Österreich

60 Patienten “potenziell gesundheitsgefährdet”

18.10.2021 • 16:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Softwarefehler verursachte bei mindestens 33 Apotheken in Österreich falsche Medikamentendosierungen
Ein Softwarefehler verursachte bei mindestens 33 Apotheken in Österreich falsche Medikamentendosierungen benjaminnolte – stock.adobe.com

Neue Erkenntnisse im Fall um fehlerhafte Apothekersoftware.

Die Kleine Zeitung deckte den Fall exklusiv letzten Samstag auf: Ein Softwarefehler verursachte bei mindestens 33 Apotheken in Österreich falsche Medikamentendosierungen. Konkret geht es darum, dass durch den Softwarefehler die Einnahmeempfehlungen des Arztes verändert wurden – also mehr, oder weniger Medikamente pro Tag bei der Abholung der Medikamente aus der Apotheke empfohlen wurden. Die Anweisungen des Arztes werden elektronisch zur Apotheke weitergeleitet – und in mindestens 33 Apotheken hat die Software die Anweisungen verändert.

Sowohl Apothekerkammer wie auch Ärztekammer alarmierten ihre Mitglieder in ganz Österreich. Die Apothekerkammer schrieb von einem “dringenden Handlungsbedarf, damit es nicht zu Gesundheitsschäden kommt”. Die Ärztekammer warnte davor, dass die falschen Daten auch in den Patientenakten abgespeichert sein könnten. Insider gehen davon aus, dass dieser Fehler seit Jahren unentdeckt geblieben ist.

Inzwischen hat sich auch die Österreichische Patientenombudschaft eingeschaltet. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte, stellt fest: “Ich vermute, dass es diesen Fehler schon länger gibt. Sobald klar ist, wie der Fehler zustande gekommen ist und der Zeitraum eingegrenzt werden kann, muss der gesamte Zeitraum überprüft werden.”

Bisher wird bis Juli 2021 geprüft, die Verantwortlichen im Gesundheitssystem sprechen derzeit von 1000 Patienten, die betroffen sein könnten – nach jetzigem Stand. Es wird weiter nach potenziellen Opfern gesucht.

Schadenersatzanspruch für Betroffene

Auch hier klärt Bachinger im Detail auf und nennt genaue Zahlen: “Der aktuelle Wissensstand ist so, dass die Einnahmeempfehlung bei 60 Patienten potenziell gesundheitsgefährdend gewesen sein könnte – ob und wie diese wirksam geworden ist, muss jetzt geprüft werden.”

Und: “Dann stehen wir als Patientenombudschaft zur Verfügung, dass das auch schadenersatzrechtlich abgegolten wird. Wenn es zu einer Gesundheitsverschlechterung gekommen ist, dann hat der Patient einen Schadenersatzanspruch.”

Qualitätsmanagement einsetzen

Kritisch äußert sich Bachinger über die Vermutung aus der Ärzteschaft, dass die e-Medikation eine “Mitschuld” trage. “Die e-Medikation abzuschaffen wäre ein Rückschritt ins Mittelalter, wir wissen aus vielen Vorgängen, dass sich die Patientensicherheit und Qualität dadurch verbessert hat.” Bachinger schlägt außerdem vor, nur noch jene Software von Apothekern und Ärzten zuzulassen, die von der Elga-Gesellschaft zertifiziert wurde.

Ähnlich argumentiert auch Dietmar Bayer, Referent für Telemedizin und medizinische Informatik in der Ärztekammer. “Auch Spitäler sind betroffen, das alles muss jetzt genau untersucht werden. Man muss endlich ein Qualitätsmanagement im öffentlichen Bereich einsetzen, so geht es einfach nicht weiter.”

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