Österreich

Ringen um Getreide als tägliches Brot

05.12.2021 • 16:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ringen um Getreide als tägliches Brot
Lumixera – stock.adobe.com

Mit Blick auf Engpässe bei Getreide, dessen Preis enorm steigt.

Um 22 Uhr, nach vielen Telefonaten, habe er kürzlich zugeschlagen. Zuschlagen müssen, so Albin Sorger-Domenigg. „Wir haben mit unserer Mühle die Lieferungen fürs zweite und dritte Quartal 2022 vereinbart. Zum doppelten Preis gegenüber dem Vorjahr“, so der Chef der Traditionsbäckerei Sorger. „Aber es hilft nichts, wir brauchen Premiumgetreide aus Österreich.“

Und dieses ist derzeit schwer zu bekommen, vor allem zu vernünftigen Preisen, lautet der kollektive Seufzer in Backstuben wie Mühlen. Die schwer verdauliche Mischung: Rohstoffengpässe nach schlechteren Ernten, auch durch Wetterextreme bedingt – und steigende Exporte, die für Landwirte wie Großhändler lukrativ sind.

„Vor allem nach Italien geht ganz viel“, so Heinz Regula, Bäcker und WK-Innungsmeister. Ja, die Lage sei heikel, „aber nicht für alle. Ich kenne kleinere Mühlen, die nichts spüren“. Auch Markus Schafler serviert zunächst einen verbalen Magenbitter. „Kein Grund zur Hysterie, vor allem der Kunde bemerkt nichts“, so der Mühlenbetreiber in Gersdorf bei Weiz. Aber als Innungsmeister wisse er: „Bei heimischem Roggen gibt es ein Mengenminus von 30 Prozent, bei Weizen von 15 Prozent. Und bei steigender Nachfrage kann sich dann jeder den Druck auf die Branche ausrechnen.“ Daher plädiere er dafür, an einem Strang zu ziehen.

Andreas Jirkowsky würde seitens Raiffeisen Ware Austria (RWA), federführend im Getreidehandel, mitanpacken. Aber er betont: „Auch beim Getreide geht es um Angebot und Nachfrage. Die weltweiten Ernten sind heuer niedriger ausgefallen, die Bestände rückläufig, wodurch sich höhere Preise ergeben. Hier folgt der Markt in Österreich dem internationalen Marktgeschehen.“ Die RWA exportiere derzeit aber weniger, „dafür setzen wir mehr im Inland ab“. Und hier garantiere man Kunden dieselbe Weizenmenge wie im Vorjahr.

Kritik an Ausfallsbonus, “ungespitzt in die Wand gefahren”

Dem steirischen Bäckereiunternehmer Sepp Hubmann – mit Bäckerei-Filialen von Großklein über Leibnitz bis Arnfels – bereitet dieses Thema indes weniger Kopfzerbrechen. Der Seniorchef des Traditionsbetriebs verweist auf eine langjährige Partnerschaft mit einer Mühle, die Qualität des Mehls sei sehr gut, das Preisniveau in Summe noch akzeptabel, so Hubmann.

Viel mehr beschäftige ihn der Lockdown, der seine Café- und Konditoreistandorte massiv betrifft. „Dass ein Lockdown kommt, wurde von der Politik ja lange ausgeschlossen, dann kam er kurzfristig doch, wir sind ungespitzt in die Wand gefahren.“ Besonders ärgerlich aus Sicht von Hubmann – das Unternehmen beschäftigt 90 Mitarbeiter: „Die Wirtschaftshilfen, vor allem der Ausfallsbonus, sind aus unserer Sicht völlig praxisfern gestaltet.“ Wie berichtet, erhalten Betriebe mit einem Umsatzverlust von mehr als 30 Prozent im November und Dezember 2021 (im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2019) einen Teil der Umsatzausfälle (zehn bis 40 Prozent, je nach Kostenstruktur der Branche) ersetzt. „Wir haben an jenen November-Tagen, an denen weite Teile des Geschäfts stillgelegt werden mussten, einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent erlitten. Aber aufs gesamte Monat gerechnet kommen wir gegenüber 2019 trotzdem nicht auf minus 30 Prozent, fallen daher um den Ausfallsbonus um, Rechnungen und Verpflichtungen müssen wir aber bezahlen“, so Hubmann, der auf eine tauglichere Lösung hofft.