen Langzeitfolgen bewahren kann.

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