Österreich

Neuer Auftrag: Kaufhaus statt Konzerthalle

16.01.2022 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Security-Dienst in Parndorf
Ein Security-Dienst in Parndorf APA/ROBERT JAEGER

Sicherheitsdienste erleben die Pandemie mit allen Höhen und Tiefen.

Nicht nur Künstler beziehungsweise Sportler und ihr Publikum traf die coronabedingte Absage von Veranstaltungen in den vergangenen Monaten mit voller Wucht. Auch Sicherheitsdiensten brach ein wesentlicher Auftrags- und Einnahmeast plötzlich weg. Dazu gab es durch die Reisebeschränkungen auch massive Rückgänge bei Einsätzen im Bereich der Flughafensicherheit.

Mittlerweile hat sich die Situation entspannt – auch „dank“ der neuen, verschärften Zugangsbeschränkungen im stationären Handel. Das Personal der Sicherheitsdienstleister wird angefordert, um Testzertifikate, Impf- beziehungsweise Genesenen-Nachweise und die Einhaltung der Maskenpflicht und Abstandsregeln zu kontrollieren beziehungsweise zu überwachen. Vor allem in den ersten Tagen war die Nachfrage massiv, bestätigt Pascal Zettl, für Securitas für Südösterreich zuständig. Securitas ist mit 2300 Mitarbeitern – rund 700 davon laut Zettl in der Steiermark und in Kärnten – und einem Umsatz von 80 Millionen Euro einer der größten Sicherheitsdienstleister Österreichs. Viele Handelsunternehmen wickeln die Kontrollen nach den turbulenten Weihnachtseinkaufstagen zwar mittlerweile selbst ab. Dafür läuft und wächst auf Flughäfen, Fußballplätzen und in Eishockeystadien wieder ein zaghafter Publikumsverkehr, der die Arbeit der Sicherheitsdienste verlangt.

Fiebermessungen neu im Portfolio

Der mit 2400 Mitarbeitern zweite Branchengrande, das Salzburger Sicherheitsunternehmen ÖWD, vermeldete bereits Mitte vergangenen Jahres „eine extrem hohe Nachfrage im Bereich der Personenzählung“. Dabei erfasst ein Sensor exakt die Anzahl der anwesenden Personen in einem Raum. Die ständig aktualisierten Live-Daten können auf einem zentralen Rechner oder sogar von Wachleuten vor Ort via App abgerufen werden – inklusive Alarmierung bei Überschreitungen vorgegebener Limits. Auch automatisierte Maßnahmen wie Ampelschaltung zur Information der auf Eintritt wartenden Kunden oder ein automatisches Schließen der Eingangstüren sind möglich.

Technisch kam es durch die Corona-Anforderungen auch zu anderen Neu- und Weiterentwicklungen. Fiebermessungen werden mittlerweile ebenso angeboten wie permanente Abstandsmessungen am Arbeitsplatz – egal ob in der Fabrikshalle oder im Bürogebäude. Das funktioniert über ein Sender-Empfänger-System, das in den Umhängestecketuis für Zugangskarten integriert ist. Kommt man sich zu nahe, ertönt ein Alarmsignal. Durchgesetzt hat sich dieses System jedoch noch nicht, gibt man zu.

423 Unternehmen mit 16.600 Mitarbeitern

„Aber es gibt neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten, womit die Branche mit einem blauen Augen davongekommen ist“, zieht Robert Grabovszki eine Zwischenbilanz. Von „Krisengewinnern“ will er aber nach den jüngsten Verschärfungen der Kontrollussancen im stationären Handel nicht sprechen. Grabovszki ist Generalsekretär des Verbands der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ). 423 Unternehmen aus der Branche sind unter dem Dach dieser Interessensvertretung zusammengefasst. Sie beschäftigen knapp 16.600 Mitarbeiter. Es könnten mehr sein.

„Die Unternehmen suchen händeringend“, sagt er. „Es wird immer schlimmer und schwieriger“, bestätigt ein Firmenvertreter, der aufgrund seines Nachsatzes nicht genannt werden will: „Der Kollektivvertrag ist sehr niedrig.“ Die Grundstundenlöhne rangieren zwischen neun und zwölf Euro – ohne, so heißt es unter § 21 des Kollektivvertrags für Wachorgane, „Rücksicht darauf, ob es sich um Tag-, Nacht- oder Sonntagsstunden, um Anwesenheitsbereitschaftsdienst oder bezahlte Ruhepausen oder um Einführungsdienst handelt“.