Österreich

Großes Geheimnis um den Gehaltszettel

05.12.2021 • 17:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Drittel der Menschen weiß nicht, wieviel der Partner verdient
Ein Drittel der Menschen weiß nicht, wieviel der Partner verdient Zerbor – stock.adobe.com

Österreicher geben nicht so gerne Informationen über ihr Gehalt preis.

Wenn einmal im Monat die Kuverts oder E-Mails mit den Gehaltszetteln ankommen, schaut so manch einer auf die Summe unter dem Punkt “netto”. Doch auf die Idee, diesen Betrag in der Familie, unter Freunden oder gar Kollegen offenzulegen, kommt in Österreich fast niemand. Das hat eine Umfrage von Marketagend im Auftrag der Job-Bewertungsplattform Kununu ergeben. 500 Menschen im Alter zwischen 14 und 59 Jahren wurde dafür befragt.

Knapp die Hälfte gibt an, dass immerhin die Angehörigen wissen, wie hoch der Lohn ist. Nur ein Viertel verrät das dem Freundeskreis. Zehn Prozent verschweigen die Höhe ihres Gehalts komplett. Das führt dazu, dass ein Drittel der Befragten nicht weiß, wie viel der eigene Partner verdient.

Dabei sind sich 18 Prozent der Befragten durchaus bewusst, dass das Wissen um das Einkommen anderer bei Verhandlungen über Gehaltserhöhungen sehr hilfreich wäre. Deshalb bedauert knapp ein Viertel, dass der Verdienst in Österreich offenbar ein Tabuthema ist.

Transparenz

Dieses Tabu zu brechen, war die Motivation für Kununu, diese Umfrage in Auftrag zu geben, sagt Geschäftsführerin Nina Zimmermann: “Unsere Mission ist, Transparenz in den Arbeitsmarkt zu bringen. Die Menschen sollten alle Informationen zur Verfügung haben, um die für sie beste Karriereentscheidung treffen zu können.”

Überrascht war Zimmermann darüber, dass Frauen hier offenbar auskunftsfreudiger sind. “Auch weil Männer noch immer mehr verdienen, wollen Frauen wissen, wie groß der Unterschied ist. Deshalb ist Offenheit bei Einkommen auch gesellschaftlich so wichtig.” Auch jüngere Menschen seien wesentlich offener bei dem Thema als ältere Generationen.

Gehalt ist nicht alles

Was sich auch zeigt. Das Gehalt müsse zwar schon passen, doch entscheide es nicht über die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Hier zählen Faktoren wie Flexibilität, ein nettes Team oder die Unternehmenskultur. “Das ist harte Arbeit für Unternehmen”, sagt Zimmermann. Die Coronakrise habe uns hier zwar einen Schritt weitergebracht, wie die zunehmende Akzeptanz von Homeoffice zeigt.

Die Expertin ist auch überzeugt, dass diese Form der Arbeit von Zuhause in vielen Firmen auch nach Corona bleiben wird. Nicht weil es die Chefs wollen, sondern weil die Mitarbeiter es fordern werden. Für Unternehmen müsse nun ein Prozess des Umdenken beginnen. Denn: “Wir sind noch nicht weit genug.”