Österreich

Seltsame Warnhinweise an Frauen

03.04.2022 • 15:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Sujetbild (c) APA/WERNER KERSCHBAUMMAYR

Am Freitag tauchten am Linzer Bahnhof eigenartige Plakate auf.

Über drei Burschen, die nach der Vergewaltigung einer 16-Jährigen Mittwochabend nahe des Linzer Hauptbahnhofs festgenommen worden sind, ist Freitagabend die Untersuchungshaft verhängt worden. Der vierte Verdächtige, der sich Freitagabend bei der Polizei in Vöcklabruck stellte, habe sich bei seiner polizeilichen Einvernahme nicht geständig gezeigt, sagte Staatsanwaltssprecherin Ulrike Breiteneder am Samstagnachmittag. Auch für ihn wurde die U-Haft beantragt.

Die vier Jugendlichen sollen Mittwochabend über eine 16-jährige Deutsche in der Nähe des Linzer Hauptbahnhofs hergefallen sein. Beamte der Fremdenpolizei wurden aufmerksam und gingen dazwischen. Die Täter flüchteten. Wenig später wurden drei Burschen – zwei 15-jährige Afghanen und ein 14-jähriger Iraner – festgenommen. Alle drei sind zwar unbescholten, bei der Polizei aber bereits amtsbekannt – wegen “kleinerer Delikte”, hieß es dort. Die U-Haft wurde Freitagabend vorerst für 14 Tage verhängt.

Der vierte Verdächtigte, ein 15-jähriger Afghane, stellte sich am Freitag bei der Polizeiinspektion Vöcklabruck. Bei der polizeilichen Einvernahme habe er gesagt, dass er nichts getan habe. Er wurde in die Justizanstalt gebracht, über die U-Haft werde heute oder morgen entschieden, sagte Breiteneder. Zwei Verdächtige gaben weiterhin an, es habe mit dem Mädchen sexuelle Kontakte “auf einvernehmlicher Basis” gegeben, der dritte schweigt, berichtete Breiteneder am Samstag.

Das Opfer habe aber alle vier Festgenommenen “eindeutig im Sinne eines Vergewaltigungsvorwurfs belastet”, so Breiteneder. Man sei “weit weg vom Versuch”, sondern es gehe um “wiederholte, vollendete Tathandlungen durch verschiedene Täter”, stellte sie klar. Die 16-Jährige war ins Krankenhaus eingeliefert worden, bei ihrer Befragung tauchten Erinnerungslücken auf. Derzeit würden Spuren untersucht, die Auswertung werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Ungewiss ist noch, wie es zu der Tat gekommen ist und ob die Täter mit dem Opfer bekannt waren.

Der Strafrahmen im Fall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung liegt für Jugendliche bei bis zu fünf Jahren, wenn die Tat eine schwere Körperverletzung – etwa in Form einer posttraumatischen Belastungsstörung – nach sich zieht bei bis zu siebeneinhalb Jahren. Für Erwachsene ist der Strafrahmen doppelt so hoch.

Eigenartige Warnhinweise

Indes tauchten am Freitag am Linzer Bahnhof eigenartige Warnhinweise auf, wie Polizei und ÖBB am Samstag bestätigten. Frauen wurden gewarnt, das Bahnhofsgelände allein zu betreten, man könne “ihre Sicherheit” nicht mehr “gewährleisten”. Den Frauen wurde geraten, sich nicht freizügig zu kleiden und eine Kopfbedeckung zu tragen, außerdem sollten sie einen Meter Abstand halten. Die Zettel, die den offiziellen ÖBB-Hinweisen optisch nachempfunden waren, wurden vom Sicherheitsdienst entfernt und stammen nicht von der ÖBB oder der Polizei, hieß es. Es gebe Videos von der ÖBB, die nun ausgewertet würden, das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) ermittle wegen des Verdachts der Verhetzung, so die Polizei.

Von den ÖBB heißt es dazu: “Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Bahnhofsbesucher:innen hat für uns immer oberste Priorität. Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel. Diskriminierung oder gar Gewalt dulden wir in keinster Art und Weise und setzen hier gezielt Maßnahmen. Unsere Security-Mitarbeiter:innen sind rund um die Uhr im Dienst, sind Ansprechpartner:innen für Fragen und Hinweise sowie laufend im Austausch mit der Polizei, die eine Polizeiinspektion am Hauptbahnhof Linz hat. Gemeinsam werden regelmäßig Streifendienste und Schwerpunktaktionen durchgeführt. Das Gelände ist videoüberwacht und unsere Security-Mitarbeiter tragen Bodycams.”

2020 sind in Oberösterreich laut Kriminalstatistik 142 Vergewaltigungen angezeigt worden, von denen 88 Prozent geklärt wurden. Bei der Polizei heißt es, dass der Großteil an Vergewaltigungen im privaten Umfeld verübt wird, bei den – in absoluten Zahlen vergleichsweise selteneren – Übergriffen im öffentlichen Raum seien aber recht oft Afghanen beteiligt. Insgesamt wäre die Zahl der Straftaten, die von Afghanen begangen wurden, zwar etwas rückläufig, dennoch scheine diese relativ kleine Gruppe sehr weit vorne in der Kriminalstatistik auf. Bei den Straftaten handelt es sich vor allem um Gewalt- und Suchtmitteldelikte.

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