Österreich

Ein Ticket für (fast) alle Öffis

25.10.2021 • 18:12 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Umweltministerin Leonore Gewessler präsentiert ihr Klimaticket. <span class="copyright">APA/HERBERT NEUBAUER</span>
Umweltministerin Leonore Gewessler präsentiert ihr Klimaticket. APA/HERBERT NEUBAUER

Bereits 70.000 Klimatickets wurden verkauft. Gültig ab morgen.

Am Nationalfeiertag tritt das neue Klimaticket in Kraft. Mit großer Begeisterung wurde es präsentiert, und mit noch größerer Begeisterung geht die Regierung an den Start. Mit der Zahl von 100.000 Tickets, die man verkaufen wollte, hatte man das Ziel niedrig formuliert. Nach einem Monat – in der Vorverkaufsphase – sind es jetzt schon 70.000 Österreicherinnen und Österreicher, die das Ticket erwarben.

Egal, ob Bus, ob Bahn oder Bim, alle Verkehrsmittel sind ab dem 26. Oktober mit dem Klimaticket verfügbar. Kein Stress mehr am Ticketautomaten, kein Anstellen mehr um verschiedenste Einzeltickets oder Zeitkarten, keine Planung vor Reiseantritt. Nur Seilbahnen, in Graz etwa auch der Schlossberglift, und Flixbus sind nicht umfasst.

Umweltministerin Leonore Gewessler freut sich: “Die Menschen wollen umsteigen und klimafreundlich unterwegs sein. Dafür möchte ich mich heute auch bei allen herzlich bedanken. Klimaschutz gelingt nur gemeinsam. Mit dem KlimaTicket zeigen wir vor, wie es geht.“

Bei Online-Kauf Verzögerung

Nicht für alle geht es am 26. Oktober wirklich los. Für jene, die das Ticket im Online-Shop erwarben, gilt eine 14-Tages-Frist, ab der das Ticket erst gilt und nach der es auch tatsächlich heruntergeladen werden kann. Das hängt mit dem allgemeinen Rücktrittsrecht von 14 Tagen für Online-Käufe zusammen. Innerhalb dieser Frist kann der Kauf storniert und das Geld zurückgefordert werden.

Der Erwerb im Vorverkauf – vor Ort bei ÖBB und den teilnehmenden Verkehrsverbünden oder Online – ist noch bis 31. Oktober möglich. Bis dahin gilt der “Early-Bird”-Preis von 949 Euro statt 1.095 Euro bzw. 699 Euro statt 821 Euro für Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderung. Gegen einen einmaligen Familienaufschlag von 110 Euro reisen bis zu vier Kinder zwischen 6 und 15 Jahren kostenlos mit dem Karteninhaber.

Rund die Hälfte aller bisher verkauften Tickets (37.100) sind klassische Klimatickets. 29 Prozent entfallen auf das Klimaticket für die Jugend (20.300), 16 Prozent auf das Klimaticket für Senioren und zwei Prozent auf das Klimaticket für Menschen mit Behinderung.

So kommen Sie zu Ihrem Klimaticket

  • Kauf vor Ort, bei allen Ticketsschaltern von ÖBB und Westbahn sowie bei den Schaltern der Verkehrsverbünde, Gültigkeit ab sofort bzw. ab dem gewünschten Termin, Sie bekommen einen vorläufigen Nachweis über den Kauf des Tickets. Das endgültige Ticket mit Foto ist im Scheckkartenformat und kommt erst nach einigen Wochen per Post.
  • Kauf Online, Gültigkeit ab dem gewünschten Termin, frühestens aber nach 14 Tagen, Sie können den vorläufigen Nachweis über den Kauf des Tickets erst dann herunterladen. Das endgültige Ticket mit Foto ist im Scheckkartenformat und kommt erst nach einigen Wochen per Post.
  • Regionale Tickets: Das Klimaticket für die Steiermark ist erst ab 1. Jänner erhältlich, und zwar um 588 Euro  (für Senioren, Jugendliche und Menschen mit Behinderung um 441 Euro). Der Vorverkauf beginnt am 1. Dezember 2021 bei den bestehenden Vertriebsstellen des Verkehrsverbundes. Auch der Starttermin für Kärnten ist für 1. Jänner geplant, der Preis steht jedoch noch nicht fest.

Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch ungeklärt ist die Frage, wie sie künftig Dienstfahrten verrechnen. Bisher wurden vielfach Tickets einzeln verrechnet, doch künftig gibt es solche Tickets ja nicht mehr, wenn der Dienstnehmer privat bereits ein Klimaticket erworben hat. Wie also den beruflichen Aufwand nachweisen?

Offene Fragen zu Dienstreisen

Zwar hat es der Staat per Gesetz vom 1. Juli dieses Jahres Arbeitgebern ermöglicht, Wochen-, Monats- oder Jahreskarten steuerfrei zur Verfügung stellen oder die entsprechenden Kosten steuerfrei zu ersetzen. Die Frage, inwiefern der Arbeitgeber Kosten ohne konkreten Nachweis bzw. als Pauschalbetrag ersetzt und sich damit an den Kosten einer privaten Zeitkarte beteiligt, ist jedoch wie bisher Vereinbarungssache, in Betrieben mit Betriebsrat am besten in Form einer Betriebsvereinbarung zu regeln.

Das Klimaticket Ö ist ein personengebundenes Ticket und nicht übertragbar. Das macht es Betrieben unmöglich, etwa selbst ein Klimaticket zu erwerben und verschiedenen Arbeitnehmern je nach Bedarf zur Verfügung zu stellen.

Steiermark-Ticket übertragbar

Das KlimaTicket Steiermark zum Vollpreis gibt es hingegen auch in einer übertragbaren Variante (ohne Foto, kann auch von anderen Personen benützt werden). Diese kostet um 100 Euro mehr, also 688 Euro für ein Jahr. Betriebe oder Gemeinden können ihren Beschäftigten auf diese Weise die unentgeltliche Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel für dienstliche und private Wege ermöglichen.

Völlig offen ist übrigens auch die Frage, ob das Kilometergeld angesichts der steigenden Treibstoffpreise erhöht wird. Es wurde zuletzt im Jahr 2008 angehoben und beträgt seit damals 0,42 Euro pro Kilometer. Anschaffungs- und Treibstoffkosten auch die Kfz-Steuer die Kosten für alle Versicherungen, für das Service, für Reparaturen und natürlich auch die Parkgebühren, Straßenmauten und die Autobahn-Vignette sind seither gestiegen. Durch die CO2-Steuer erhöhen sich die Treibstoffkosten ab 1. Juli des kommenden Jahres noch einmal um 8 bzw. 9 Cent pro Liter.

Kilometergeld: Erhöhung gefordert

Schon im Vorjahr berechnete Wiens FCG-Landesvorsitzender Thomas Rasch: „Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat seither seine Dienstgeber jedes Jahr mit mindestens 900 schwer verdienten Euro gesponsert!“

Im Finanzministerium betont man, es nicht an einen Erhöhung des amtlichen Kilometergeldes, an dem sich auch alle privaten Betriebe orientieren, gedacht. Für die SPÖ kann das noch nicht aller Tage Abend sein: Der stellvertretende Klubvorsitzende Jörg Leichtfried erklärte im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, die SPÖ wolle sich für eine Erhöhung des Kilometergeldes stark machen, die Kosten für Pendler oder mobile Arbeitskräfte seien mit dem Klimabonus von maximal 200 Euro pro Jahr in zu geringem Ausmaß abgegolten.

Für Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer, die zum Arbeitsort täglich 50 Kilometer fahren, geht es sich vermutlich aus. Für eine Person, die pro Tag 100 Kilometer fährt, beträgt allein die Mehrbelastung pro Jahr ca. 200 Euro. Öffis stehen im ländlichen Raum zu zumutbaren Zeiten oft nicht zur Verfügung.

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